Lokales

Auf die Haltung kommt es an

In meinem Wohnort Dürnau befindet sich auf dem Dorffriedhof ein Epitaph, wohl aus dem beginnenden 17. Jahrhundert: Es zeigt einen großen steinernen Kruzifixus, umgeben von einem Ritter und seiner Frau, die mit betenden, zusammengelegten Händen davor knien. Das Besondere für mich ist hinter der Figurengruppe zu sehen: Dort liegen die Handschuh-Paare der beiden auf dem Boden zu Füßen des Kreuzes, auch in Stein gehauen, säuberlich nebeneinander.

Welche (innere) Haltung bringen wir mit und drücken wir aus? Im Alltag des Berufes und der Erziehung, auf den Straßen und in unseren Häusern, in den politischen Auseinandersetzungen und im wirtschaftlichen Leben, in den Medien und in den Vereinen, in Freundschaft, Partnerschaft und Ehe? Sicher ist es angebracht, mit Bestimmtheit und Kompetenz bewusst aufzutreten um der Menschen willen, um Frieden zu stiften, um der Gerechtigkeit zu dienen, um Versöhnung zu verwirklichen, um die Schöpfung zu erhalten. Aber nie darf das mit der Faust geschehen weder konkret noch verbal auch nicht versteckt. Immer muss im Vordergrund sein: Wie kann meine Haltung für unsere Kinder und Heranwachsenden zum Vorbild werden? Und: In welchem Zusammenhang beziehungsweise mit welchen Perspektiven bewege ich mich und möchte ich den Weg meiner Mitmenschen mitprägen und mitgestalten?

Die großen Geschichten und Visionen unserer christlichen Wurzeln können dazu beitragen wenn sie auch zugegebenermaßen missbraucht worden sind. Niemand muss heute vor dem Kreuz in die Knie gehen. Aber symbolhaft und sichtbar die Fausthandschuhe ausziehen, das heißt, sich der freundlichen und aufbauenden Traditionen erinnern und diese in die Gesellschaft einbringen, im einladenden Austausch mit anderen: Solche Haltung ist notwendiger denn je.Christian BuchholzSchuldekan

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