Lokales

Ausbau ambulanter Angebote

Mit der Stärkung ambulanter Angebote möchte der Landkreis behinderten Menschen mehr Teilhabe in einer Gemeinde ermöglichen, zum anderen hat der Landkreis die Kosten im Blick: Für soziale Leistungen bezahlt der Kreis Esslingen im kommenden Jahr mit 148 Millionen Euro sechs Millionen Euro mehr als im laufenden Haushalt.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN Die meisten Kosten innerhalb der Sozialhilfe verursacht die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen. Sie schlägt im kommenden Jahr mit insgesamt rund 47 Millionen Euro zu Buche, das sind 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Durch den Umbau des Hilfesystems und den weiteren Ausbau ambulanter Hilfen soll die Steigerung in einem vertretbaren Rahmen gehalten werden. Ende vergangenen Jahres lebten im Landkreis Esslingen 53 Prozent der erwachsenen behinderten Menschen in stationären Wohnangeboten. "Wir müssen die familienentlastenden Dienste stärken und niederschwellige Angebote ausbauen", so lautete die Überzeugung von Nora Burchartz, Behindertenhilfeplanerin im Landratsamt. Ziel ist, behinderten Menschen ein möglichst selbstbestimmtes und selbstständiges Leben zu ermöglichen.

"Neue Wege in die Gemeinde für Menschen mit Behinderungen", hieß denn auch der Titel eines Fachtages in Neuhausen, von dem Nora Burchartz im Sozialausschuss des Kreistags berichtete. Eingebunden in die Organisation war die Kreisarbeitsgemeinschaft Behindertenhilfe. "Wir haben an dem Tag insgesamt 140 Vorschläge zur besseren Integration behinderter Menschen erarbeitet", sagte Nora Burchartz. Das A und O ist für sie das Herstellen von Netzwerken, Transparenz und Kooperation. "Es geht nicht um eine Inselgestaltung, sondern darum, Brücken ins Gemeinwesen hineinzubauen." So müssten sich beispielsweise auch die in den Städten und Gemeinden verankerten Vereine für behinderte Menschen öffnen.

Insbesondere im Kinderbereich arbeite man darauf hin, das ambulante Versorgungsnetz auszubauen, so Kristin Schwarz-Henle, Leiterin des Amts für besondere Hilfen, denn wenn behinderte Kinder nicht zu Hause wohnten, werde die Heimunterbringung früh zementiert. Sie verwies auf erste Erfolge: Waren Ende 2005 noch 128 Kinder und Jugendliche stationär untergebracht, so sank ihre Zahl auf inzwischen 111.

Wolfgang Latendorf (Grüne) warnte vor einer "Ambulantisierung". Eine Kosten- und Aufwandskontrolle sei gut. Ambulant sei jedoch nicht per se besser als stationär. Landrat Heinz Eininger versicherte ihm, den Menschen im Blick zu haben. Wichtig sei, nach den Rahmenbedingungen bei den Angehörigen zu sehen und entsprechende familienentlastende Dienste zu stärken.