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====Auf Schatzsuche – Piraten ahoi! – So ...

====Auf Schatzsuche – Piraten ahoi! – So lautete das Motto des gestrigen Maientags in Owen. Was nach brandaktuellem Thema klang, entpuppte sich aber alsbald als kurzweilige Ansammlung romantischer Abenteuergeschichten. Die Piraten

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Andreas Volz

waren harmlose Schatzsucher, die allenfalls gegen verkleidete Festzugssoldaten eine „Schlacht“ gewinnen konnten. Trotzdem hatte das Spiel der Grundschulkinder seine aktuellen Anspielungen: Im Städtchen Eulenberg etwa, in dem das falsch gepolte kleine Gespenst eine Zeit lang versehentlich tagsüber spukt und dabei alles durcheinander bringt, herrschte eine Bürgermeisterin, die – zumindest anfangs – nicht an Gespenster glaubte.

Nun, in Owen „herrscht“ seit Anfang Dezember ebenfalls eine Bürgermeisterin. Und dass sie eine der wichtigsten Aufgaben eines Owener Stadtoberhaupts beherrscht, hat sie gleich an ihrem ersten Maientag im Amt bewiesen: die Wetterbeobachtung und die daraus folgende Prognose. Allen Unkenrufen zum Trotz ließ sie den Maientag – wie es sich gehört – auf dem Maienwasen stattfinden. Und der Erfolg gab ihr Recht: Die ganze Stadt zog hinaus ins Grüne, um am Waldrand gemeinsam zu feiern. Schließlich hatte die Bürgermeisterin bereits am Vormittag vom Rathausbalkon herab die Parole ausgegeben: „Die Gemeinschaft steht in Owen im Vordergrund – nicht nur, aber dennoch besonders am Maientag.“

Den Kindern, die beim Maientag ebenfalls im Vordergrund stehen, wünschte Verena Grötzinger viel Freude an diesem außergewöhnlichen Tag. Um die Tradition des Maientags beneide manche Nachbargemeinde die Stadt Owen, wusste die Bürgermeisterin zu berichten. Deshalb gebe es auch keinen Anlass, an der Tradition zu rütteln. Als vor 90 Jahren einmal ein Pfarrer den Versuch unternommen habe, den Maientag abzuschaffen, sei die Antwort der Owener sehr direkt gewesen: „Wenn Ihnen der Maientag nicht passt, so wie er ist, dann müssen wir uns wohl einen anderen Pfarrer suchen.“

Heutzutage stehen alle Owener fest hinter dem Maientag, und das gilt ausdrücklich auch für die Vertreter der Kirche, die schließlich nach Bändertanz und Rathausansprache gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst feierten. Der gehört ebenso zur Tradition wie die Musik der Stadtkapelle, die das Fest von morgens um fünf bis spät in die Nacht begleitet.

Eine weitere Tradition ist die Wurstwalze. Einst half Max Leuze gemeinsam mit dem Bürgermeister den Owener Kindern über die bewegliche Tonne bis hin zum Saitenwürstle, dann übernahm dessen Sohn bereitwillig diese Aufgabe. Und gestern stand Christof Leuze erstmals gemeinsam mit einer Bürgermeisterin an der Walze. Bevor es dort richtig losging, musste erst einmal Verena Grötzinger ihre „Feuertaufe“ bestehen und sich eine Wurst ergattern. Das gelang ihr zwar auf Anhieb mit einem beherzten Sprung. Aber trotzdem musste die Prozedur wegen eines Formfehlers wiederholt werden.

Übung macht eben den Meister, und das galt auch für die Schulkinder, die nach vielen, vielen Übungsstunden ihre Piratenspiele perfekt vorführen konnten. Lediglich die Technik streikte zwischendurch einmal. Aber ob die Piraten nun gegen die bereits erwähnten Festzugssoldaten zu kämpfen hatten, gegen Algen und Zangentiere oder gegen massaiartige Krieger, ob ihnen dabei Gespenster, Uhus, Fische oder Affen beistanden – eines war von Anfang an stark zu vermuten: Am Ende würde es ihnen trotz aller widrigen Umstände gelingen, den Schatz zu heben. Schließlich hatten sie beim Entziffern der einzelnen Schatzkartenteile die Hilfe des „faulen Ferdinand“. Dieser „Nichtsnutz“ beschäftigte sich immer nur mit Büchern. Durch seine Lesekompetenz verhalf er seinen Piratenkollegen aber zum begehrten Schatz und bestätigte somit die Aussage von Schulleiterin Christa Hils: „Lesen beflügelt die Fantasie.“

Beflügelt waren im Anschluss an die Darbietungen der Schulkinder auf dem Maienwasen auch alle anderen Festbesucher, die sich sofort daran machten, ihre eigenen Schätze zu heben: sei es am Kletterbaum, an der Wurstwalze oder am Getränkestand. Für alle Angebote – ob spielerisch oder kulinarisch – galt nur noch die eine Losung: „Klar zum Entern!“

Fotos: Jörg Bächle

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