Lokales

Aus dem Stift wird ein „Wohnpark“

Privater Investor plant Mehrfamilienhäuser und Reihenhäuser am westlichen Stadteingang

Seit Jahresbeginn ist das alte Henriettenstift an der Jesinger Straße gegenüber dem Freibad verwaist. Doch schon bald wird sich etwas tun auf dem Gelände: Der „Wohnpark Bismarckstraße“ sieht Mehrfamilien- und Reihenhäuser vor.

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irene strifler

Kirchheim. Da der alte Bebauungsplan „Jesinger Straße – Bismarckstraße“ ganz auf die Altenheimnutzung zugeschnitten und das Baugrundstück für den Gemeinbedarf festgeschrieben war, wurde nun eine Änderung des Planes formal notwendig. Aus diesem Grund befasste sich der Kirchheimer Gemeinderat mit dem privaten Bauvorhaben. Stadtplaner Gernot Pohl schilderte zunächst die verschiedenen Überlegungen, die von einer Nutzung der bestehenden Gebäude über einen Teilabriss bis zur kompletten Neubebauung des Geländes gereicht hatten. „Auf diese Weise kann die städtebauliche Situation deutlich verbessert werden“, stellte sich der Stadtplaner überzeugt hinter die vorliegende Planung der Firma Dyck Bauen und Wohnen.

Diese Planung sieht zwei Mehrfamilienhäuser entlang der Jesinger Straße vor, gefolgt von einem dominanten „Punkthaus“, das das Areal Richtung Innenstadt abschließt. Zur Bismarckstraße hin, also im rückwärtigen Bereich, sollen sieben Reihenhäuser entstehen. „Die Situation ist hervorragend gelöst“, meinte Gernot Pohl, während er den Räten das Modell vorstellte. Deshalb sprach er sich dafür aus, das Bauvorhaben schnell auf den Weg zu schicken mittels einer Bebauungsplanänderung im beschleunigten Verfahren.

Das Gros der Räte teilte diese Einschätzung, SPD-Mann Peter Bodo Schöllkopf verspürte gar auf der Stelle „Lust, selbst in eines der Reihenhäuser einzuziehen“. Die Euphorie dämpfte allerdings Sabine Bur am Orde-Käß von den Grünen. Ihr ging es dabei weniger um das konkrete Objekt als vielmehr um das Prinzip. „Wir reagieren wieder einmal nur auf Vorschläge eines Investors, dabei handelt es sich doch auch hier wieder um einen Stadteingang“, zog sie Parallelen zum „Weisepark“ in der Nachbarschaft zur Polizeiwache. Sie listete eine Reihe von Anregungen auf, die sie lieber zuvor in aller Ruhe geklärt hätte, etwa wie es mit den Freiflächen aussehe, ob Barrierefreiheit bestehe, ob große Wohnungen für Familien vorgesehen seien und anderes mehr. Bur am Orde-Käß betonte, Lehren aus der Zukunftswerkstatt Neues Wohnen zu vermissen, in der man doch gemeinsam einen ganzen Packen von Gedanken und Leitlinien entwickelt hatte.

Helmut Kapp, Fraktionsvorsitzender der CDU, hielt dagegen: „Das ist doch kein städtisches Grundstück“, gab er zu bedenken. Letztlich könne die Stadt sogar froh sein, dass die Fläche einer vernünftigen Nutzung zugeführt werde. Gernot Pohl warf seine über 20-jährige Berufserfahrung in die Waagschale: „Es macht keinen Sinn, sich architektonische Gedanken zu machen, ohne jemanden zu haben, der sie umsetzt“, argumentierte er. Einwände der Stadträte bezüglich der aus der relativ stark befahrenen Jesinger Straße geplanten Tiefgarageneinfahrt entkräftete er, indem er auf ähnliche Situationen andernorts verwies. Im Übrigen strich er noch als positiven Aspekt an der Planung heraus, dass sich speziell die Reihenhäuser durchaus an junge Familien richteten, zumal sie in Fußnähe zu allen Infrastruktureinrichtungen lägen.

Bei acht Enthaltungen fasste das Gremium den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan und befürwortete das beschleunigte Verfahren.