Lokales

Auseinandersetzung mit geometrischer Ordnung

NÜRTINGEN "Ich bin ein Linienmann", charakterisierte sich Adam Lude Döring anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung seiner Bilder

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HEINZ BÖHLER

selbst. Zuvor hatte Nürtingens Bürgermeister Rolf Siebert den Künstler und die Besucher der vom Nürtinger Kulturamt veranstalteten Vernissage am Sonntag in der Kreuzkirche begrüßt.

Neben den ausgestellten und sonstigen künstlerischen Arbeiten Dörings würdigte Bürgermeister Siebert besonders das soziale Engagement des fast 79-Jährigen, der erst vor vierzehn Tagen ein von ihm künstlerisch aus Holz gestaltetes Herz in Stuttgart für eine UNICEF-Aktion gespendet hat.

Die seltene Gelegenheit, sich nicht von einem Laudator beweihräuchern lassen zu müssen, nahm Adam Lude Döring wahr und hielt, wie er sagte zum Leidwesen seiner anwesenden Gattin, selbst eine Einführungsrede, die dadurch natürlich gleich eine Spur persönlicher geriet. So verriet der Künstler einiges über sein alltägliches Verhältnis zur Ordnung, wodurch das "Leidwesen" seiner Frau bereits ein zweites Mal strapaziert erschien. Doch: "Ich kann der Auseinandersetzung mit der geometrischen Ordnung beim Zeichnen nicht entgehen", konterkariert er dieses Alltagsverhalten im nächsten Atemzug mit einer Beschreibung seiner künstlerischen Vorgehensweise.

Die Formen, die auf seinen Bildern zu dominieren scheinen, entstehen aus Linien, nicht zuletzt aus den Hilfslinien jenes Hundertfelder-Rasters, das er für viele seiner Bilder als Arbeitsgrundlage benutzt hat. Dieses, manchmal im fertigen Bild noch sichtbare, "Quadratgitternetz" gibt Lude Dörings Figuren Halt, lässt ihre ebenfalls oft geometrische Form die Fläche erobern und erweitert ihren "Machtbereich" gegebenenfalls bis in den Raum hinein.

Den Anstoß zu dieser Methodik habe er in den 60er-Jahren im Ballett erhalten, wo er erfahren habe, dass im klassischen Szenentanz die ganze Welt aus fünf Grundfiguren zusammengefügt werde. Tennis- und Tischtennisspieler, Schwimmerinnen und Reiter empfangen ihre Bewegungsdynamik, ohne dass sie an deren Entstehen selbst mitzuwirken scheinen.

Einfach und stabil sollen die Menschen in seinen Bildern dastehen, hatte der Künstler Adam Lude Döring in den 70er-Jahren postuliert und seither seine Menschen entweder im Profil oder "en face" herausgearbeitet, wobei der Autodidakt sich nie für Mischformen erwärmen konnte. Die lasse seine Lebenshaltung generell nicht zu: "Entweder oder!" Zwischentöne sind seine Sache nicht, sagt er und gleicht damit allen Abenteurern dieser Erde. Denn, so Döring weiter, "jedes Bild ist ein neues Abenteuer, von dem ich vorher auch nicht weiß, wie es ausgeht."

Adam Lude Döring erblickte im Dezember des Jahres 1925 in Dresden das Licht der Welt, besuchte von 1950 bis 1953 die Stuttgarter Merz-Akademie und hatte 1968 in Karlsruhe seine erste Einzelausstellung. Seither waren seine Arbeiten unter anderem in Stuttgart, Künzelsau (bei Würth), Paris und München zu sehen.

Von 1963 bis zum Umzug nach Häfnerhaslach im Jahr 1978 hatte Döring mit seiner Familie in Gutenberg am Rande der Schwäbischen Alb gelebt und gearbeitet. Seine jüngeren Arbeiten erscheinen weniger geometrisch, die Linien der darauf zu sehenden Musiker und Instrumente scheinen weniger scharf, zeichnen keine so harten Konturen wie die Hundertfelder-unterlegten Bilder.

Die Abenteuersuche scheint intensiver denn je zu sein: "Ich arbeite nicht weiter aus. Ich springe immer schnell woanders hin." Dieses "Inselspringen" funktioniere, bemerkt Adam Lude Döring mit einem schalkhaft-verlegen wirkenden Lächeln, nach dem Motto: Mir wird schon etwas einfallen. "Am nächsten Tag", fährt er fort, "stehe ich genauso überrascht vor einem Bild, wie der Betrachter auch."

Wer mehr über die Bilder oder den Künstler erfahren möchte, hat dazu am Donnerstag, 28. Oktober, Gelegenheit, wenn Adam Lude Döring ab 19 Uhr zu einem Künstlergespräch in die Kreuzkirche kommen wird. Sonst ist die Ausstellung bis Sonntag, 14. November, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Montag, 1. November, (Allerheiligen) bleibt die Kreuzkirche geschlossen.