Lokales

Ausbau des Stammsitzes

Die Firma Festo mit Sitz in Berkheim plant langfristig eine Erweiterung am Standort Esslingen. Dafür hat das Unternehmen ein Grundstück im Gebiet "Rohräcker" auf der anderen Seite der Aufstiegsstraße im Visier. Zwei Gutachten unabhängiger Experten sollen Bedenken gegen die Bebauung des ökologisch wertvollen Areals zerstreuen.

KORNELIUS FRITZ

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ESSLINGEN Etwa 3000 Mitarbeiter beschäftigt Festo in Esslingen, und das weltweit tätige Unternehmen für Automatisierungstechnik wächst beständig. Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens will Festo den Ausbau neuer Geschäftsfelder weiter forcieren. Davon könnte auch die Zentrale in Berkheim profitieren, wo vor allem in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Technologie und Weiterbildung neue Arbeitsplätze entstehen sollen. "Wir fühlen uns dem Standort Esslingen verbunden und wollen deshalb schauen, welche Möglichkeiten für eine Erweiterung es hier gibt", sagt Claudia Hackbarth von der Pressestelle. Wobei sie allerdings auch klar stellt, dass es sich um langfristige Planungen handle: "Wir lassen uns ungern von Entwicklungen überraschen und wollen bei Bedarf schnell und flexibel reagieren können", sagt sie und nennt für eine mögliche Erweiterung einen Zeithorizont von zehn bis 20 Jahren.

Da die Möglichkeiten auf dem bestehenden Firmengelände weitgehend ausgereizt sind, geht der Blick hinüber auf die Zollberger Seite der Aufstiegsstraße. Das Interesse von Festo an dem dortigen Ackerland ist nicht neu. Schon in den 70er-Jahren bemühte sich die Firma um eine Baugenehmigung für ein Grundstück, das bereits in ihrem im Besitz ist. Bislang scheiterten die Pläne allerdings daran, dass das Gebiet zwischen Berkheim und dem Zollberg im Regionalplan als "regionale Grünzäsur" ausgewiesen ist. "Für den Austausch der Luft zwischen Fildern und Neckartal hat ein solcher Grünzug eine besondere Bedeutung", so Roland Karpentier, Pressesprecher der Stadt Esslingen. Eine Bebauung ist in diesem Gebiet deshalb ausgeschlossen.

Angesichts der vielen Arbeitsplätze, die auf dem Gelände entstehen könnten, wollte man es bei der Stadt aber nicht bei diesem kategorischen Nein belassen und hat zusammen mit dem Verband Region Stuttgart ein Gutachten zu den klimatischen Folgen eines Neubaus in Auftrag gegeben. Unabhängig davon ließ auch Festo die Situation von Experten prüfen. Das übereinstimmende Ergebnis: Die Auswirkung auf die so genannten Kaltluftströme durch die Bebauung eines begrenzten Gebietes sind relativ gering vorausgesetzt eine breite Schneise zwischen den geplanten Gebäuden und der Rohräckerschule auf dem Zollberg bleibt unbebaut. Um eine möglichst umweltverträgliche Lösung in dem ökologisch sensiblen Gebiet zu finden, will Festo zudem einen städtebaulichen Ideenwettbewerb ausloben: Architekten sollen ökologisch vertretbare und städtebaulich ansprechende Lösungen erarbeiten.

Auf Grund der Gutachten sieht nun auch die Stadt die Chance, auf die Wünsche des Unternehmens einzugehen. Da dafür eine Änderung des Regionalplans nötig ist, muss auch der Verband Region Stuttgart zustimmen. Bereits am Montag soll im Gemeinderat das Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. Eine Mehrheit gilt bei der Abstimmung als sicher und OB Jürgen Zieger hat Festo bereits seine Unterstützung zugesichert: "Wir sehen darin ein aktives Bekenntnis zur nachhaltigen Sicherung der bestehenden Arbeitsplätze wie zum Wirtschaftsstandort Esslingen."