Lokales

Aufklärung durch das "Niärauodo"-Schattentheater

KIRCHHEIM Die Beschneidung weiblicher Genitalien verstößt gegen die internationalen Konventionen zum Schutz der Menschenrechte. Obwohl diese von den meisten afrikanischen Ländern ratifiziert wurden, ist dieser schreckliche Brauch verschiedener Ethnien immer noch

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BRIGITTE GERSTENBERGER

vorhanden. Aufgrund der Zuwanderung aus diesen Ländern sind auch in Deutschland Frauen und Mädchen betoffen. Familien bringen ihre Töchter in den Ferien zur Beschneidung in ihre Heimatländer oder lassen den Eingriff in Europa vornehmen.

"Niärauodo" bedeutet Mut und ist der Gruppenname weatafrikanischer Bäuerinnen und Bauern in Burkina Faso, die mit Regina Fährmann das Aufklärungsstück "Miriam" entworfen haben. Auf Einladung der dieses Jahr die Frauenkulturtage in Kirchheim organisierenden Frauenliste, informierte Regina Fährmann am Donnerstagabend im Spitalkeller über ihr neuestes Afrika-Projekt.

Aus einer Privatreise ins afrikanische Burkina Faso wurde eine Lebensaufgabe für die pensionierte Kunstlehrerin aus Neidlingen. Seit drei Wochen ist Regina Fährmann wieder aus Afrika zurück und mit großem Elan berichtete sie über die Menschen aus dem Dorf Boussouma am Rande der Sahelzone. Sie hat dort zusammen mit den afrikanischen Familien gelebt. "Ich bin nicht als Touristin in dieses Land gekommen. Ich habe Respekt vor den Menschen, ich behandle sie nicht von oben herab, ich will von ihnen und mit ihnen lernen. Die gemeinsame intensive Probearbeit, der kulturelle Austausch auf Augenhöhe, war ein beglückendes und unvergessliches Erlebnis für mich". In ihrem Gepäck mit dabei ein Film, der die Lebenssituation im Dorf und die Entstehungsgeschichte von "Miriam" schildert. Wo immer das kleine Schattentheater-Ensemble von Regina Fährmann auftritt, die Vorstellungen sind bestens besucht.

In Burkina Faso ist die Beschneidung von Mädchen zwar auch verboten, aber heimlich wird der Brauch allerorts praktiziert. Eine für viele kaum vorstellbare Tradition, nach der die Beschneidung der weiblichen Genitalien die Fruchtbarkeit der Frau erhöhe und dass dadurch die Reinheit und die Jungfräulichkeit eines Mädchens sowie die Treue einer Ehefrau gesichert sei.

Einerseits ist ein respektvoller Umgang mit Bräuchen und Traditionen geboten, andererseits sollten nur die Bräuche und Traditionen, die sich positiv auf die Entfaltung einer Person oder deren Gesundheit auswirken, beibehalten werden. Die Beschneidung ist für Frauen äußerst gesundheitsgefährdend. Sie verletzt zutiefst die körperliche und seelische Unversehrtheit der Frau. Diese unsagbaren Schmerzen, die junge Frauen erleiden müssen, sind nicht notwendig, davon sind auch in Afrika immer mehr Eltern überzeugt und lehnen die Beschneidung ihrer Töchter ab.

"Miriam" war schwanger und hat durch die Beschneidung ihr Kind verloren. Mit 16 Jahren musste sie auf Geheiß der Eltern das fürchterliche Ritual über sich ergehen lassen. Verzweifelt über ihr Schicksal beginnt sie sich gegen dieses inhumane Brauchtum gemeinsam mit anderen Frauen aus dem Dorf zu wehren. Mit ihrem Co-Autor Adamar hat Regina Fährmann das Schattentheaterstück unter Einbeziehung der kulturellen Traditionen entwickelt. Ein Schattenspiel, das nicht bevormundend, sondern in sensiblen Bildern deutlich macht, dass allein durch Gesetze die Beschneidung von Mädchen und Frauen nicht verhindert werden kann. Es kommt vielmehr darauf an, dass die Familien und Eltern der Töchter zu der Einsicht gelangen, dass sie selbst für den Schutz ihrer Töchter verantwortlich sind.

"Man kann Menschen nicht überzeugen, indem sie in das Gefängnis gesteckt werden", so die Meinung von Regine Fährmann, die durch ihr Engagement einmal mehr beweist, dass es auch anders geht. So hat sie in Burkina Faso nicht nur Adamar, den Autor des Stückes an ihrer Seite, sondern auch Lassanè, Arouna, Mariam, Fatimata und Hamadou, der als Beleuchter fungiert, allesamt Akteure und engagierte Mitstreiter des Schattentheaterprojektes.

Der Ehrenamtspreis der Kreissparkasse und des Teckboten ermöglichte die Finanzierung des Miriam-Projektes und auch die Aufklärungsarbeit durch die Gruppe "Niärauodo" ist für die nächsten Monate gesichert. Die längerfristige Fortsetzung dieser Hilfe zur Selbsthilfe bereitet Regina Fährmann jedoch große Sorgen. Von daher freute sie sich über die gut besuchte Veranstaltung und über die Spenden der zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besucher.

Die Utensilien des Schattentheaters sind schnell verstaut in dem kleinen Karren, der von einem Esel gezogen wird und mit dem die Gruppe "Niärauodo" von Dorf zu Dorf zieht. Die Utensilien bestehen aus einem großen weißen Tuch, Lampen, Trommeln und natürlich aus den Figuren des Schattentheaters. Einen über Jahrhunderte gewachsenen Brauch aus den Köpfen der Menschen zu verbannen, das benötigt allerdings viel Zeit, Engagement und schließlich finanzielle Unterstützung. Kontakt: Regina.faehrmann@web.de, www.feuervogel.org.