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Aus "Superman" wird doch ein Mechaniker

Mit einer Kompetenzwerkstatt will der Kreisjugendring Esslingen KJR ab Herbst Siebtklässlern den Weg von fantastischen Traumberufen wie Astronaut, Filmstar, Rapper und ähnlichem in die Realität weisen. Die Methode wurde in Österreich entwickelt.

RICHARD UMSTADT

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KREIS ESSLINGEN Viele Berufsberater und Lehrer können inzwischen ein Lied davon singen: Die jungen Leute kommen mit Berufswünschen an, die zwar ihren fantastischen Vorstellungen und der Natur ihrer Idole entsprechen, aber mit einer realen Selbsteinschätzung nicht viel zu tun haben. "Ich will Astronaut werden", ist da zu hören, oder Schauspieler a la "Superman", oder Stewardess, auch Super-Model wie Heidi Klum. "Einer kam und wollte Rapper werden", erinnert sich der Geschäftsführer des Kreisjugendrings Esslingen, Kurt Spätling. Oft können Eltern ihren Sprösslingen die "Flausen" nicht austreiben und die Pädagogen und Ausbildungsberater, die mit der Berufsvorbereitung von Schülerinnen und Schülern zu tun haben, sind immer wieder erstaunt und mitunter entsetzt, welche Selbsteinschätzungen die jungen Menschen bezüglich ihrer Berufswahl haben.

Wer die noch offenen Ausbildungsstellen mit den Fantasieberufswünschen von nicht wenigen Hauptschülern vergleicht, erkennt sofort, das beides nicht zusammenpasst. Enttäuschungen sind vorprogrammiert. Da bleibt es nicht aus, dass einige der jungen "Traumtänzer" bereits vor der Bewerbung die Flinte ins Korn werfen.

"Vielen von ihnen fehlt einfach eine realistische Sicht der Dinge", meint der KJR-Geschäftsführer. Doch genau diese Sicht ist es, die Jugendlichen den Blick für eine realistische Einschätzung ihrer Chancen und Möglichkeiten verwehrt. "Handwerkskammern klagen immer wieder, dass sich die Jugendlichen für einige Nischenberufe überhaupt nicht interessieren", weiß Kurt Spätling. Und er vermutet die Ursache dafür in der Unwissenheit der Schülerinnen und Schüler. "Sie haben noch nie etwas über diese Berufe gehört oder hören wollen und vor allem auch, welche Fähigkeiten dafür gebraucht werden."

Aus dem Reich des Traums und der Fantasie will der Kreisjugendring jugendliche Illusionisten wieder sanft auf den, für manche harten, Boden der Tatsachen stellen. Das Zauberwort heißt Kompetenzwerkstatt und ist eine österreichische "Erfindung". In der Alpenrepublik ist die Kompetenzwerkstatt, ausgehend von der Zukunftswerkstatt Tirol, fester Bestandteil der Lehrerausbildung, wie Kurt Spätling erfahren hat.

Diese Kompetenzwerkstatt bietet der Kreisjugendring Esslingen ab dem kommenden Schuljahr den siebten Klassen, vor allem in Hauptschulen im Landkreis, aber auch Realschulen, an. In 16 Sitzungen, die jeweils 90 Minuten dauern, setzen sich die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen intensiv mit Kompetenzen wie Eigenverantwortung, Selbstständigkeit, Kreativität, Teamfähigkeit, Flexibilität, Kommunikations- und Ausdruckvermögen, Selbst- und Fremdeinschätzung, Stärken sowie Selbstbewusstsein auseinander.

Zunächst sollen sich die Jugendlichen intensiv mit ihren Interessen, Stärken und Zielen beschäftigen und diese anderen Personen erläutern. Darauf aufbauend arbeiten die Jugendlichen selbstständig an einem konkreten Projekt, das im Zusammenhang mit ihren beruflichen Wünschen steht. Die Projektphase wird betreut, ausgewertet und überprüft, was die Schüler gelernt haben. "Fehler sind dazu da, gemacht zu werden und ausdrücklich gewünscht, um aus ihnen lernen zu können", betont KJR-Geschäftsführer Kurt Spätling.

Der Kreisjugendring ließ für die Kompetenzwerkstatt zunächst zehn Hauptamtliche aus Jugendhäusern von der Zukunftswerkstatt Tirol schulen. Sollte sich das Projekt bewähren, will der KJR allen Schulen im Kreis die Kompetenzwerkstatt anbieten. Dabei ist vorgesehen, wie Spätling sagt, mit dem Schulamt und dem Berufsausbildungszentrum Esslingen zusammen "ein größeres Paket" zu schnüren, damit aus "Superman" und "Supergirl" doch noch etwas "gscheit's" wird und sie nicht im Reich der Fantasie verloren gehen.