Lokales

Auf Tuchfühlung mit der Weltklasse

Weilheimer Trampolin-Hersteller Eurotramp hat erneut die olympischen Sommerspiele beliefert

Seit acht Jahren zählt Trampolinspringen zum Kanon der olympischen Disziplinen. Das Weilheimer Familienunternehmen Eurotramp stellt zum dritten Mal die Sprunggeräte für den weltweit wichtigsten Sportwettkampf.

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Tobias Flegel

Weilheim. Wenn heute der Vorhang für die Qualifikationsrunden im Trampolinspringen fällt, stehen nicht nur die Leistungen der Athleten im Rampenlicht, sondern auch die Produkte der Firma Eurotramp. Bereits zum dritten Mal in Folge hat das Weilheimer Familienunternehmen die Sprunggeräte für die olympischen Sommerspiele geliefert.

Zwölf Trampoline des Modells „Grand Master Exclusiv Premium“ stehen seit September letzten Jahres im nationalen Hallenstadion in Peking. Acht davon dienen den Sportlern zum Training, zwei zum Aufwärmen und auf den übrigen beiden misst sich die internationale Turnelite – darunter die deutschen Medaillenhoffnungen Anna Dogonadze und Hendrik Stehle.

Ihre volle Pracht von 5,20 Meter Länge und 3,05 Meter Breite entfalten die Wettkampfgeräte erst kurz vor Beginn der Vorkämpfe. Da der Platz der Trampolinspringer zuvor für andere Disziplinen reserviert ist, bleibt dem chinesischen Aufbauteam fünf Minuten Zeit, um die zusammengeklappten Trampoline aufzubauen. Diese Besonderheit unterscheidet die olympischen Spiele in Peking von jenen in Athen und Sydney, wo die Geräte ihren festen Standort hatten.

Damit alles reibungslos klappt, ist Vertriebsleiter Rüdiger Mosel im letzten Jahr mit nach Peking gereist, um mit dem chinesischen Servicepartner von Eurotramp die Helfer im Aufstellen der Sprunggeräte zu schulen. „Wir haben den Aufbau bis ins Effeff geübt“, sagt Mosel. Dabei habe sich der schlechte Ruf der Chinesen nicht bestätigt: „Die Menschen sind sehr freundlich, weltoffen, zugänglich und hilfsbereit“, sagt Mosel. Berichte über die schwierige Situation der Menschenrechte im Reich der Mitte und Einschränkungen der freien Berichterstattung hatten in den letzten Monaten an Chinas Image gekratzt.

Die erneute Präsenz von Eurotramp bei den olympischen Sommerspielen ist das Ergebnis von sorgfältiger Fertigungsarbeit und fast fünfzig Jahren Erfahrung im Trampolingeschäft. „Nach fünf Jahren Einsatz ziehen sich unsere Großgeräte nur um einen Zentimeter zusammen“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter und Unternehmensgründer Kurt Hack. „Das hat außer uns noch keiner erreicht.“ Zwar hätten die Chinesen versucht, eigene Modelle zu stellen. Doch das Testinstitut in Freiburg, das weltweit alle Turngeräte auf Qualität und Sicherheit prüft, habe den Konstruktionen keine Freigabe erteilt. Daraufhin bekam Eurotramp den begehrten Auftrag aus Peking.

Seit 1960 fertigt Kurt Hack mit seiner Firma Trampoline. Den Ausschlag für die Herstellung gab drei Jahre zuvor ein Besuch auf dem Göppinger Maientag: Dort zeigte die Freiburger Turnerschaft auf dem Sprungtuch ihr Können. Ihr Trampolin beeindruckte den gelernten Elektriker so sehr, dass er beschloss, selbst ins Geschäft einzusteigen. Kurt Hack widmete sich der Entwicklung und Konstruktion, während seine Frau Rose die kaufmännischen Aufgaben übernahm. Möglich wurde der Markteintritt auch, weil das Patent des amerikanischen Erfinders George P. Nissen abgelaufen war. Mit seiner Firma war der Amerikaner zugleich die Nummer eins auf dem weltweiten Markt für Turntrampoline.

Dem schwäbischen Neuling rechneten Freunde und Bekannte nur wenig Chancen gegen den transatlantischen Platzhirsch aus. „Wie willst Du gegen den Marktführer antreten?“, fragten sie Kurt Hack. „Bessere Geräte machen“, lautete seine lapidare Antwort. Auf jedem Wettkampf nahm er die Geräte der Konkurrenz unter die Lupe und suchte nach Verbesserungsmöglichkeiten.

Mit etwas Glück ging die Rechnung sieben Jahre später auf. Der deutsche Nissen-Vertreter hatte Ärger mit dem Mutterkonzern und bot daher Kurt Hack an, die Geräte für die deutsche Meisterschaft in Köln-Mühlheim zu stellen. „Von da an ging es nur noch aufwärts“, sagt der Seniorchef. 1972 kamen Trampoline von Eurotramp auf der Weltmeisterschaft in Stuttgart zum Einsatz und in den folgenden Jahrzehnten belieferte das Unternehmen fast alle wichtigen nationalen und internationalen Wettbewerbe.

Mittlerweile hat sich der Weilheimer Familienbetrieb, der bis 1972 in Göppingen ansässig war, an die Spitze des weltweiten Marktes für Wettkampf-Trampoline emporgearbeitet. „80 Prozent der Geräte im Wettkampfbereich kommen von uns“, sagt Rüdiger Mosel. Allerdings stehen viele davon im Ausland, denn in Deutschland ist Trampolinturnen noch Randsport. „Andere Länder wie Russland oder Italien fördern Trampolinspringen mehr und bezahlen ihre Athleten besser“, sagt Geschäftsführer Dennis Hack. Der 28-Jährige leitet mit seinem Großvater und Geschäftsführer Johannes Maier den Betrieb.

Für zusätzlichen wirtschaftlichen Auftrieb sorgten die drei olympischen Aufträge. Seit das Internationale Olympische Komitee Trampolinspringen im Jahr 2000 in den Reigen der offiziellen Sportarten aufnahm, hat Eurotramp die Sprunggeräte für alle Austragungsorte gestellt. „Olympia hat eine riesen Strahlkraft für uns“, sagt Mosel. Allein durch die erste Olympia-Order stieg der Umsatz des Unternehmens Ende der Neunzigerjahre um 28 Prozent an. Dieses Jahr rechnet Vertriebschef Mosel mit einem Plus von acht Prozent.

Mit den Werten „Erfahrung, Qualität, Innovation“ als Richtschnur will Eurotramp den Wachstumskurs fortsetzen. Im Tagesgeschäft bedeutet das: Nur hochwertige Materialien wie spezieller Stahl für die Gestelle und ein besonderes elastisches Nylon-Gewebe für die Sprungtücher wird bei der Fertigung verwendet. Diese Sorgfalt zahlt sich aus: „Wir hatten in über 40 Jahren noch keinen Produkthaftungsfall“, sagt Kurt Hack. Den guten Ruf sichert zudem der enge Kontakt zu den Sportlern. Deren Erfahrungen sind die wertvolle Basis für weitere Verbesserungen. „Die spüren jede Nuance beim Springen“, sagt Dennis Hack. Auch in Peking werden er, seine Frau Simona und Rüdiger Mosel als Ansprechpartner für die Athleten und ihre Trainer vor Ort sein.