Lokales

Aufgaben furchtlos angehen

Dämmerschoppen in der Stadthalle – Rückschau stimmt zuversichtlich für das neue Jahr

Der Kurs stimmt. Gemeinderat und Verwaltung haben im vergangenen Jahr wichtige Weichen für Kirchheims Zukunft gestellt. Mit Mut, Wertebewusstsein und Engagement lassen sich weitere Herausforderungen meistern. So lautete die zentrale Botschaft beim „Dämmerschoppen“ der Stadt.

Tobias Flegel

Kirchheim. Es war die Bilanz des Erreichten, der Appell an furchtloses sowie wertorientiertes Handeln, der für die Zukunft Mut machen sollte. Der Ansatz ist nicht neu, doch war er auch nicht schlecht gewählt: Denn dass das bevorstehende Jahr schwierig werden kann, hatten die Gäste auf dem traditionellen Neujahrsempfang in der Stadthalle sicher schon oft genug gehört. Die Inventur des Geleisteten zeigte jedenfalls, dass man in Kirchheim, trotz wirtschaftlich turbulenter Zeiten, zuversichtlich in die Zukunft blicken darf.

Die Würdigung des Vollbrachten und Bestehenden erhielt bereits beim musikalischen Auftakt den Applaus des Publikums. Beifall gab es für die Darbietungen des Zither- und Akkordeonvereins, der vor 100 Jahren gegründet worden ist. Mit einer Zugabe bedankten sich die Musiker bei den Zuhörern. „Bei 100 Jahren darf es ruhig ein Stück mehr sein“, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker gut gelaunt zu der Gruppe und ihrem Leiter Herbert Kielnecker.

Das neue Jahr gibt zur Erinnerung an historische Errungenschaften Anlass. Das machte die Stadtchefin in ihrer Rück- und Ausschau vor vollem Hause deutlich. 20 Jahre Mauerfall, 90 Jahre Frauenwahlrecht, 60 Jahre Grundgesetz – 2009 stehen nach Ansicht von Matt-Heidecker einige Anlässe an, die zum Nachdenken anregen. Auch auf kommunaler Ebene haben Menschen wichtige Zeichen gesetzt. Dazu zählt die Oberbürgermeisterin die 13 Stolpersteine in der Stadt, mit denen der Vertreibung und Tötung von jüdischen Mitbürgern während des Dritten Reichs gedacht wird. Weiterhin: Die Erklärung zum friedlichen Miteinander aller in der Stadt lebenden Religionen und die Partnerschaften mit Rambouillet und Kalocsa, die 2008 gefeiert wurden. Diese Dinge sind für Angelika Matt-Heidecker Beleg dafür, dass das friedliche und demokratische Leben in der Stadt gelingt.

Viel Beifall gab es dafür, dass man in Kirchheim seit dem zurückliegenden Jahr mit einem Bildungs- und Sozialfonds die Kinderarmut bekämpft. Ein Bericht hatte gezeigt, dass in der Stadt 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in oder an der Grenze zur Armut leben. „Es darf nicht sein, dass Kinder von Anbeginn keine Chance haben“, sagte die Oberbürgermeisterin. Deshalb habe der Gemeinderat den Beschluss zur Einrichtung des Fonds mit einem jährlichen Volumen von 120 000 Euro gefasst. Ein Drittel der Gelder könne die Stadt aufbringen, der Rest sei durch die Spende der Kopf Holding GmbH für die kommenden drei Jahre gesichert.

Beifall aber auch dafür, dass trotz unsicherer Wirtschaftslage der Sparkurs im Haushalt fortgeführt wird. Zum Ablauf des neuen Jahres sollen es noch 88 Euro pro Einwohner sein. „Ich hoffe, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die geplante Entschuldung zulassen“, sagte die Oberbürgermeisterin. Das Vorhaben sei jedoch notwendige Voraussetzung, um in der nahen Zukunft die erforderliche Handlungsfähigkeit zu erhalten.

In vielen anderen Bereichen haben Gemeinderat und Verwaltung im vergangenen Jahr wichtige Entscheidungen für die künftige Entwicklung der Stadt getroffen. Sei es der Neubau des Hallenbads am Freibad, der Antrag zur Änderung des Regionalplanes, der die Ansiedelung des Möbelkonzerns Ikea ermöglichen soll, die Pläne für die weitere Bebauung der Wohngebiete „Paradiesle“ und „Klosterviertel“, die Konzepte für effizientes Energiemanagement sowie für die Schul- und Sportentwicklung, die Bildungsoffensive und der Bau der S-Bahn-Strecke – nach Ansicht von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ist durch diese Maßnahmen eine solide Basis für die Zukunft geschaffen worden. „Ich bin stolz darauf, dass im zurückliegenden Jahr viel bewegt und die Weichen weit über den Tag hinaus gestellt wurden“, sagte sie und lobte mit dieser Bewertung ausdrücklich die Arbeit der Stadträte.

Die eingeleiteten Veränderungen werden in diesem Jahr nicht nur an den Schulen, Wohngebieten und am Bahnhof zu begutachten sein. Nachdem die Sanierung des Kirchheimer Altstadtkerns abgeschlossen ist, steht nun die des Jesinger Ortskerns an. Zudem soll dem Gemeinderat im ersten Halbjahr eine Planung für Ötlingen vorgelegt werden. Weitere Aufgabe sei es, die Innenstadt an das Nanz-Center anzubinden, sagte Matt-Heidecker. Dies könne nur durch eine Umgestaltung der unteren Max-Eyth-Straße in einen verkehrsberuhigten Bereich geschehen. Langfristig an Attraktivität sollen auch die Gewässer der Stadt gewinnen, indem sie noch stärker zu Plätzen der Erholung und Bewegung werden.

Die Bilanz der Vorhaben machte deutlich, dass man in Kirchheim an einer erfolgreichen Zukunft arbeitet. Wirkliche Veränderungen, appellierte Angelika Matt-Heidecker zum Abschluss ihrer Neujahrsrede an ihre Gäste, könnten in einer Gesellschaft aber nur dann gelingen, wenn sich Menschen an Werten orientieren. In Anlehnung an den Präsidenten des Ethikverbands, Ulf Pose, meine sie damit nicht nur Werte von Erwachsenen wie Erfolg, Reichtum, Leistung oder Macht. Wichtig sei im täglichen Leben auch die Berücksichtigung sogenannter Kinderwerte: Wohlwollen, Dankbarkeit und die Fähigkeit, Verzeihen zu können.

Mit Freude gehe sie die Aufgaben im neuen Jahr an, stellte die Oberbürgermeisterin fest. Zwar sei Kirchheim keine an Geld reiche Stadt, doch der Reichtum bestehe in den Menschen, die sich für andere einsetzen. Mit den Worten des früheren Präsidenten der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt wünschte sie ihren Gästen Zuversicht für die kommenden Monate: „Wir haben nichts zu fürchten, außer unsere eigene Furcht“, gab sie den Zuhörern mit auf den Weg.

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