Lokales

Ausreden zählen jetzt nicht mehr

"Der Worte sind genug gewechselt . . ." frei nach Goethe machen Kirchheims Vollzugsbeamte ab morgen ernst im Kampf gegen die viel beklagte Vermüllung der Innenstadt: Wer eine Kippe wegwirft, wird fortan zur Kasse gebeten.

IRENE STRIFLER

Anzeige

KIRCHHEIM Seit Juli verteilen Mitarbeiter des städtischen Vollzugsdienstes eifrig "gelbe Karten". "3000 Stück hatten wir drucken lassen, die sind jetzt fast weg", berichtet Johannes Ehni, Leiter des städtischen Ordnungsamtes. Die Erfahrungen der Beamten waren ausgesprochen gut. "Sie wurden zumeist freundlich aufgenommen", erzählt der Ordnungsamtschef. Das ist nicht weiter verwunderlich, fanden doch bisher nur aufklärende Gespräche statt.

Die Männer und Frauen in der grünen Uniform suchten einerseits den Kontakt zu Menschen, die sich an Stellen aufhalten, an denen es regelmäßig zu Verschmutzungen kommt. "Sie wurden dazu ermuntert, Courage zu zeigen", sagt Ehni. Ziel der Neuerung ist nämlich auch, jenen, die selbst die Vermüllung beklagen, den Rücken zu stärken und sie zu ermutigen, ihrerseits Müllsünder anzusprechen.

Natürlich gab es auch in den vergangenen Ferienwochen Zeitgenossen, die bei der unsachgemäßen Müllentsorgung in der Fußgängerzone auf frischer Tat ertappt und freundlich, aber bestimmt zum Gespräch gebeten wurden. Die gelben Karten erläuterten auf einer Seite das Problem der Stadtverschmutzung und listeten auf der anderen Seite konkrete Gebührenbeispiele auf, die künftig für einzelne Verstöße anfallen.

"Die Zeit der Bewusstseinsbildung ist jetzt vorbei", heißt es nun in einer aktuellen Pressemitteilung der Stadt Kirchheim. Die gelben Karten haben ausgedient, Ausreden zählen künftig nicht mehr: Jeder, für den der Gang zum nächsten Mülleimer immer noch nicht selbstverständlich ist, soll dies am eigenen Geldbeutel spüren.

Seitens der Stadt, in deren Polizeiverordnung die neue Regelung zur Verbesserung der Sauberkeit im Juni durch das Votum des Gemeinderats aufgenommen wurde, zeigt man sich zuversichtlich. Bürgermeister Günter Riemer begleitete den Vollzugsdienst beim abendlichen Rundgang und war sehr zufrieden: "Ich bin davon überzeugt, dass wir mit unserer Information, aber auch mit dem Bußgeldkatalog die Sauberkeit der Stadt wirksam verbessern können."

Den Grundsatz, dass den Worten auch Taten folgen sollten, hat sich auch der Gemeinderat zu Herzen genommen, der sich regelmäßig mit Klagen über Dreck in der Innenstadt auseinandersetzen musste. So ist der Bußgeldkatalog nur ein Bestandteil im Kampf gegen den Müll. Im Frühjahr wurde bekanntlich schon die erste Markungsputzete durchgeführt. Außerdem gibt es seit einigen Wochen zahlreiche Hundetoiletten im Innenstadtbereich, und die Mülleimerstandorte sollen im Zusammenhang mit der neuen Innenstadtbeleuchtung überprüft werden.

Aus dem BußgeldkatalogZigarettenkippe, Kaugummi

10 EuroZigarettenschachtel

20 EuroAusgeleerter Aschenbecher

30 EuroObst- und Lebensmittelreste

10 EuroVerpackungen

25 EuroDose/Flasche

25 EuroHundehaufen

25 EuroSonstige Müllsünden

10-50 Euro