Lokales

Aufregung umsonst: Investor springt ab

Keine betreuten Seniorenwohnungen

Ein Hammer – so bezeichnete Notzingens Bürgermeister Jochen Flogaus das Schreiben der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH. Darin teilte das Unternehmen kurz und bündig mit, dass es als Investor für betreute Seniorenwohnungen abspringt.

iRIS hÄFNER

Notzingen. „Schon seit einiger Zeit haben der Ausschuss für Technik und Umwelt und ich der Sache nicht mehr getraut“, erklärte Jochen Flogaus während der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Seit Jahren beschäftigt der vorhabenbezogene Bebauungsplan das Gremium. Zunächst war eine Kirchheimer Immobilienfirma an dem Projekt auf dem Gelände einer ehemaligen Schreinerei interessiert. Als diese absprang, trat die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH aus Ludwigsburg im Jahr 2004 auf den Plan. Bedingt durch das von einem Nachbarn angestrengte VGH-Verfahren verzögerte sich das Vorhaben. Dies nannte die Firma auch als Grund, weshalb sie sich nun entschieden hat, das Bauvorhaben nicht zu realisieren. „Aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Bedingungen und der stark gestiegenen Baukosten könnten wir das Bauvorhaben zu marktgerechten Preisen nicht mehr realisieren“, heißt es in dem Schreiben.

„Wüstenrot meinte wohl, wir hier in Notzingen seien mit Blindheit geschlagen“, fand Jochen Flogaus klare Worte und spielte damit auf die mehrmals überarbeiteten Pläne an. „Die wollten uns über den Tisch ziehen“, so sein Fazit. Veränderungen stimmte der Gemeinderat jedoch nur dann zu, wenn sich am äußeren Erscheinungsbild nichts änderte. Am Schluss stand ein Plan, der nach Ansicht des Gremiums einen viel zu kleinen Gemeinschaftsraum vorsah, der für altengerechtes, betreutes Wohnen wenig geeignet ist. Herbert Hiller wurde deutlich: „Die Planung versteht keiner mehr. Die einzelnen Wohnungen waren nicht größer als ein Hasenstall.“ Für ihn ist es daher voll und ganz verständlich, dass sich ein derartiges Objekt nicht vermarkten lässt.

„Mit Offenheit und Fairness hat das nichts mehr zu tun“, ärgerte sich der Schultes über das kurze, knappe Schreiben von Wüstenrot. Regelmäßig stand er über die Jahre in persönlichem Kontakt mit den Mitarbeitern des Unternehmens. Kosten für die Bearbeitung des Bebauungsplans hat die Gemeinde der GmbH nicht in Rechnung gestellt. Lediglich der Aufwand der Stadt Kirchheim, die als Genehmigungsbehörde ebenfalls mit der Sache befasst war, wurde mehrfach angemahnt.

Das Projekt sorgte in der Bodenbachgemeinde für große Aufregung. „Nach all den Anfeindungen, denen die Gemeinderäte und ich ausgesetzt waren – dazu noch die Staatsanwaltschaft im Haus und die Verhandlung beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim – ist es umso ärgerlicher, dass die Sache einfach ad acta gelegt wird“, so Jochen Flogaus.

Der erzürnte Nachbar hatte nicht nur das Verwaltungsgerichtshof-Verfahren angestrengt, sondern auch dem Bürgermeister eine Dienstaufsichtsbeschwerde beschert. Mit unsachlichen Flugblattaktionen machte er zudem Stimmung gegen das Projekt im Allgemeinen und gegen Jochen Flogaus im Besonderen. „Am Ende haben wir zwar auf der ganzen Linie Recht bekommen, doch so etwas hat es in Notzingen noch nie gegeben“, sagte der Schultes. Er zog seine ganz persönliche Bilanz: „Dieses Unternehmen ist in Notzingen nicht mehr erwünscht.“

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