Lokales

Aufgerüttelt durch Skiunfall

Immer mehr Skifahrer greifen auch auf der Alb zum Helm – Kinder als Vorbild für Erwachsene

Der Unfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus hat ein Umdenken bei den Ski- und Snowboardfahrern verursacht. Seit diesem Ereignis ist die Nachfrage nach Helmen deutlich gestiegen und schon vorhandene Helme werden wieder häufiger benutzt.

Elena Schaber

Römerstein. Bei strahlendem Sonnenschein tummeln sich viele Skifahrer und Snowboarder an den Liften in Donnstetten. Weit mehr Personen als in den bisherigen Jahren tragen dabei einen Helm oder wollen sich in den kommenden Tagen einen zulegen. „Nach so einem Unfall kommt man ins Grübeln“, sagt Edwin Rolke, ein langjähriger Skifahrer, der sich nun auch überlegt, einen Helm zu kaufen. Auch bei der Firma Intersport Räpple macht sich dieses Grübeln bemerkbar. „Seit dem Unfall von Dieter Althaus haben wir eine verstärkte Nachfrage beim Helmkauf“, sagt Marion Hörsch. Diese Nachfrage ist sogar so stark, dass nachbestellt werden musste. In vielen anderen Geschäften war eine Nachbestellung nicht mehr möglich, die Helme sind dort ausverkauft.

Erstaunlich viele Erwachsene, die lange Jahre ohne fuhren, entschließen sich nun für einen solchen Schutz und gegen eventuelle Kopfverletzungen. Sie versuchen nun, in die Tat umzusetzen, was ihnen die Kinder vorgemacht haben. „Wir haben eine Vorbildfunktion gegenüber unseren Kindern“, meint Steffen Thum, der seit vier bis fünf Jahren selbst nur noch geschützt fährt.

Fast alle Skifahrer sind der Meinung, dass man sein wichtigstes Körperteil schützen sollte und dass die Sicherheit Vorrang hat. Vorrang vielleicht auch vor einem etwas ungewöhnlichen Äußeren. Doch genau hier versuchen die Hersteller vorzubeugen, indem sie auch bei Helmen Modetrends setzen und beispielsweise bei Frauen die Helme mit Blümchenmustern gestalten. Obwohl das Aussehen vor allem bei Jugendlichen offensichtlich stört, sind diese nach dem Skiunfall eher bereit, auch bereits vorhandene Helme zu benutzen. „Seit dem Unfall trage ich meinen Helm eher als zuvor“, bestätigt Patrick Krohmer, der zwar schon immer einen Helm hatte, diesen aber nicht immer trug. Außerdem tragen viele ihren Helm nicht nur als Schutz, sondern auch wegen der besseren Sicht und der Wärme. Denn viele Wintersportler stört das eingeschränkte Sichtfeld durch Kapuzen oder das Verrutschen der Mütze.

Aber trotz dieses Umdenkens halten die allermeisten Wintersportler nichts von einer Helmpflicht. Zum einen sind sie der Meinung, dass nicht alles vorgeschrieben werden sollte und zum anderen befürchten sie eine daraus resultierende Nachlässigkeit. Wer besser geschützt ist, traut sich möglicherweise auch mehr zu. Außerdem könnte eine Abwehrhaltung wie in den Anfängen der Gurtpflicht zustande kommen. Denn trotz des allgemeinen Nachdenkens gibt es immer noch einige, die sich generell gegen einen Kopfschutz aussprechen. „Mit Helm würde mir der Reiz fehlen“, sagt Dennis Rayher frei nach dem Motto „no risk no fun“. Außerdem tragen auf der Alb weniger einen Helm, da sie der Meinung sind, auf flachen Strecken wäre die Unfall- und Verletzungsgefahr geringer.

Die meisten Wintersportler halten Skihelme jedoch für sehr sinnvoll und sind durchaus bereit, für den besseren Schutz den Reiz und das wenig ansprechende Äußere zurückzustecken – egal ob die Piste flach oder steil ist.

Beim Mountainbiken beispielsweise tragen die meisten Radfahrer einen Schutz, nur beim Skifahren wurde dies bisher vernachlässigt und erst jetzt wieder aktuell. „Eigentlich ist es schlimm, dass erst so ein Unfall geschehen muss, damit man sich besinnt“, sagt Herbert Raschka und verdeutlicht, dass die Menschen eigentlich erst zu einem Umdenken gebracht werden müssen.

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