Lokales

Auf(er)stehen ins Leben

Vielleicht haben Sie "das Evangelium nach Pilatus" von Eric Emmanuel Schmitt ja schon gelesen. Wenn nicht, dann empfehle ich es Ihnen. Pilatus, so wird ja eindrücklich beschrieben, kann einfach nicht glauben, dass die Leiche dieses Jesus von Nazareth weg ist. Er möchte nicht glauben, dass die Botschaft, die er immer wieder hört, stimmt, dass dieser Jesus auferstanden sei. Und so wie ihm geht es vielen. Damals und heute.

Dem Apostel Thomas zum Beispiel ging es auch so, das wird in der Bibel eindrücklich berichtet. Er möchte einen Beweis dafür, dass sein Herr und Meister, den die römischen Soldaten verhaftet und gekreuzigt haben, lebt. Das kann ja schließlich jeder behaupten, dass Jesus auferstanden ist. Wenn ich meine Finger nicht in die Wunden legen kann, die die Nägel hinterlassen haben, sagt er, dann glaube ich das einfach nicht. Thomas, so wird das in der Bibel berichtet, erhält die Chance dazu. Er begegnet dem Auferstandenen doch da braucht er die Wunden gar nicht mehr zu berühren. Er glaubt die Auferstehungsbotschaft, nicht weil er Jesus berührt, sondern weil er ihm begegnet.

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Seit 2000 Jahren sind wir Christen davon überzeugt, dass das Unglaubliche wahr geworden ist. Christus lebt. Viele sind dem Auferstandenen begegnet in Texten, in anderen Menschen, in Erfahrungen...

Mit dem Glauben an die Auferstehung gehen wir davon aus, dass es eine Fortsetzung unseres Lebens nach dem Tod gibt. Das hat auch Auswirkungen auf unser Leben vor dem Tod, denn wer in diesem Bewusstsein lebt, der kann anders leben. Das haben Christen immer wieder zugegeben mit Fehlern und Schwächen getan.

Wenn unser Leben nach dem Tod weitergeht, dann brauche ich hier jetzt nicht alles zu haben, oder alles zu erreichen. Dann gibt es Zeit und Möglichkeiten auch nach dem Tod. Ich brauche nicht nach der Devise zu leben: mir möglichst schnell möglichst alles. Wenn unser Leben nach dem Tod weitergeht, dann brauche ich nicht krampfhaft an diesem Leben festzuhalten und kann (auch in Extremsituationen) wahrhaftig und standhaft sein. Dann bin ich freier meine Überzeugungen zu sagen, auch wenn das nicht so gelegen ist und mir Nachteile einbringen kann.

Wenn unser Leben nach dem Tod weitergeht, dann kann ich anders mit Krankheit, Leid, Schmerz und Unglück umgehen, denn das, was wir in diesem Leben erfahren, erleiden, bedenken und das, was glückt, verschwindet nicht einfach. Es bleibt, es wirkt weiter. Wenn unser Leben nach dem Tod weitergeht, dann kann ich jetzt von dem etwas abgeben, was ich habe. Materielles oder auch Zeit und Kraft kann ich dann teilen. Dann kann ich andern helfen, mich für sie einsetzen, dann brauche ich nicht immer nur nach mir zu sehen.

Die Auferstehung Jesu, die wir in der Osterzeit ganz besonders intensiv feiern, hat Auswirkungen auf unser Leben; dass wir auferstehen können nach dem Tod, aber auch schon jetzt, vor dem Tod. Auf(er)stehen ins Leben. Diakon Georg Hug Katholische Kirchengemeinde Sankt Ulrich, Kirchheim/Teck