Lokales

Aus für das 4500-Liter-Steak

„coaching4future“ möchte Schülern Zukunftsperspektiven in der Wissenschaft aufzeigen

Im wissenschaftlichen Bereich herrscht Fachkräftemangel. Ingenieure und Naturwissenschaftler sind dringend nötig um Wirtschaftskraft und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten – dass man dazu kein versponnener Eigenbrötler sein muss, zeigte das Bildungsnetzwerk „coaching4future“ den Schülern der Schöllkopfschule.

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ENNO Küker

Kirchheim. „Henriette ist Botanikerin – die kennt sich mit Gras aus“, wirft Orfeas Dintsis grinsend in die Runde und gewinnt damit schnell die Sympathie der Zwölftklässler. Er und seine Kollegin Henriette Gruber wirken nicht unbedingt wie typische Vertreter der Wissenschaft und genau darum geht es: Wer bei Molekularbiologen an mikroskopierende Weißkittel mit dicker Brille denkt, hat anscheinend nicht immer recht. Dintsis ist nämlich einer und sieht mit der zackigen Frisur und seinen strassbesetzten Lackschuhen eher wie ein Gitarrist oder Modedesigner aus. Tatsächlich schmeißt er im Vortrag aber mit Fachbegriffen wie „Transfer Jet Technology“ oder „Augmented Reality“ um sich und berichtet anschaulich, was die Technik der Zukunft alles bringt – und wie die baldigen Abiturienten selber daran mitwirken können.

Die Landesstiftung Baden-Württemberg hat die Initiative „coaching4future“ ins Leben gerufen, um junge Menschen für die Berufsfelder Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz MINT, zu begeistern. Was den Schülern im Unterricht manchmal vielleicht sehr trocken und realitätsfern erscheint, wird von Dintsis und Gruber hier ausgesprochen attraktiv dargeboten. Eine moderne und lockere Präsentation von Themen, die die jungen Leute aus Freizeit und Privatleben kennen – das hat nicht viel mit den Molekularstrukturen und gebrochen rationalen Funktionen zu tun, die sie in den entsprechenden Fächern lernen müssen. Und es veranschaulicht ihnen, wo MINT überall tatsächlich drinsteckt: Nicht nur in den Mediensparten werden innovative Köpfe gebraucht, sondern auch in der Kommunikationsbranche und der Lebensmittelindustrie. Letzteres liegt erstmal nicht direkt auf der Hand, aber natürlich muss auch Nahrungsherstellung wissenschaftlich betrieben werden: Dass zum Beispiel die Produktion eines einzelnen Steaks durchschnittlich 4500 Liter Wasser verbraucht, wenn man alle Vorgänge von der Kühlung bis hin zum Reinigen der Transportfahrzeuge einbezieht, kann auf einem ressourcenbeschränkten Planeten wie der Erde kein Dauerzustand sein. Also werden Konzepte und Techniken, die die Wassernutzung optimieren, benötigt – und damit entsprechende Fachkräfte.

Dass die Zukunft nicht nur in fernen Ländern wie den USA oder Japan, sondern vor allem auch in Deutschland gestaltet wird, beweisen große Firmen wie SAP, Zeiss oder Festo. Wie viele andere Unternehmen möchten sie aktiv den Nachwuchs fördern und sind deshalb Partner des zur Stiftung gehörenden Portals www.coaching4future.de. Schülern soll dort ermöglicht werden, sich ganz konkret über Berufsbilder und Ausbildungsperspektiven in ihrer Nähe zu informieren. Die Partnerfirmen bieten auch laufend Praktikumsstellen an, um den Nachwuchs aktiv zu fördern. Die jungen Leute sollen so von der Interessenfindung bis hin zum Berufseinstieg langfristig begleitet werden.

In Kirchheim ist „coaching4future“ bereits zum zweiten Mal Gast gewesen. Chemielehrer Michael Ohmayer hatte das Team bereits letztes Jahr an die benachbarte Max-Eyth-Schule gebracht und freut sich über die positiven Reaktionen seiner Schüler. „Denen tut es gut, den abstrakten Schulstoff mal in Verbindung mit einer konkreten Perspektive zu sehen“, findet er.