Lokales

Austausch wieder mit Leben füllen

Das Nachlassen der Spannungen in Isreal will der Landkreis Esslingen nutzen, um Schülern wieder Besuche in der israelischen Stadt Givatayim sowie in der arabischen Stadt Rama im Norden des Landes zu ermöglichen.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN Wie Landrat Heinz Eininger im Kultur- und Schulausschuss ankündigte, sollen die Beziehungen zu den israelischen Partnern nicht länger in Form einer Einbahnstraße verlaufen. Vielmehr will der Kreis an den regen Austausch anknüpfen, wie er noch vor wenigen Jahren gang und gäbe war.

Dass der Landkreis Esslingen in Deutschland eine Vorreiterrolle in punkto partnerschaftlicher Beziehungen zu Israel einnimmt, beweist die Einladung zu einer internationalen Konferenz in Israel mit Entscheidungsträgern im Jugendaustausch vom 7. bis 13. März. Vertreter des Kreises waren der Erste Landesbeamte Matthias Berg sowie der Leiter des Schulverwaltungs- und Kulturamtes Peter Keck.

Die Kontakte des Landkreises zu der am Rande Tel Avivs gelegenen Stadt Givatayim reichen zurück bis ins Jahr 1966, als die erste Gruppe des Kreisjugendrings mit dem Ziel der Aussöhnung nach Israel reiste. Peter Keck ließ in einer kurzen Präsentation die Geschichte der Partnerschaft Revue passieren. 1970 gab es den ersten Jugendaustausch. 1983 wurde die offizielle Partnerschaft zwischen dem Landkreis und der israelischen Kommune besiegelt. Neun Jahre später fand der erste Schüleraustausch zwischen dem beruflich orientierten ORT-Technikum in Israel und der Nürtinger Philipp-Matthäus-Hahn-Schule statt. "Die Schulpartnerschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur Aussöhnung zwischen den Völkern", betonte Keck. Der direkte Kontakt der Menschen trage entscheidend zum Abbau von Vorurteilen bei. Das Land würdigte jetzt das Engagement der beiden "Motoren" der Schulpartnerschaft, den ehemaligen Nürtinger Rektor Volker Frey und den Lehrer Elmar Martin durch die Auszeichnung mit der Staufermedaille.

Auch in Berlin ist man auf die he-rausragende Stellung des Landkreises bei der Pflege partnerschaftlicher Beziehungen zu Israel aufmerksam geworden: Während des Besuchs des israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav am 31. Mai sind Schüler aus Givatayim, Rama und Nürtingen zum Gartenfest des Bundespräsidenten eingeladen. Unter dem Motto "60 Jahre Kriegsende, 40 Jahre diplomatische Beziehungen Israel Deutschland, Bedeutung für die Zukunft", diskutieren die Jugendlichen mit Politikern. Auch Kommunalpolitiker aus dem Landkreis sollen in die Debatte eingebunden werden.

Ein neuer Weg wird im Landkreis Esslingen seit dem Jahr 2000 beschritten. Damals wurde die Schulpartnerschaft um Kontakte zur "Agricultural & Technical High Scool" in der arabischen Stadt Rama im Norden Israels erweitert.

"Inzwischen gibt es keinen Austausch mehr ohne festes Projekt", sagte Peter Keck. Beispielhaft nannte er den Bau eines Pavillons im Jahr 2001 am ORT-Technikum, den eine Nürtinger Zimmerer-Klasse gemeinsam mit Schülern aus Israel errichtete. Ein ähnliches Vorhaben ist für November ins Auge gefasst, wenn nach vier Jahren zum ersten Mal wieder eine Schülergruppe nach Israel reist. Geplant ist, an der Schule in Rama ebenfalls einen Pavillon aufzubauen, der als eine Art Aula dienen soll.

Im kommenden Jahr soll der Schüleraustausch zwischen der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule und dem Ben-Zwi-College in Givatayim wiederbelebt werden. Und im Juli nächsten Jahres ist ein Pädagogikseminar an der Akademie für Lehrerfortbildung in Esslingen zum Thema "Einfluss religiöser, kultureller, politischer und sozialer Aspekte auf Bildung und Erziehung" vorgesehen. An der Veranstaltung sollen Verantwortliche aus Politik und Schulverwaltung sowie Lehrer der Schulen teilnehmen, die in den Austausch eingebunden sind.

Angedacht sind darüber hinaus der Auftritt einer Gruppe aus dem Landkreis Esslingen beim internationalen Musikfest in Givatayim im Sommer 2006, eine Ausstellung jüdischer und arabischer Künstler im Landratsamt Esslingen ebenfalls im kommenden Jahr sowie eine Ausstellung von Kunststipendiaten des Landkreises in Givatayim im Jahr 2007. Allerdings hängen die angedachten Projekte auch vom Erhalt von Zuschüssen ab.

Landrat Heinz Eininger räumte ein, dass die trilateralen Beziehungen auf Grund der israelischen Innenpolitik nicht immer ganz spannungsfrei sind. Besonders wertvoll sei jedoch, neben der israelisch/jüdischen Sicht auch die israelisch/arabische kennen zu lernen.

Vertreter verschiedener Fraktionen begrüßten die Pläne zur Reaktivierung des Austauschs.