Lokales

Ausnahmezustand am Schlossgymnasium

William Robert Timken, Milliardär und US-Botschafter in Deutschland, machte bei seiner Reise durch Süd- und Ost-Württemberg auch am Kirchheimer Schlossgymnasium halt. Der Besuch des Diplomaten entpuppte sich allerdings als organisatorische Herausforderung für alle Beteiligten.

KIRCHHEIM Der hohe politische Besuch, wohl der höchste, der je am Schlossgymnasium war, wurde der Schulleitung erst eine Woche zuvor mitgeteilt, woraufhin die Planungen sofort anlaufen mussten. Insbesondere die Englisch-Fachkräfte Marlies Tomschi, Hansmartin Bez und Wolfgang Haller waren nun gefragt.

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In mehreren Vorbereitungstreffen mit den US-Austauschschülern der vergangenen beiden Jahre wurden Ideen gesammelt und ein Programmrahmen abgesteckt. Dies sollte sich als schwierige Aufgabe herausstellen, da erst einen Tag vor dem Besuch die notwendigen und bindenden Informationen eintrafen. Am selben Tag erschien nämlich die Presse- und Sicherheitsabteilung des US-Generalkonsulats, auch um die Gegebenheiten im Schulgebäude zu begutachten.

Die betroffenen Schülerinnen und Schüler hatten die Aufgabe, sich intensiv auf mögliche Fragen des Botschafter-Ehepaars Timken vorzubereiten, wobei der Schwerpunkt auf dem mittlerweile seit 21 Jahren bestehenden Schüleraustausch mit der Marsh-Valley High School in Idaho lag. Zudem musste die Schulmensa, die als Ort für den Empfang ausgewählt wurde, angemessen dekoriert werden. Dabei wurden weder Kosten noch Mühe gescheut. Neben aufwändig vorbereiteten Stellwänden, die die Reiseimpressionen nach Übersee dokumentierten, sollte auch für das leibliche Wohl gesorgt sein.

Die höchste Priorität hatte jedoch zweifelsohne die Sicherheit des Ehepaars Timken. Die Polizei durchforstete mit einem etwa 15 Mann starken Aufgebot sowie einem Sprengstoffhund die nähere Umgebung der Schule und sicherte diese ab. Am Tag des Besuchs bestand bereits am frühen Morgen Funkkontakt mit der Fahrzeugkolonne, die den Botschafter aus Ulm kommend zur Schule bringen sollte und planmäßig um neun Uhr eintraf.

Das Empfangskomitee um Schulleiter Siegfried Lutz holte den Besuch vor dem Schulgelände ab, wo bereits zuvor die amerikanische, die deutsche sowie die Kirchheimer Flagge gehisst worden waren. Anschließend folgte eine Führung durch das Schulgebäude, zu deren Abschluss auch noch ein musikalischer Empfang durch Jochen Scheytt auf dem Programm stand.

Schließlich trafen William R. Timken und seine Frau Sue in der Mensa auf die bestens präparierten Schülerinnen und Schüler, wo sie durch Siegfried Lutz offiziell begrüßt wurden. Bei der darauf folgenden Gesprächsrunde, von Wolfgang Haller moderiert, konnten dem Botschafterehepaar Fragen gestellt, aber auch über Erfahrungen, die während des Amerikaaufenthalts gemacht wurden, berichtet werden. Zudem erfuhren Schüler und Lehrer aus erster Hand, wie der Alltag eines Botschafters aussieht ein Alltag, der keinerlei Raum für Privatsphäre lässt.

Neben der Eingliederung von muslimischen Mitbürgern kümmert sich Sue Timken regelmäßig um verwundete US-Soldaten im US-Hospital Lahnstuhl. Besonders interessiert zeigten sich die Gäste auch vom eigens von den Schülern erstellten Film, der einen Eindruck des Austauschlebens vermittelte. Zum Abschluss bat Botschafter Timken darum, die seit der Fußball-Weltmeisterschaft herrschende positive Stimmung im Land beizubehalten und sich politisch mehr zu engagieren.

Nach einem gemeinsamen Gruppenbild und der Verabschiedung wurden die Besucher samt ihrer beeindruckenden Bodyguards zurück zu ihrer gepanzerten Limousine geleitet. Ein einmaliges Ereignis am Schlossgymnasium, das alle Beteiligten in helle Aufregung versetzt hatte, ging damit zu Ende.

Sicherlich wurde die Brisanz durch den Besuch George W. Bushs in Mecklenburg-Vorpommern kurze Zeit zuvor verstärkt. Bei aller momentan vorhandenen politischen Meinungsverschiedenheit mit dem "offiziellen" Amerika stellte die Begegnung mit dem sympathischen Botschafterpaar Timken ein für jeden positives Erlebnis dar.

Oliver Rothe und Katja Kirchner