Lokales

Auf jeglichen Schmuck und Pomp verzichtet

Das 75-jährige Jubiläum der Bruckener Kirche stand unter dem Zeichen des Danks gegenüber denjenigen, die vor 75 Jahren den Mut hatten, in wirtschaftlich schlechten Zeiten Geld, Engagement und Arbeitsleistung einzubringen, um in Brucken eine Kirche zu bauen.

PETER SCHUSTER

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LENNINGEN Im Rahmen eines dreiteiligen Festakts, der aus einem Gottesdienst, Stehempfang und Grußworten bestand, wurde die Bedeutung des Kirchenbaus für das dörfliche Leben in Brucken gewürdigt. Stimmungsvoll umrahmte der Kirchenchor in der voll besetzten Kirche in Brucken die Veranstaltung. Zu Beginn gedachte die Pfarrerin Margarete Oberle des Muts, des Einsatzes und der Tatkraft der Menschen, die die Kirche vor 75 Jahren in Brucken gebaut hatten. Die Bürger spendeten in den Jahren bis 1930 50 000 Reichsmark, eine "immens hohe Summe für die damalige Zeit", die durch "Armut, Inflation und Arbeitslosigkeit" geprägt war. Die ersten 800 Reichsmark, die angespart worden waren, gingen durch die Inflation verloren. Mit der Kirche wurde damals eine hervorragende Grundlage für die kirchliche Arbeit am Ort gelegt. In den Jahren zuvor fand lediglich zweimal im Monat ein Gottesdienst im Schulsaal in Brucken statt.

Die heutige Gemeinde verglich die Bruckener Pfarrerin mit einem Mobile, in dem "jedes Teil wichtig ist, um ein Ausgleichsgewicht zu schaffen", und das Mobile in der Balance zu halten. Der Glaube an Jesus Christus verbindet die Einzelteile des Mobiles zu einem Ganzen.

Dekan Hartmut Ellinger bewegte in seiner Festpredigt die Frage, was den Kirchenbau besonders auszeichne. Die Kirche sei gebaut worden, um Menschen einen Begegnungsraum zu schaffen, in dem sie Gemeinschaft erfahren und ihre Spiritualität leben können. Der Kirchheimer Dekan erinnerte an einen Satz, den Martin Luther anlässlich der Einweihung der ersten protestantischen Kirche, der Schlosskirche in Thorgau, bei der Festpredigt im Jahr 1544 gesagt hatte. Martin Luther beschrieb die Aufgabe einer Kirche damit, dass in ihr "die rechte Feier eines Sonntags" geschehen solle, und "Gottes Wort rein und unverfälscht gepredigt werde." Hartmut Ellinger mutmaßte, dies müsse auch das Anliegen der Bruckener Kirchengründer gewesen sein, wurde doch bei dem Bau "auf jeden Schmuck und Pomp verzichtet, die Kanzel als Ort der Wortverkündigung in den Mittelpunkt gestellt."

Nach dem Stehempfang überbrachte Bürgermeister Michael Schlecht die Glückwünsche der Gemeinde Lenningen. Er nannte die damalige Initiative, die zum Kirchenbau führte, umso erstaunlicher, weil in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts in Brucken die Lebensverhältnisse wie im gesamten Lenninger Tal von Armut geprägt waren. "Erstaunlicherweise sind die Menschen dann eher bereit, etwas zu geben, wenn sie selber nicht viel besitzen," lobte Michael Schlecht die Opferbereitschaft der damaligen Bürger. "Die Kirche in Brucken steht für eine dörfliche Gemeinschaft, die nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere etwas tut." Michael Schlecht gab der Hoffnung Ausdruck, "dass die Kirche auch in der Zukunft ein Ort ist, an dem Menschen sich auf sich selbst und auf Gott besinnen können."

Martin Vosseler, Prediger der Liebenzeller Gemeinschaft im Bezirk Brucken, die seit vielen Jahrzehnten am Ort die Jugendarbeit der Kirchengemeinde organisiert, hob auf die Menschen ab, die das Kirchengebäude in Zukunft mit Leben erfüllen sollen: "Wenn der Glaube an Jesus Christus den Menschen wichtig ist, dann hat die Kirche auch noch in den nächsten Jahren Zukunft."

Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete die Übergabe eines Wandteppichs für das Gemeindehaus durch die Kusterdinger Künstlerin Angelika Paerschke.