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Aus dem Leben einer ganz normalen Familie . . .

KIRCHHEIM "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben . . . Augustine, die putzt Rüben; Rüben gelb und Rüben rot, Rüben für das Abendbrot" Wer denkt, in der Kirchheimer Kindertagesstätte erhalten Schulkinder

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IRENE STRIFLER

allenfalls ein warmes Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, und das war's, der wird eines Besseren belehrt, wenn er dieser Tage im Kirchheimer Jugendhaus Linde vorbei-schaut. Dort nämlich sind 16 kleine Schauspieler und damit die komplette Schulkindgruppe emsig mit Proben beschäftigt.

Auf dem Programm steht "Die dumme Augustine", ein Stück, das nicht nur zeitkritisch viele gängigen Geschlechterklischees beleuchtet, sondern auch noch lustig ist und den Kindern Gelegenheit gibt, sich auszuleben. Denn die Schauspielerei birgt natürlich eine ganze Menge pädagogischer Aspekte. "Die Kinder lernen, Gefühle auszudrücken, die Darstellung auf der Bühne gibt ihnen Mut und Selbstvertrauen", erklärt Hatice Us, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Alexandra Koppe das Projekt mit der Gruppe in Angriff genommen hat. "Die eher schüchternen Kinder sind seither ganz schön aufgetaut und genießen es, auch mal im Mittelpunkt stehen zu dürfen", schildern die beiden eine Entdeckung, die die Arbeit der letzten Wochen mit sich brachte.

Nicht nur die Erzieherinnen, auch die Kinder haben einen langen Atem bewiesen bei der Umsetzung des Projekts, das viel Einsatz erforderte und die Fähigkeit, trotz Schwierigkeiten am Ball zu bleiben. Eine Tugend, die im Zeitalter des Computers, der schon beim ersten Anflug von Langeweile per Tastendruck Fluchtmöglichkeiten in Neues bietet, selten geworden ist.

Dass im Spiel an der Persönlichkeit gefeilt wird und sogar ganz konkrete Defizite, beispielsweise Leseprobleme, ganz nebenbei bekämpft werden, das bekommen die kleinen Schauspieler natürlich gar nicht mit. Mit Feuereifer sind sie dabei, die Familie August im Alltag darzustellen, eine Familie, in der die Mutter hinter den Herd gehört. Zumindest zu Beginn. Im Verlauf des Stückes wird dann doch klar, dass auch ein Rollentausch durchaus funktionieren kann.

Täglich schwitzen sich die Schulkinder für ihr Theaterprojekt Zeit aus den Rippen. Schließlich dürfen wichtige Aufgaben wie die Schule nicht vernachlässigt werden, hinzukommen die Verpflichtungen im Fußballverein, in der Musikschule und so weiter. "Es ist gar nicht so einfach, alle unter einen Hut zu kriegen", sagt Hatice Us. Doch es ist gelungen. Vom Kleinsten, dem siebenjährigen Patrick, der im Stück ein munteres Äffchen verkörpert, bis zur Größten, der elfjährigen Ayse, die eine der beiden Augustinen-Rollen übernommen hat, ist ein prächtiges Team entstanden, das sich gegenseitig unterstützt und ergänzt.

"Das Gruppenzusammengehörigkeitsgefühl ist enorm gewachsen", erklären die Betreuerinnen. Das ist bemerkenswert, denn die Altersspanne ist groß. Zudem besuchen die Kinder auch noch ganz verschiedene Schularten. Die Mehrheit sind Grundschüler, aber auch ein paar Realschüler und Gymnasiasten sind mit von der Partie. In der Tagesstätte stellen sie jedoch eine Familie dar, die zusammengehört, aber doch jedem seine Besonderheiten zubilligt.

Gespannt warten dort die anderen Kinder schon auf die morgige Aufführung. Dann nämlich will die Schulkindgruppe ihre "Augustine" den Tagesstätten-Kameraden, Eltern und Freunden präsentieren. Da kommt eine ganze Menge Publikum zusammen. Schließlich bietet die städtische Tagesstätte 80 Plätze für Kinder von einem Jahr bis ins Teenager-Alter. Sie sind untergebracht in einer Kleinkindgruppe, drei gemischten Gruppen und der reinen Schulkindgruppe. Die übt heute noch mal eifrig und legt letzt Hand an Kulissen und Kostüme an.