Lokales

Aus dem "Schandfleck" wird im Frühjahr ein Schmuckstück

Die Owener Eisenbahnstraße soll ein neues Gesicht bekommen. Wenn alles nach Plan läuft, rollen die Baumaschinen bereits im Frühjahr an, um den langjährigen "Schandfleck" in ein Schmuckstück zu verwandeln. Der Owener Gemeinderat hat sich jetzt auf die Grundzüge zur Gestaltung der Straße geeinigt.

ANDREAS VOLZOWEN Die jetzige Eisenbahnstraße samt großzügiger Parkfläche zwischen Straße und Bahnschienen wird sich stark verändern. So entstehen neue Wohnhäuser auf der bisherigen Straßenfläche. Die Straße selbst wird nach Westen verschoben und rückt somit näher an die Gleise heran. Parken am Straßenrand soll auch weiterhin möglich sein, allerdings in geordneterer Weise: Es gibt nur noch Längsparkflächen, mit 1,80 Meter Breite. Außerdem werden diese Parkplätze durch Bäume unterbrochen, sodass der jeweilige Platz für maximal zwei Pkw ausreicht.

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Bis dahin war alles schon fest geplant. Worüber der Gemeinderat jetzt noch zu entscheiden hatte, das war die Gestaltung des verbleibenden Straßenraums mit einer Gesamtbreite von sechs Metern. Albrecht Reuß vom Weilheimer Ingenieur- und Vermessungsbüro Lamparter sprach in diesem Zusammenhang von einer "gestalterischen Verkehrsberuhigung", die in der Eisenbahnstraße vorgesehen sei. Weil die Straße regelmäßig von Lastwagen befahren wird, die von der Beurener Straße her kommend in Richtung WLZ unterwegs sind, lässt sich dort nämlich keine offiziell verkehrsberuhigte Zone einrichten.

Um die Kraftfahrer zu bremsen, hat sich der Gemeinderat für einen "Trompetenkopf" mit Naturpflaster an der Einfahrt zur Eisenbahnstraße entschieden. Die Pflasterung signalisiert Auto- oder Lastwagenfahrern, dass an dieser Stelle etwas Neues beginnt. Außerdem soll ein Kandel dafür sorgen, dass die "neue" Straße optisch noch zusätzlich verengt wird. Über diese beiden Fragen war sich das Gremium genauso rasch einig wie darüber, dass der Kandel ebenfalls in Naturpflaster auszuführen ist wie in der Bahnhofstraße auch.

Die "Glaubensfrage", wie sie Bürgermeister Siegfried Roser bezeichnete, bestand also nur noch darin, ob der Kandel in der Straßenmitte verlaufen oder ob er die Straße in zwei ungleichmäßig breite Stücke aufteilen soll. Nach Auffassung des Planungsbüros würde ein Mittelkandel die größtmögliche Verkehrssicherheit bieten. "Für den Fußgänger wäre das die bessere Lösung", meinte Hans Lamparter in der Gemeinderatssitzung. Die Fußgänger müssten dann auf der Straße gehen, ohne dass bei den Autofahrern das Gefühl entstehen könnte, dass die Straße ihnen allein gehöre. Wenn der Kandel die Straße in zwei Abschnitte von 4,50 beziehungsweise 1,50 Meter Breite unterteilen würde, entstünde dagegen von vornherein bei allen beteiligten Verkehrsteilnehmern der eigentlich falsche Eindruck, dass das breitere Stück allein den Fahrzeugen vorbehalten wäre und dass der schmalere Teil den Gehweg darstellen könnte.

Eine Mehrheit der Gemeinderatsmitglieder folgte dieser Argumentation, bevor Christoph Ensinger an die Winterszeit erinnerte: "Wenn der tiefste Punkt in der Mitte der Straße liegt, läuft das Wasser immer dort hin." Bei Minustemperaturen bestehe dann die Gefahr, dass die ganze Straße mit Glatteis überdeckt sei. Planer Albrecht Reuß entgegnete daraufhin, dass die Fachliteratur bei Schmelzwasser immer auf die Vorteile des Kandels verweise. Durch den Kandel lasse sich das Wasser besser ableiten, "weil es den Ablauf unter der Eisfläche ermöglicht".

Letztlich hat sich der Gemeinderat bei zwei Gegenstimmen für den Mittelkandel entschieden. Die Gestaltung der Fläche vor dem WLZ-Gebäude soll vorläufig noch ausgespart bleiben. Siegfried Roser hatte empfohlen, erst einmal die weitere Entwicklung abzuwarten. Zur "Zeitschiene" gab der Bürgermeister an, die Arbeiten sollten so ausgeschrieben werden, dass die Bauarbeiten bereits im kommenden Frühjahr beginnen können.

Der "Schandfleck" Eisenbahnstraße wäre dann nach vielen Jahren Hin und Her in absehbarer Zeit beseitigt. Roser ging es unter anderem darum, dass die große Freifläche nach Abschluss der Arbeiten nicht mehr als "Betriebsparkplatz" für die verschiedensten Firmen genutzt werden könne. Bisher würden dort das ganze Wochenende über Lastwagen und andere Nutzfahrzeuge parken: "Das müssen wir unterbinden, anders geht es nicht."