Lokales

Auf Goethes Spuren

In zwei Kleinbussen machten sich 18 Mitglieder der VfL-Tennisabteilung auf zu einer Reise in die einzigartige Kulturlandschaft "Thüringen". Nicht nur wegen des traumhaften Wetters war der Besuch der Wartburg in Eisenach sowie der Besuch der kulturhistorischen Städte Erfurt und Weimar mehr als eine Reise wert.

KIRCHHEIM "Wo finden Sie auf einem so engen Fleck noch so viel Gutes?" schwärmte schon Goethe von seiner Thüringer Wahlheimat. Dieser Ausspruch trifft heute mehr denn je auf den Freistaat Thüringen zu. Seine reiche Geschichte, liebevoll restaurierte Altstadtkerne und großartige architektonische Meisterwerke machen Thüringen zu einem besonders attraktiven Ziel für Städte- und Kulturreisen.

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Für die Tennisfreunde vom VfL war nach problemloser Anfahrt die Wartburg in Eisenach die erste Station. Zahlreiche Wege führen zum steilen, 400 Meter hoch gelegenen Bergrücken, auf dem die mehr als 900-jährige Wartburg, weithin sichtbar thront. Die Tennisfreunde nahmen an diesem heißen Tag zumindest für den Aufstieg den Pendelbus, die restlichen Meter bis zur Zugbrücke dem einzigen Zugang ging man dann zu Fuß. "Wart, Berg, du sollst mir eine Burg werden!", rief der Sage nach "Ludwig der Springer" aus, als er um 1067 den einsamen Wartberg mit der herrlichen Aussicht entdeckte. Dass Grund und Boden ihm nicht gehörte, störte ihn wenig. Er ließ Erde von seinem Besitz hierher karren und errichtete darauf die Wartburg. Heute ist sie UNESCO-Weltkulturerbe. Als "Junker Jörg" getarnt versteckte sich 1521 Martin Luther auf der Wartburg und übersetzte in nur zehn Wochen das Neue Testament aus dem griechischen Urtext ins Neuhochdeutsche. 1817, zur 300-Jahr-Feier der Reformation und zum 4. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig hatten sich 500 Burschenschafter und einige Professoren von protestantischen Universitäten auf dem Burggelände getroffen, um bürgerliche Freiheiten zu fordern und gegen die deutsch Kleinstaaterei zu protestieren. Dies war die erste bürgerlich-demokratische Oppositionsbewegung in Deutschland.

Nach diesem ersten beeindruckenden Erlebnis deutscher Kultur ging es weiter nach Erfurt. Ein gemütlicher lauer Abend in einem Biergarten mit Thüringer Spezialitäten war ein guter Abschluss des Tages. Der nächste Vormittag war einer zweistündigen Stadtführung durch Erfurt gewidmet. Die bereits 742 durch Bonifatius als Bistum gegründete heutige Landeshauptstadt Thüringens erlangte als Verkehrsknotenpunkt und kirchlicher Mittelpunkt schon frühzeitig Bedeutung über Thüringen hinaus. Im Mittelalter wuchs die Stadt im Schnittpunkt alter Handelsstraßen zu einer mächtigen Handels- und Universitätsstadt heran. Das überall begehrte Färbemittel Waid brachte der Stadt Wohlstand und Macht.

Erfurt ist auch die geistige Heimat Martin Luthers. Hier, in der 1392 als fünfte Mitteleuropas eröffneten Universität, hat er studiert und die Magisterwürde der philosophischen Fakultät erlangt, hier wurde er zum Priester geweiht und hier wurde er Mönch. Das Augustinerkloster, in dem seine Zelle zu besichtigen ist, liegt am Rande der wunderschönen Altstadt.

Glanzstück Erfurts ist zweifellos der Domhügel. Auf ihm thronen, über eine 70-stufige Freitreppe erreichbar, der Dom Sankt Marien mit der über 500 Jahre (1497) alten weltberühmten klangvollen Glocke "Gloriosa" und die ebenfalls katholische Stiftskirche Sankt Severi. Die um 1320 begonnene künstliche Verlängerung des Domhügels durch riesige viaduktartige Steinbögen, die "Karvaten", war eine technische Meisterleistung. Auf diesem künstlichen Plateau entstand von 1349 bis 1372 der Hohe Chor.

Da nun sowieso Mittagszeit war, genossen die Tennisfreunde nach der Stadtführung an einem der vielen Wurststände am Domplatz eine echte Thüringer Bratwurst. Die kulinarische Pause war für die Reisegruppe allerdings recht kurz, denn am frühen Nachmittag ging es gleich weiter zur nächsten Stadtführung in Weimar. Für eine schwäbische Reisegruppe im Schillerjahr mehr oder weniger eine Verpflichtung. Weimar ist ein "Klassiker", es war und ist ein bedeutsames Zentrum der nationalen Kultur und eine internationale Begegnungsstätte ersten Ranges. Wie kaum ein anderer Ort spiegelt diese Stadt deutsche Geschichte wider. Völlig zurecht war Weimar 1999, im Jahre des 250. Geburtstages von Goethe, europäische Kulturhauptstadt. Mit der Aufnahme von sage und schreibe 16 einzigartigen und authentischen Objekten in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes, steht das historische Weimar heute zu großen Teilen unter weltweitem Schutz.

Nach einer gemütlichen Einkehr am Frauenplan fuhr man dann wieder nach Erfurt zurück, um sich auf ein ebenso gemütliches Abendessen mit anschließendem Aufenthalt im Biergarten vorzubereiten.

Die Heimreise führte durch den Thüringer Wald mit einem Stopp in Oberhof. Dort wurde das Skizentrum mit dem Biathlonstadion besichtigt und danach machten den Tennisfreunde noch ein gemütliche Runde durch "Rennsteiggarten". Nahezu 4 000 Gebirgspflanzen aus aller Welt wurden im Rennsteiggarten Oberhof angesiedelt.

Am frühen Abend erreichte eine zufriedene und an kulturhistorischen Informationen bereicherte Reisegruppe wieder Kirchheim.

ak