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"Aus Glomp wurden Zeitzeugen ehemaliger Wohnkultur"

Von einer "Erfolgsgeschichte" sprach Esslingens Landrat Heinz Eininger während des Festakts zum zehnjährigen Bestehen des Beurener Freilichtmuseums in der örtlichen Kelter. Doch will sich das Team um Steffi Cornelius nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Attraktivitätssteigerung ist für die Leiterin des Museums das A und O.

ANKE KIRSAMMER

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BEUREN 25 Jahre Museumsgeschichte, 20 Jahre Baubeschluss, 10 Jahre Einweihung des Freilichtmuseums Beuren Landrat Heinz Eininger wies auf das zu feiernde Jubiläumspaket hin. Er bezeichnete das Museumsdorf scherzhaft von ihm auch "die 45. Gemeinde im Landkreis Esslingen" genannt als Ort, in dem Identitätsstiftendes geschehe. Mit acht Gebäuden wurde das Museum in den Beurener Herbstwiesen vor zehn Jahren eingeweiht. Heute fügen sich 22 Häuser aus fünf Jahrhunderten in das naturbelassene Gelände ein. Eininger resümierte: "Aus Glomp sind Zeitzeugen ländlicher Wohnkultur geworden."

Der Landrat sieht das Museum nicht nur als Kleinod, sondern auch als Teil des Gedächtnisses der Gesellschaft, als Ort, an dem sich Gegenwart und Vergangenheit berühren, "wo Pommes und Schwarzer Brei, Cola und selbst gepresster Apfelsaft aufeinandertreffen." Es sei zudem ein guter Botschafter des Kreises.

"Hetzjagd nach dem letzten Groschen", so hieß der Titel, mit dem Gitarrist Georg Lawall den Festakt in der Beurener Kelter eröffnet hatte. Damit lieferte er eine Steilvorlage für den Kreisverwaltungschef, der trotz Festlaune nicht mit dem Problem knapper Finanzmittel hinterm Berg hielt. Er hoffe, das Land Baden-Württemberg bleibe ein verlässlicher Partner, auch wenn die Förderquote immer weiter sinke. Gab es Anfang der achtziger Jahre eine Förderzusage für 75 Prozent der Baukosten, so beabsichtige das Land, die derzeitige Quote von 65 Prozent weiter zu senken. Die sieben regionalen Freilichtmuseen des Landes müssten mit 280 000 Euro weniger auskommen. Als "Ausgleich" sollen 140 000 Euro ins Kulturprogramm der "Sieben im Süden" fließen. Eininger problematisierte die Signalwirkung auf das kommunale Engagement und betonte: "Die 700 000 Museumsbesucher in Beuren in den letzten zehn Jahren zeugen von einer hohen Akzeptanz." Insgesamt sind aus der Landeskasse bislang 9,8 Millionen Euro an das Freilichtmuseum in Beuren geflossen, der Landkreis hat als Träger 8,6 Millionen Euro eingebracht. Von einer Änderung der Rechtsform des Freilichtmuseums verspricht er sich indes keine Entlastung, und auch die Region könne nicht als Träger fungieren, sagte Eininger in Anspielung auf entsprechende Vorstöße aus dem Kreistag im Rahmen der jüngsten Haushaltsplanberatungen. Im gleichen Zuge kündigte er jedoch an, die Verwaltung werde voraussichtlich noch in diesem Jahr einen Vorschlag zur Entlastung unterbreiten und sprach von einer "Finanzierung auf breiten Schultern".

Grüße der Landesregierung überbrachte Professor Dr. Volker Haug, Ministerialrat im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Er hob hervor, die "Sieben im Süden" seien zentraler Bestandteil der baden-würtembergischen Museums-landschaft. Der Bedarf habe sich verschoben. Inzwischen gehe es weniger um das Aufstellen von Häusern. "Wichtiger ist, die Attraktivität zu steigern. Deshalb sollen 20 000 Euro pro Standort in die Kulturprogramme fließen."

Die Bedeutung des Freilichtmuseums für die Gemeinde Beuren rückte Bürgermeister Erich Hartmann in den Blick. Sei es auf Touristikmessen früher oft notwendig gewesen, Verwechslungen mit Beuron auszuräumen, so sei Beuren inzwischen ein Begriff. "Dazu hat sicher das Freilichtmuseum mit seinen 80 000 Besuchern im Jahr beigetragen", sagte Hartmann. Von dem Museumsdorf verspricht er sich auch Auftrieb für den Kurbetrieb. "Wir wollen in Richtung Heilbad", so der Rathauschef.

Unter dem Titel "Zum Zehnten" sprach Professor Dr. Christel Köhle-Hezinger in ihrer Festrede über die Zahl als Festanlass, ging aber auch auf die ältesteForm der Abgabe ein. Die Volkskundlerin strich die Wichtigkeit der Freilichtmuseen heraus. "Sie bilden das Gegengewicht zur Museumsstadteventkultur. Sie stehen für das andere Zeitmaß, gegen den schnellen Wandel, sie stellen einen konkreten Ausschnitt dar und sind doch zugleich ein Spiegel des Ganzen. Sie müssen Aufgabe aller sein im Sinne von Kulturpflicht statt Freiwilligkeitsaufgabe."

Einen Blick in die Zukunft warf Leiterin Steffi Cornelius. Gemäß einer 2001 erarbeiteten Konzeption sollte das Museum bis 2010 das besucherfreundlichste, interessanteste und lebendigste Freilichtmuseum im Land werden. Angesichts klammer Kassen sei allerdings das Ziel, die Besucherzahlen jährlich auf 100 000 hinaufzuschrauben mittlerweile dahingehend modifiziert worden, die 80 000er-Marke zu halten. Seien bisher alle Räume in den Häusern für die Besucher zugänglich gewesen, so werde jetzt größeres Augenmerk auf die Ausstattung einzelner Zimmer gelegt. Auch der Einsatz neuer Medien gehört zu dem neuen Konzept. Den Informationshunger der Besucher will die Museumsleiterin künftig unter anderem mit Infotafeln stillen, auf denen beispielsweise Bautechniken näher erläutert werden. Ein Schneckengarten und ein ausgebautes didaktisches Angebot auch für erwachsene Besucher sind weitere Neuheiten, die Steffi Cornelius aufführte. "Es geht nicht um ein mehr an Quantität, sondern um Qualitätssteigerung."