Lokales

Aufbruchstimmung bei den Fraktionen

Dettingen fit für die Zukunft zu machen, war zentrales Thema der Haushaltsberatungen

Noch ist es Zukunftsmusik – doch sämtliche Fraktionen des Dettinger Gemeinderats wollen sich bereits dieses Jahr mit dem Thema Bildungshaus auseinandersetzen. Und das war nicht der einzige Punkt, bei dem die Bürgervertreter bewiesen haben, dass sie über den Tellerrand des Haushaltsjahres 2008 hinausblicken.

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BIANCA Lütz

Dettingen. „Es hängt von dir selbst ab, ob du das neue Jahr als Bremse oder als Motor benutzen willst.“ Dieses Zitat von Henry Ford stellte der SPD-Fraktionsvorsitzende Dietmar Vogt an den Anfang seiner Haushaltsrede. Dass sie das neue Haushaltsjahr, das gute Zahlen aufweist, als Motor nutzen wollen, machten bei der Haushaltsdebatte in jüngster Gemeinderatssitzung sämtliche Fraktionen deutlich.

Eine wichtige Rolle spielte dabei die Vision von einem Bildungshaus in den Unteren Wiesen, die Bürgermeister Rainer Haußmann in seiner Haushaltsrede Ende Januar verkündet hatte. Angedacht sind etwa ein Grundschulneubau, die Einrichtung einer Ganztagsschule und die zentrale Betreuung Unter-Dreijähriger.

Der FWG-Fraktionsvorsitzende Dr. Werner Hack betonte, dass in den Bereichen Bildung und Betreuung ein Umbruch bevorstehe. „Unabhängig von einer möglichen finanziellen Unterstützung, insbesondere durch das Land, sollten wir diese Fragen frühzeitig aufgreifen und ein entsprechendes Konzept unter Berücksichtigung der Kirchengemeinde mit den baulichen Erfordernissen erarbeiten“, befürwortete Hack, sich so bald wie möglich mit dem Bildungshaus auseinanderzusetzen. Er schlug vor, eine Klausurtagung anzuberaumen.

Roland Sigel, CDU/FWV-Vorsitzender, beauftragte die Verwaltung, eine mittelfristige Finanzstrategie für einen Neubau in den Unteren Wiesen zu entwickeln. Er nannte Stichworte wie Ansparpotenziale, Bildung von Rücklagen oder Vollfinanzierung.

Dietmar Vogt sprach sich im Grundsatz ganz klar für ein Bildungshaus aus. Es sei wichtig, in Kinder und die Zukunft zu investieren. Er freue sich schon darauf, in der Zeitung zu lesen: „Bildungszentrum Untere Wiesen fertiggestellt“ – auch wenn dann die Schlagzeile „Schlossberggemeinde schuldenfrei“ ausbleibe. Er bat die Verwaltung darum, eine Machbarkeitsstudie vorzustellen.

Den Blick in die Zukunft gerichtet hatten die Fraktionen auch, als sie verschiedenen Änderungen im Vermögenshaushalt zustimmten. So steigen etwa die Kosten für das Minispielfeld bei der Schule um 24 000 Euro. „Dann wäre der Boden unter dem Feld so dauerhaft, dass er auch in 50 Jahren noch als Schulhof nutzbar wäre“, hielt Haußmann ein Plädoyer für einen feineren, qualitativ hochwertigeren Asphalt. Lediglich

Ausschreibungen für Bahnhofsplatz schon dieses Jahr

Walter Neuhäuser (CDU/FWV) stimmte gegen die aus seiner Sicht erhebliche Kostensteigerung. Einig waren sich die Räte darin, dass sich Dettingen mit 15 Prozent an einer Stelle für Kindergartenfachberatung in Kooperation mit den Gemeinden Lenningen und Weilheim beteiligen solle und dafür 7 500 Euro in den Haushalt eingestellt werden dürfen.

Aufbruchstimmung herrschte auch in Sachen Bahnhofsplatz. Wenn die Gemeinde jetzt eine Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 760 000 Euro ausweist, kann sie schon dieses Jahr die Arbeiten für den Bahnhofsplatz ausschreiben und vergeben – und nächstes Jahr zahlen. Dann ließen sich im Winter günstige Angebote einholen, um nächstes Jahr möglichst früh mit dem Bau zu beginnen. Diesem Vorschlag der Verwaltung stimmten alle Fraktionen zu. Der FWG wäre zwar eine noch schnellere Gangart mit Baubeginn in diesem Sommer lieber gewesen. Das allerdings kommt nicht in Frage, wie der Bürgermeister betonte. Es dauere allein ein dreiviertel Jahr, bis das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen sei.

Haußmann gab zudem bekannt, dass es mit den Finanzen so gut aussehe, dass die Gemeinde ihre Investitionen aus den Rücklagen finanzieren könne, ohne einen teuren Kredit aufzunehmen. Die Rücklagenentnahme erhöht sich deshalb um eine Million Euro auf 1,42 Millionen.

Roland Sigel schlug vor, zu überprüfen, ob es günstiger sei, die Pflege großflächiger Grünbereiche zu privatisieren. Angedacht hat seine Fraktion solch eine Lösung etwa für die Unteren Wiesen. Dietmar Vogt erinnerte daran, dass die Gemeinde neben dem „Vorzeigeobjekt“ Bahnhofsplatz auch die Hauptachse Dettingens, die Kirchheimer Straße, im Blick behalten müsse. Eine „Frischzellenkur“ täte dem Ort gut und könne den Einkaufsstandort stärken.

Dr. Werner Hack bat darum, weitere Einsparpotenziale bei der Straßenbeleuchtung zu überprüfen. Rainer Haußmann informierte, dass bereits 20 000 Euro für den Austausch von Leuchtmitteln verwendet würden. Werner Hack forderte zudem, die Prioritäten bei der Sanierung von Feldwegen zu überrüfen.

Am Schluss blieb noch ein Antrag der FWG – die anderen Fraktionen hatten keine Anträge gestellt – zur Abstimmung übrig: Dr. Werner Hack hatte beantragt, die Planungsrate für den Bauhof in Höhe von 5 000 Euro zu streichen. Nachdem das Nebengebäude abgerissen worden ist, fehlen nun Lagerflächen. Hack sprach sich dafür aus, erst dann ein umfassendes Planungskonzept auszuarbeiten, wenn klar ist, wie sich die Gemeinde entwickelt – auch im Hinblick auf das Bildungshaus. Den Antrag lehnte der Gemeinderat mit sieben zu drei Stimmen ab. Haußmann erinnerte daran, dass sowieso noch eine Grundsatzentscheidung zur räumlichen Situation des Bauhofs nötig sei.

Der Haushalt wird am 10. März verabschiedet.