Lokales

Auf leisen Sohlen durch den Landkreis

Der Kirchheimer Rolf Lütz kauft sich ein Elektroauto – und ist damit höchst zufrieden

Das Display (rechts) zeigt an, wie lange der Wagen noch fahren kann, bevor er wieder an die Steckdose muss. Foto: Jean-Luc Jacqu
Das Display (rechts) zeigt an, wie lange der Wagen noch fahren kann, bevor er wieder an die Steckdose muss. Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Zehn oder elf Jahre alt war sein Auto, bevor es einen irreparablen Hagelschaden erlitt. Das war das Ende der alten Kiste. – Und der Anfang von etwas Neuem. Geräuschlos rollt der Renault durch die

Anzeige

Kirchheimer Straßen. Weiß und flink mutet er gar ein bisschen futuristisch an: Ein Auto ohne Abgase, ein „Tank“ ohne Benzin und ein Motor ohne Sound.

Vor ein paar Monaten hat sich Rolf Lütz den neuen Wagen gekauft. „Zero Emission“ lautet die Devise in der Broschüre und lässt die Menschen von flotten Flitzern in blühenden Landschaften und oasenartigen Städten fantasieren. Kinder spielen zwischen abgaslosen Autos und Eltern können über ihre smarten Telefone mit dem heiligen Blechle stets „in touch“ bleiben.

Rolf Lütz hingegen sieht das ganz pragmatisch. 170 Kilometer – so weit kann das Auto bei voll aufgeladener Batterie fahren. 170 Kilometer – das reicht Rolf Lütz allemal. Die Neuanschaffung dient dem Ruheständler eher als praktische Ergänzung. Das Auto braucht er im Alltag bloß für Stadtfahrten: Einkaufen fahren in Kirchheim zum Beispiel, mal einen Abstecher nach Wernau oder Bissingen machen, gelegentlich auch nach Tübingen oder Esslingen fahren. Davon wird die Batterie kaum leer.

Indes profitiert er von den Vorteilen, die ein Elektroauto bietet. Im Verbrauch zum Beispiel ist es wesentlich günstiger als herkömmliche Autos: Pro 100 Kilometer Fahrstrecke zahlt er ungefähr drei Euro für den verbrauchten Strom, statt neun bis zehn Euro, die man womöglich für dieselbe Strecke in einem Dieselfahrzeug rechnen muss. Außerdem ist er zehn Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit und freut sich über kostenlose Parkmöglichkeiten in einigen Städten im Ländle. Esslingen, Böblingen und Stuttgart, um ein paar Beispiele zu nennen, haben das freie Parken für Elektroautos schon möglich gemacht, einige andere Kommunen zögern noch. Falls er auf einer längeren Tour einmal in Stromnot kommen sollte, zeigt ihm die Anzeige, wo er die nächsten Ladestationen findet. Er könnte darauf sogar den Wetterbericht ansehen oder seine E-Mails abrufen.

Ein mutiger Vorreiter der Elektromobilität in der Region ist Rolf Lütz im Moment dennoch. Gerade einmal 78 Bürger im Landkreis Esslingen haben sich anno 2014 dazu entschlossen, den Schritt in die Zukunft zu wagen und sich ein elektrisches Auto anzuschaffen. In Kirchheim habe er noch niemanden gesehen, sagt er.

Nach getaner Fahrt lädt er das Auto einfach zu Hause über Nacht auf. Dank der eigens montierten 14-Ampère-Steckdose an der Hauswand reichen dafür zehn Stunden, statt sechzehn an einer normalen Steckdose, bis die Anzeige im Auto die gewünschten 100 Prozent anzeigt, und das Auto am nächsten Morgen wieder bereit ist, frisch in den Tag zu starten.

Für Rolf Lütz ist das Auto die optimale Lösung – nicht aber für jedermann: „Es würde sich wohl niemand ein Elektroauto kaufen, um damit in den Urlaub zu fahren“, formuliert er die Missstände des momentanen Entwicklungsstandes treffend. Dafür sei die Reichweite der Fahrzeuge, das wohl meist kritisierte Manko der Technologie, noch um Meilen zu kurz und die Ladezeit beileibe zu lang.

Auf die Frage, wie es denn seiner Ansicht nach um die Zukunft des Elektroautos stehe, antwortet er zögerlich. „Da beißt sich natürlich ein bisschen die Katze in den Schwanz.“ Elektroautos seien noch so teuer, weil so wenige Leute eins kauften, andererseits kauften so wenige Leute ein Elektroauto, weil diese momentan noch so teuer seien. Die Perspektive hänge von vielen Faktoren ab: wie sich der Benzinpreis entwickle, wie viel die Batterien in Zukunft an Leistungsfähigkeit dazugewönnen und nicht zuletzt auch davon, wie die weltpolitische Lage in ein paar Jahren aussehe. „Da ist vor allem die Politik in der Pflicht, weitere Anreize zu schaffen“, fügt er hinzu.

Eine Million Elektroautos sollen bis zum Jahre 2020 auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Auf leisen Sohlen ist das Elektromobil also langsam, aber sicher auf dem Weg in den Alltag.

Stolz steht Rolf Lütz (links) neben seinem neuen Rolf Lütz mit seinem Elektroauto.  Foto: Jean-Luc Jacques
Stolz steht Rolf Lütz (links) neben seinem neuen Rolf Lütz mit seinem Elektroauto. Foto: Jean-Luc Jacques
Strom tanken. Foto: Jean-Luc Jacques
Strom tanken. Foto: Jean-Luc Jacques