Lokales

Aus dem aufregenden Leben eines Olympioniken

Unlängst besuchte Kurzstreckenläufer Tobias Unger, Mitglied der deutschen Olympiamannschaft von Athen, die Klasse 10 der Werkrealschule Jesingen und erzählte ein paar Takte aus seinem Leben. Bei heißem Tee und weihnachtlichem Gebäck schilderte er, wie er überhaupt zur Leichtathletik kam und welche Anstrengungen er unternahm, um in die Weltspitze vorzustoßen.

KIRCHHEIM Mit acht Jahren entdeckte Tobias Unger das Laufen, zunächst mehr aus Spaß und zur Freude. Mit sechzehn begann er dann ernsthaft zu trainieren, und vor zwei Jahren stieg er ins Profigeschäft ein. Seither trainiert er zweimal am Tag jeweils drei bis vier Stunden. Dazwischen eilt er zu seinen Vorlesungen an die Universität Tübingen, wo er Sportmanagement studiert.

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Bekommt er bei diesem anstrengenden Tagesablauf womöglich auch noch den großen Hunger, darf er sich nicht an Fastfood oder Schokolade vergreifen, sondern ernährt sich hauptsächlich von Speisen, die Kohlenhydrate und Eiweiß, aber kein Fett enthalten. Ebenso vermeidet Tobias Unger streng, Aufputsch- oder Dopingmittel zu sich zu nehmen. Vor den Olympischen Spielen musste er acht Kontrollen über sich ergehen lassen. Die amerikanischen Sprinter, da kann er sich einen Seitenhieb nicht verkneifen, wurden gar nicht kontrolliert, weil sie sich auf einer griechischen Insel vom Geheimdienst abschirmen ließen.

Die Stimmung in der deutschen Olympiamannschaft empfand Tobias Unger als ganz besonders gut. Im olympischen Dorf gab es Appartements für jeweils sechs Sportler, wobei sich zwei immer ein Zimmer teilten. Es gab Fernsehgeräte und jede Menge Sportveranstaltungen, aber Tobias Unger hatte dafür gar nicht die nötige Zeit. Weil er bis in den Endlauf über die 200-Meter-Strecke vorstieß, bereitete er sich die meiste Zeit auf dieses große Ereignis vor.

Im Finale vor sechzigtausend Zuschauern war Tobias Unger dann der einzige weiße Sprinter. "Eigentlich ist man vor jedem Start nervös. Das ist wichtig, damit man auch die richtige Spannung aufbaut", antwortet Tobias Unger auf die naheliegende Frage. Die minutenlangen Proteste der Zuschauer konnten ihn zwar nicht aus der Ruhe bringen, zum Olympiasieg hat es dann aber nicht ganz gereicht.

Dieser olympische Endlauf von Athen war ein großes Ereignis im Leben des Leichtathleten Tobias Unger. Selbst seine Startnummer hat er sich gemerkt. Es war die Nummer 1924. Das macht er so, dass er sich vorstellt, er würde die 200 Meter in 19,24 Sekunden laufen. Der Weltrekord steht allerdings bei 19,32 Sekunden. "Den wird so schnell keiner brechen", sagt Tobias Unger, "weil er übermenschlich ist." Auf die Frage, wer seine Vorbilder seien, antwortet Tobias Unger lachend: "Alle, die langsamer sind als ich", um gleich zu erwähnen, dass er zurzeit keine sportlichen Vorbilder habe.

Am wichtigsten ist ihm das Verhältnis zu seinem Trainer. Es ist freundschaftlich, aber auf der Rennbahn muss Disziplin herrschen. Vor allem das Starttraining ist enorm wichtig. Wenn man den Start verpatzt, könne man den Lauf meist auch vergessen. Das geht dann zum Beispiel so: Tobias Unger legt sich auf den Boden. Der Trainer gibt in unregelmäßigen Abständen Kommandos, Tobias muss schnellstens aufspringen und losrennen.

Seit der Olympiateilnahme bekommt Tobias Unger viel Post von begeisterten Fans. Er beantwortet alle Briefe selber und behält sie auch alle. Neulich hat er sogar eine Einladung aus Brasilien bekommen, um dort auf einer Insel ein Trainingslager abzuhalten. Wie konnte es anders sein, als dass zum Abschluss des Interviews die Reporter auch ihre Autogrammwünsche hatten. Seither schmückt die Schreibtische mancher Jesinger Zehnklässler ein Farbbild des braungebrannten Tobias Unger, Teilnehmer am olympischen Endlauf über 200 Meter in Athen.

Klasse 10

Werkrealschule Jesingen