Lokales

Ausufernder Motorflugverkehr befürchtet

Im Zusammenhang mit dem Genehmigungsverfahren für einen Sonderlandeplatz Hahnweide hat sich eine Interessengemeinschaft von Bürgern gebildet, die die Umwandlung des Segelfluggeländes in einen Sonderlandeplatz vehement ablehnt. Die Gruppe befürchtet ausufernden Motorflugverkehr und einen sehr starken Lärmzuwachs "in einer ohnehin erheblich vorbelasteten Region".

KIRCHHEIM Dass die Befürchtungen der Gruppe nicht unbegründet sind, hat der Blick in die Antragsunterlagen gezeigt, die in Kirchheim seit einer Woche öffentlich zugänglich sind. In den Genehmigungsunterlagen ist keine Einschränkung des Nutzerkreises, keine Einschränkungen der Betriebszeiten, kein Verbot von Schulungsflug und Platzrunden an Sonn- und Feiertagen und keine Befreiung von der Betriebspflicht vorgesehen. "Wenn man in den Genehmigungsunterlagen keine Beschränkungen findet, muss man dann nicht von einer generellen Freigabe des Platzes für den Motorflugverkehr ausgehen?", fragt sich die Interessengemeinschaft. Außerdem wird in den Unterlagen aus dem Regionalplan der Region Stuttgart vom 22. Juli 1998 zitiert: "Die Sonderlandeplätze der Region und das Segelfluggelände Kirchheim unter Teck Hahnweide dienen neben dem Sportflugverkehr teilweise auch dem Werk-, Geschäfts- und Schulungsverkehr".

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An keiner Stelle in den Antragsunterlagen gibt es einen Hinweis darauf, dass der Werks- und Geschäftsflugverkehr auf der Hahnweide ausgeklammert sein wird. Hier erhebt sich für die Interessengemeinschaft die Frage, ob der Flugplatzbetreiber nicht langfristig doch das Ziel verfolgt, Werks- und Geschäftsflugverkehr nach Kirchheim zu holen, und sich dabei auf den schon in den Genehmigungsunterlagen zitierten Regionalplan berufen kann.

Des Weiteren widerspricht die Interessengemeinschaft der Auffassung des Regierungspräsidiums, dass es sich bei der Umwandlung in einen Sonderlandeplatz lediglich um eine Anpassung an die tatsächlichen Verhältnisse handelt. Segelfluggelände, die den Flugbetrieb nach Paragraf 25 des Luftverkehrsgesetzes (LuftVG) durchführen, sind im Sinne des Gesetzes keine Flugplätze. Der Antrag auf Genehmigung für einen Sonderlandeplatz nach Paragraf 6 des LuftVGs ist wie ein Neuantrag in Bezug auf den Motorflug zu behandeln. Es gelten alle Kriterien, die das Gesetz zur Genehmigung eines Flugplatzes vorsieht.

Da man sich erst seit der Offenlegung der Genehmigungsunterlagen mit dem Antrag detailliert auseinandersetzen kann, geht die Interessengemeinschaft davon aus, dass noch viele bedeutsame Details zutage kommen werden.

Für die Interessengemeinschaft steht außer Zweifel, dass die Genehmigung eines Sonderlandeplatzes für Motorflugverkehr auf der Hahnweide nicht im öffentlichen Interesse steht. "Die Allgemeinheit hat nichts von diesem Platz außer sehr viel Lärm. Alle Bürger in der Region werden sich sehr ins Zeug legen müssen, um die Stadt Kirchheim als Eigentümerin des Segelfluggeländes und das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde davon zu überzeugen, dass die Umwandlung abzulehnen ist. Nur wenn es zu keiner Umwandlung kommt, hat man die Gewähr, dass alles beim Alten bleibt", ist die Interessengemeinschaft überzeugt.

Die Genehmigungsunterlagen liegen derzeit in den Gemeinden Kirchheim, Dettingen, Reudern, Owen, Frickenhausen und Nürtingen zur Ansicht aus und die Bürger können Einwendungen gegen das Vorhaben erheben. Die Kirchheimer Ortsgruppe des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) bietet allen interessierten und betroffenen Bürgern das BUND-Umweltzentrum in der Kirchheimer Max-Eyth-Straße als Informations- und Kontaktbörse an, Telefon 0 70 21/4 94 80.

pm