Lokales

Ausufernde Diskussion statt minimalistischer Lösung

Ein leicht genervter Schultes zog nach einer ausufernden Diskussion über das Ortsleitsystem während der jüngsten Sitzung des Lenninger Gemeinderats die Notbremse. Er schlug vor, das Gremium möge doch die Debatte im Bauausschuss weiterführen.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN "Ich schlage vor, wir diskutieren das alles nochmals ausführlich im Bauauschuss, der dann allerdings endgültig das Ortsleitsystem beschließt. Auch wer kein Stimmrecht hat, kann anwesend sein", erklärte Bürgermeister Schlecht, nachdem ihm nach einer langen und teilweise kontrovers geführten Debatte der Geduldsfaden riss. Mit diesem Vorschlag brachte er offensichtlich die Räte wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Unterstützt wurde der Schultes in diesem Unterfangen von Georg Zwingmann, der den Antrag stellte, keine Wortmeldungen mehr zu diesem Thema zuzulassen. Zuvor schon hatte er seine Kollegen daran erinnert, dass das Gremium schon vor geraumer Zeit eine minimalistische Lösung beschlossen hatte.

Irgendwie scheint beim Lenninger Ortsleitsystem der Wurm drin zu sein. "Es geht um die endgültige Zustimmung. Es ist nicht alles so glatt gelaufen, wie wir uns das gedacht haben", stimmte Michael Schlecht den Gemeinderat auf diesen Tagesordnungspunkt ein. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte sich das Gremium schon einmal mit dem Konzept befasst. Des Weiteren hatte der Gemeinderat in Anbetracht der steigenden Stahlpreise in einer späteren Sitzung kurzfristig beschlossen, die Metallständer vorab zu kaufen. Seitdem lagern sie im Bauhof.

Nun liegt die Liste vor, wo die Stelen mit der entsprechenden Beschilderung stehen sollen. "Es geht um das Thema Leiten. Es ist nicht sinnvoll alles aufzulisten, sonst wird es unübersichtlich", machte der Schultes klar. Firmen hätten beispielweise die Möglichkeit, am Ortseingang entsprechende Hinweise zu platzieren.

Karl Boßler eröffnete den Reigen der Wortmeldungen. Prinzipiell findet er das Konzept gut, ist jedoch nicht mit dem Procedere einverstanden. Den Vorwurf, dass keine Kosten aufgeführt worden sind, konnte Michael Schlecht schnell mit dem Hinweis entkräften, dass die Pfosten schon gekauft sind. "Die nächste Frage ist, wie zäumen wir das Pferd auf. Ich halte es für besser, zuerst die Standorte vorzuschlagen, dies dem Gemeinderat mitzuteilen und dann mit den Grundstückseigentümern zu sprechen, wenn wir dafür Privatgrund benötigen", begründete er das Vorgehen der Verwaltung.

Nächster strittiger Punkt war die Verschönerung der Schilder. "Bei der letzten Diskussion, die ja noch vom alten Gemeinderat geführt wurde, ging es darum, ob wir das Logo verwenden oder das Wappen", sagte Kurt Hiller und erinnerte an den Wunsch von Heinz Lamparter. Auch dieses Thema war schnell vom Tisch: "Das ist nicht vorgesehen. Wir haben dies aus Kostengründen weggelassen", erklärte Uwe Straub vom Hochbauamt.

Dann allerdings begann die Diskussion über die Objekte und Institutionen, die im Konzept der Verwaltung nach Ansicht einzelner Gemeinderäte fehlten. Armin Diez hatte Verbesserungsvorschläge für Gutenberg, da zum einen der Friedhof nicht an der Kirche liegt und zum anderen der eine oder andere Ortsfremde den Fußweg nach Krebsstein sucht. Schopflochs Ortsvorsteher Gunter Berger wünschte sich für "seine" Halle einheitliche Begriffe entweder Mehrzweck- oder Gemeindehalle und regte an, die Feuerwehr mit ins Ortsleitsystem aufzunehmen. Ebenfalls zurecht monierte Falk Kazmaier, dass ein Hinweis auf die katholische Kirche fehlt, nachdem alle evangelischen berücksichtigt wurden. Der Hinweis auf die Neuapostolischen Kirchen ließ die Augenbrauen von Michael Schlecht zum ersten Mal leicht nach oben fahren und er gab zu bedenken, dass es auch noch die Liebenzeller Glaubensgemeinschaft in Lenningen gibt wo also die Grenze ziehen?

Den Ball von Andreas Herbster, der Hinweisschilder für die Ärzte vermisste, nahm Dieter Beuttel auf. Er suchte vergebens das Schild für die Apotheke. "Wer aus Kirchheim kommt und den Notdienst der Apotheke braucht, ist aufgeregt und findet sie nicht", argumentierte er. Dem widersprach Bürgermeister Schlecht: "In einem Touristenort gibt es solche Hinweise. Ich halte sie bei uns allerdings für entbehrlich, zumal die Apotheke direkt an der Hauptstraße liegt." Dies wollte Dieter Beuttel jedoch nicht so stehen lassen. "Ich lege Wert darauf, dass die Ärzte und die Apotheke aufgenommen werden, sonst landen womöglich einige in Schopfloch", so seine Befürchtung. Diese wiederholte Bemerkung rief Gerhard Bächtle auf den Plan. "In solch dringenden Fällen ruft man den Notarzt an. Ich bin der Ansicht, dass man das ganze Zeug nicht braucht", so seine Überzeugung.

Nun war es Michael Schlecht leid, weiter über Sinn und Unsinn der Beschilderung zu diskutieren. Er unterbreitete dem Gremium den Vorschlag, diese Aufgabe an den Bauausschuss zu delegieren. "Ich verstehe es zwar nicht, aber wir können gerne nochmals eine Runde drehen und die Schilder eben nicht in diesem Sommer aufstellen", gab er sich geschlagen. Dieses Vorgehen schien dann doch den einen oder anderen zu verwirren und ließ Georg Zwingmann den Antrag stellen, keine Wortmeldungen mehr zuzulassen. Dem stimmte das Gremium zu.

Dem Ansinnen von Michael Schlecht und Georg Zwingmann, der Diskussion endlich ein Ende zu bereiten, schloss sich Wolfgang Tröscher an. "Ich bin es leid, über jedes Schild einzeln zu sprechen. Wenn es so weitergeht, diskutieren wir über die Möglichkeit, ob auch die Kleintierzüchter oder andere Vereine ein Hinweisschild benötigen. Wir sollten endlich einen Knopf ranmachen", forderte er schließlich. Dies geschah dann auch recht zügig bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung wurde der Vorschlag der Verwaltung angenommen. "Sollten wir noch irgendetwas Gravierendes vergessen haben, können wir nachrüsten. Nicht zuletzt deshalb haben wir uns für diese Art des Ortsleitsystems ausgesprochen", zeigte sich der Schultes am Schluss wieder versöhnlich.