Lokales

Auf gutem Fundament aufbauen

Mit Pflegestützpunkten will die Bundesregierung ein Beratungsnetz über das ganze Land ziehen. Angehörige von pflegebedürftigen Menschen sollen wissen, wo sie Hilfe bekommen. Als Vorreiter hat sich der Landkreis Esslingen als baden-württembergisches Modellprojekt ins Spiel gebracht.

ROLAND KURZ

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KREIS ESSLINGEN Dass Angehörige "nicht mehr von Pontius zu Pilatus" geschickt werden sollen, sei absolut richtig, lobt Kreissozialdezernent Dieter Krug die Gesetzesinitiative. Ein gutes Drittel der Kreiskommunen habe allerdings schon Einrichtungen, auf denen man aufbauen könne. "Wir müssen schauen, wo wir die Pflegestützpunkte andocken können", betont Altenhilfefachberaterin Inge Hafner. "Es wäre fatal, Parallelstrukturen zu schaffen."

Im Juni 2007 hat die Bundesregierung ein Eckpunktepapier vorgelegt, um die Pflegeversicherung zu reformieren. Ein Punkt waren dabei die "quartierbezogenen Pflegestützpunkte" für je 20 000 Einwohner. An dieser Zahl wird inzwischen nicht mehr festgehalten, am großen Ziel schon.

Damit der Landkreis für das Gesetz gewappnet sein wird, traf sich im Dezember das Gremium IAV-Stellen und Altenhilfeplanung. Es erarbeitete eine Stellungnahme, die an Bundestagsabgeordnete, Sozialministerium, Landesseniorenrat und kommunale Spitzenverbände gesandt wurde. Das Gremium stellte klar, wie sinnvolle Pflegestützpunkte aussehen müssen: neutraler Träger, Beratung auch bei Pflegestufe 0, umfassendes Fallmanagement inklusive Information über Leistungsansprüche, hohe zeitliche Präsenz mit Abendsprechstunden und Einbindung aller bürgerschaftlichen Angebote. Gewachsene Strukturen müssen einbezogen werden und die Verantwortung müsse eindeutig bei der Kommune liegen.

Dieses Papier hat offensichtlich Eindruck hinterlassen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Karin Roth hat daraufhin den Landkreis Esslingen als Modellstandort vorgeschlagen und dafür in Berlin Zustimmung erhalten. Auch von etlichen Landkreisen und vom Landesseniorenrat bekamen die Esslinger für ihr Engagement ein dickes Lob. Man werde diese Stellungnahme als Grundlage für die Gespräche mit Politikern nehmen, schrieb Siegfried Hörmann, der Vorsitzende des Landesseniorenrates.

Das Vorpreschen der Esslinger hängt auch damit zusammen, dass man weiß, wie viel Porzellan zerschlagen werden könnte. Im Kreis Esslingen gibt es immerhin noch vier funktionierende Informations- und Anlaufstellen. IAV-Stellen wurden vor etwa 15 Jahren landesweit geschaffen, das Konzept scheiterte aber insgesamt an ungelösten Zuschussfragen. In Esslingen, Ostfildern, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen hat man aber diese Institutionen zum Teil heißen sie heute anders gerettet, weil für eine solide kommunale Mitfinanzierung gesorgt wurde.

Um Geld wird es auch morgen gehen, wenn sich Krug und Hafner mit dem Esslinger AOK-Geschäftsführer Dieter Kress treffen. Über eine finanzielle Beteiligung könne er momentan noch nichts sagen, erklärte Kress gegenüber der EZ, aber grundsätzlich stehe er den Pflegestützpunkten positiv gegenüber. Die AOK will auch nicht alleine rudern, andere Krankenkassen müssten mit ins Boot, sagte Kress. Die Kreisärzteschaft müsse unter dem Blickwinkel einbezogen werden, dass die Nachsorge nach Krankenhausaufenthalten gut geregelt werde.

Die Zeit drängt. Schon im Juli soll das Gesetz in Kraft treten. Sozialdezernent Krug ist zuversichtlich, dass der Modellversuch bis dahin läuft.

Drei oder vier Kommunen hätten schon ihre Bewerbung angekündigt. Ostfildern gehört nicht zu den Interessenten. "Wir werden uns sicher nicht an dem Projekt beteiligen", sagt Jürgen Zimborski, Leiter des Sozialamtes in Ostfildern. Zum einen findet er die finanzielle Unterstützung des Bundes 30 000 Euro für die nächsten drei Jahre nicht so großzügig, zum anderen sei Ostfildern bei der Altenhilfe bereits gut aufgestellt. Und drittens habe man wegen der momentan laufenden Demenzkampagne keine Ressourcen mehr frei.