Lokales

Aufeinander zugehen

Ist es denn wirklich so schwer, miteinander zu reden, wenn man gleiche Interessen verfolgt? Sowohl die Interessengemeinschaft Fluglärm Hahnweide als auch die Stadt Kirchheim, der BWLV, die Segelflieger von der Hahnweide und die Firma Schempp-Hirth wollen, dass der Status quo auf dem Kirchhei-

RICHARD UMSTADT

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mer Segelfluggelände erhalten bleibt. Da müsste es doch möglich sein, sich an einen Tisch zu setzen, um die Dissonanzen auszuräumen und das auf Seiten der Bürgerinitiative vorhandene Misstrauen abzubauen. Oder ist vielmehr genau das der Punkt, der die Initiative am Leben erhält? Misstrauen gegenüber der Stadt, gegenüber dem Baden-Württembergischen Luftfahrtverband, gegenüber dem Regierungspräsidium, gegenüber dem Innenministerium, gegenüber Gott und der Welt . . .

Eigenartigerweise aber wird den Segelfliegern nicht misstraut, wie bei der "Informationsveranstaltung" der Interessengemeinschaft in der Jesinger Gemeindehalle mehrfach betont. Obwohl deren Vereine Schleppflugzeuge besitzen, obwohl deren Piloten in der BWLV-Motorflugschule ausgebildet wurden, obwohl sie Mitglieder im BWLV sind und viele von ihnen auch Bürger der Stadt, deren Verwaltung ebenfalls misstraut wird.

Den Segelfliegern aber wird geglaubt, wenn sie sagen: "Wir fürchten nichts mehr als Geschäftsflieger auf der Hahnweide. Das Fluggelände soll Segelflugleistungszentrum bleiben." Deshalb die Vereinbarung mit der Stadt Kirchheim, die genau regelt, wie viele Segelflugzeuge mit Motor, Motorsegler, UL und Motorflugzeuge auf der Hahnweide starten dürfen.

Dieser Vertrag zwischen der Stadt, dem BWLV, der Fliegergruppe Wolf-Hirth und der Firma Schempp-Hirth wird von der Interessengemeinschaft kleingeredet. Doch genau diese Vereinbarung ist es, die das Regierungspräsidium Stuttgart als Richtschnur seines Handelns bei der Genehmigung des Antrags auf Umwidmung des Segelfluggeländes zum Sonderlandeplatz nimmt und die auch die Umlandgemeinden gesichert sehen wollen.

Die Luftverkehrsbehörde will damit endlich Rechtssicherheit schaffen, was nicht nur im Interesse der Flieger und der Stadt, sondern auch der Bürgerinitiative sein dürfte. Damit erhält ein "rechtsunsicherer" Zustand einen festen Rahmen, der die acht Flugsportgruppen auf der Hahnweide sicher für die Zukunft planen lässt und der für die Vertragspartner Basis ihres Handelns ist und bleibt.

Legt das Regierungspräsidium aber diesen Vertrag seiner Genehmigung des Sonderlandeplatzes zugrunde und dies wurde vom RP-Pressesprecher so bestätigt, dann kann aus der Hahnweide nie und nimmer ein zweites Stuttgart mit einer asphaltierten Landebahn von 1300 Metern Länge, einem ILS-Anflugverfahren, Wetterberatung und einem ständig besetzten Tower werden. Das alles schließt einen Sonderlandeplatz Hahnweide per Luftverkehrs-Zulassungsordnung aus. Doch darüber und anderes mehr könnten Segelflieger und Bürgerinitiativler in friedlicher Runde noch vor dem Fest reden.