Lokales

Auf zu den nächsten 65 Jahren

Helene und Johannes Graner aus Dettingen feiern morgen das seltene Fest der eisernen Hochzeit

Noch immer glücklich und zufrieden sind Helene und Johannes Graner aus Dettingen.Foto: Jean-Luc Jacques
Noch immer glücklich und zufrieden sind Helene und Johannes Graner aus Dettingen.Foto: Jean-Luc Jacques

Dettingen. „Eigentlich wollten wir unsere eiserne Hochzeit nicht feiern“, erzählt Johannes Graner, der vor zehn Wochen 90 Jahre alt wurde. Doch Dettingens Pfarrer Daniel Tros­tel habe gesagt: „Eine eiserne Hochzeit kommt so selten vor in Dettingen. Es wäre schade, wenn Sie nicht feiern würden.“ Helene und Johannes Graner haben es sich daraufhin anders überlegt – und deshalb gibt es an ihrem morgigen Ehrentag nach einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche ein großes Fest mit der Familie und den Sangeskameraden der Eintracht Dettingen, der Johannes Graner seit 60 Jahren angehört.

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Kennengelernt haben sich Helene und Johannes Graner in Oberlenningen. Der heute 90-jährige gebürtige Oberlenninger, der im November 1939 als Soldat eingezogen wurde und an der Front zahlreiche Kriegsverletzungen erlitt, musste ambulant in einem Lazarett in Reutlingen behandelt werden. Zu den Untersuchungen fuhr er mit dem Zug – und auf dem Weg zum Bahnhof kam ihm regelmäßig Helene entgegen, die als Verkäuferin in einem Lebensmittelgeschäft in Oberlenningen arbeitete und von Dettingen herkommend ebenfalls jeden Tag den Zug nutzte. „Wir haben uns mehrmals getroffen, und er hat immer so freundlich gegrüßt“, erzählt Helene Graner. Irgendwann fand er heraus, wo Helene arbeitet und tauchte eines Tages in dem Lebensmittelgeschäft auf.

Am 31. August 1946 gab sich das Paar in Dettingen schließlich das Ja-Wort. Einige Monate später kam Tochter Renate zur Welt, es folgten 1948 Erika und 1953 Friedlinde. Im selben Jahr bezog die junge Familie ein Haus in Dettingen. Dort leben Helene und Johannes Graner noch heute. Mittlerweile hat das Paar sieben Enkelkinder und drei Urenkel.

„Damals habe ich zum Bürgermeis­ter gesagt: Das schaffen wir nicht – drei Kinder und dann noch bauen“, erinnert sich Helene Graner. Der Rathauschef sei aber überzeugt davon gewesen, dass das Paar diese finanzielle Hürde überwindet – und tatsächlich haben die stets sparsamen und fleißigen Eheleute alles gut gemeis­tert. „Als wir eingezogen sind, waren wir die Jüngsten in der näheren Umgebung – heute sind wir die Ältesten“, sagt das Paar schmunzelnd.

Über 40 Jahre lang war Johannes Graner bei der Papierfabrik Scheufelen angestellt. Seine Frau gab 1948 ihre Tätigkeit als Verkäuferin auf, um sich um die Kinder zu kümmern. Anfang der 50er-Jahre begann sie dann in der Schlössleschule in Dettingen als Putzfrau zu arbeiten. „Dort war ich 35 Jahre lang. Es hat mir nie etwas ausgemacht zu putzen“, betont die 85-Jährige.

Wenn Helene und Johannes Graner auf der Bank in ihrem schönen Garten sitzen, strahlen sie eine große Harmonie aus. „Streit kommt bei uns selten vor“, bestätigt die Dettingerin. „Und wenn wir uns mal streiten, dann versöhnen wir uns spätestens abends wieder. Sonst kann ich nicht einschlafen“, fügt sie hinzu. Wenn das Wetter mitspielt, geht das Paar jeden Tag eineinhalb Stunden lang spazieren. Die beiden kochen gemeinsam und informieren sich täglich im Teckboten über die Neuigkeiten in der Region.

Bei zahlreichen Reisen haben Helene und Johannes Graner früher die Welt erkundet: So besuchten sie zum Beispiel Frankreich, Griechenland und Dänemark. Ihr Lieblingsreiseziel war aber die Insel Sylt. „Dort waren wir bestimmt 15 Mal“, erzählt Johannes Graner. An Sylt gefiel ihnen „die gute Luft, die Sonnenuntergänge und die Landschaft mit den weiten Sandstränden“.

„Wir sind zufrieden und dankbar dafür, dass wir jeden Tag aufstehen können und so lange beieinander sein dürfen“, unterstreicht Helene Graner. „Wenn es ginge, würden wir auch die nächsten 65 Jahre zusammenbleiben.“