Lokales

Ausgesprochen "Tierisches" in der Ulrichskirche

KIRCHHEIM "Komm mit mir ins Tierland" hätte in Anlehnung an ein Lied einer bekannten deutschen

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WINFRIED MÜLLER

Popband das Motto der kirchenmusikalischen Veranstaltung zum "Karneval der Tiere" lauten können. Mit launigen Worten entführte der Moderator und Sprecher, Thomas Gindele, die sehr zahlreichen Zuhörer in ein fantastisches Land, in dem die Tiere das Sagen haben. In den Bann gezogen wurden alle sofort auch durch die ansprechenden Bilder der Göppinger Künstlerin Gabriele Rayner.

Den liebevoll gezeichneten, dabei aber nie kitschig wirkenden Figuren verlieh Thomas Gindele eigenes Profil und stimmliches Gewicht. Mit einer riesigen Palette an Ausdrucksmöglichkeiten erweckte er König Simba, das lustige Pinselohrschwein, Kuckuck Pavarotto, Schwan Lohengrin und viele andere drollige oder schrullige Tierfiguren mit jeweils einer eigenen Stimme zum Leben. Da wurde gegrunzt, gezischt, gelispelt, gezetert und geschmeichelt, dass man sich gelegentlich in ein Hörspiel versetzt fühlte. Eine bravouröse Leistung. Kongenial an der Orgel unterstützt wurde er dabei vom Kirchheimer Dekanatskirchenmusiker Thomas Specker.

Besonders gelungen war die Idee, den vielen, zumeist noch sehr jungen Zuhörern wichtige musikalische Erkennungsmotive zu Konzertbeginn vorzustellen. Schon bei diesen ersten Klängen, die das Gebrüll der Löwen, Hühnergackern, den Can Can der Schildkröten und den Tanz der Elefantendame klanglich illustrierten, hörte man die Orgel mit ganz anderen Ohren. Das Instrument aus seiner oft als museal verstaubt angesehenen Ecke zu holen ist seit Jahren ein besonders wichtiges Anliegen des engagierten Kirchenmusikers. Mit der schon traditionellen Kirchheimer Orgelnacht und Konzerten für und mit Kindern sowie Orgelführungen für Kinder versteht es Specker, auf absolut professionellem Niveau immer wieder unterschiedlichste Hörerschichten anzusprechen und zu begeistern.

Mit dem Karneval der Tiere, geschrieben für zwei Klaviere und Orchester 1886 für eine Karnevalsfeier, wollte Camille Saint-Saens Menschen seiner Umgebung in Gestalt von Tieren mit musikalischen Mitteln beschreiben. Thomas Specker verstand es meisterhaft, diese Mittel auf der Orgel plastisch zu Gehör zu bringen und die immensen technischen Anforderungen zu meistern. Bearbeitungen von Orchesterwerken bergen stets große Risiken: Gelingt die Transformierung des Klanges, behält das Werk sein immanentes Fluidum, sind die klavieristischen Schwierigkeiten zu bewältigen.

Durch prägnante, durchdachte, Registrierungen, die besonders die warmen Grundstimmen und die schön zeichnenden Zungenregister hervorhoben, verstand es Specker, jedem der auftretenden Tiere eine spezifische, typische Klangfarbe zu verleihen. So begleiteten die Zuhörer Löwe, Esel, Känguru, Schleierschwänze, Schildkröten, eine tanzende Elefantendame und viele andere bei "ihren Auftritten" im Tierland. Durch den Farbenreichtum der Orgel und die überaus klar zeichnende Spielweise des Organisten wurde jedes Tier musikalisch zu einem Genuss und von der Zuhörerschaft gespannt erwartet.

Mit einem turbulenten Schlusstableau, bei dem nochmals viele Motive anklangen, endete der Augen- und Ohrenschmaus. Reicher Beifall belohnte alle Akteure für ihr großes Engagement und ihre herausragenden Leistungen. Für interessierte Kinder und Ältere fand im Anschluss eine Orgelvorführung statt, die regen Zuspruch fand.