Lokales

„Auf der Suche nach Licht“

Renate Schattel erinnerte in der Martinskirche an Anna Maria Benz

Kirchheim. Anna Maria Benz, einer – fast vergessenen – barocken Kunstmalerin, ist der Roman „Auf der Suche nach Licht“ der Kirchheimer Autorin Renate Schattel gewidmet.

Florian stegmaier

Die 1694 in der noch vom verheerenden Brand gezeichneten Teckstadt geborene Künstlerin erlebt als Tochter eines Hofschreiners einen raschen Aufstieg zur Kunstmalerin.

Neben drei Portraits für die Kirchheimer Martinskirche fertigt sie repräsentative Gemälde sowohl für zahlreiche Adlige und Honoratioren, als auch für Herzog Eberhard Ludwig und dessen Gemahlin. Als kaiserlicher Auftrag ergeht an sie die Illustration des „Theatrum Belli Rhenani“, eine von ihrem Mann, dem Kartografen Cyriak Blödner, entworfene militärische Landkarte.

Im voll besetzten Chor der Martinskirche gab Renate Schattel gemeinsam mit ihrem Mann Bertram als Rezitator und Sohn Dario, der am E-Bass musikalisch in die Zeit des Barocks entführte, literarische Einblicke in die eindrücklich bewegte Romanbiografie dieser Frau.

Vor dem Hintergrund einer eher dürftigen Quellenlage – die Urkunden geben wenig Auskunft über Ausbildung und Werdegang der jungen Anna – entwirft die Autorin ein sachkundiges historisches Gemälde, in das sie ihre Heldin natürlich und lebendig hineinstellt, ihr das Gepräge eines selbstbewussten, auch geschäftstüchtig auftretenden Charakters gibt. En passant entsteht ein authentisches Zeitbild pietistischer Gepflogenheiten und eines sich streng in soziale Klassen gliedernden, absolutistischen Gefüges.

Im Lauf der Buchvorstellung begegnete man der Romanheldin vor allem in ihrer ersten Lebenshälfte, besucht mit ihr das Kirchheimer Atelier von Sebastian König und begleitet sie in der Postkutsche nach Heidenheim zu ihrem zweiten Lehrherren, dem angesehenen Kirchenmaler Gottfried Enßlin. Verleiht Renate Schattel den einzelnen Episoden mit wenigen, umso gekonnteren Strichen plastische Kontur, erfährt im Monolog Enßlins die Sprache einen wesenhaften Umschlag und beginnt mit inwendigem Blick malerisch zu strömen. Die Re­flektionen über das Erleben von Farbe und Licht – Quintessenz eines „Alten Meisters“ – hätten auch einem Kandinsky zur Ehre gereicht. Ein stilistisch geglückter, durchaus plausibler Anachronismus, den die Autorin hier einfließen lässt.

Bei aller Gelehrtheit kommt auch der Humor nicht zu kurz. Von der Vortragskunst Bertram Schattels noch unterstrichen, dürfte den Zuhörern die subtile, sich am sprechenden Minenspiel festmachende Komik der ersten Begegnung zwischen Anna Benz und Major Blödner vor den Epitaphen der Martinskirche lebhaft in Erinnerung bleiben.

Mit Absicht ließ die unterhaltsame Lesung manche Fragen offen und dürfte damit die Lust aufs eigene Schmökern geweckt haben. Dem kann man auf rund zweihundert Seiten in der im Stieglitz-Verlag erschienenen Romanbiografie „Auf der Suche nach Licht“ nachgehen.

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