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Auswanderung indie Heimat der Väter Vor ...

Auswanderung indie Heimat der Väter

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Vor 60 Jahren, als hier der Krieg zu Ende war, brachte das damalige kommunistische Tito-Regime unsägliches Leid für uns Donauschwaben, die in der Heimat, der Wojwodina/Jugoslawien, geblieben waren. Dies waren etwa 30 Prozent der 550 000 im ehemaligen Jugoslawien lebenden Deutschen. Alle anderen waren geflüchtet.

In meinem Geburtsort Rudolfsgnad / Banat klopfte am Abend des 15. April 1945 ein Serbe, ein so genannter Partisane, an unsere Haustür und befahl uns (meiner Großmutter, meiner Mutter, meinem Bruder und mir), wir sollen uns zur Mitnahme bereit machen: für 15 Tage Verpflegung und Kleidung packen, die Haustür offen lassen und dann auf die Gasse gehen.

Dort wartete bereits eine Gruppe Nachbarn, von Partisanen bewacht. Bis gegen Mitternacht waren auf diese Weise die daheim gebliebenen 806 Personen (von ehemals 3 135) aus ihren Häusern geholt und die Frauen und Kinder in das Schulgebäude und die alten Männer und Knaben ab 14 Jahren in den Kindergarten gebracht worden. Damit begann für uns die Lagerzeit im größten Vernichtungslager Jugoslawiens. Im Sommer des Jahres 1945 wurden dann aus ganz Jugoslawien etwa 24 000 arbeitsunfähige Frauen, Männer und Kinder nach Rudolfsgnad getrieben und in die rund 800 Häuser unseres Dorfes die zuvor komplett ausgeräumt worden waren aufgeteilt.

In jedes Haus mit meist zwei Zimmern und einer Küche wurden etwa 30 Personen hineingepfercht. Bis zur Auflösung des Lagers im März 1948 kamen in Rudolfsgnad etwa 12 000 Donauschwaben durch Gewalt, Hunger, Krankheit und Kälte ums Leben und liegen dort in zwei Massengräbern. So, wie die Menschen verendeten, wurden aus anderen jugoslawischen Lagern Menschen "nachgeliefert", sodass über 30 000 Donauschwaben das "Civilni Logor Kuicanin" (der amtliche Name) durchlitten.

Nach dessen Auflösung wurden sie in die Zwangsverpflichtung auf ganz Jugoslawien verteilt. Ab 1953 begann die Auswanderung in die Heimat der Väter nach Deutschland.

Lorenz Baron

Erster Vorsitzender des Vereins

Gedenkstätten Rudolfsgnad

Jesingen, Alte Weilheimer Straße

Ethik bereits ab Klasse 1

Mit seiner Forderung, für konfessionslose Schülerinnen und Schüler bereits von Klasse 1 an Ethik-Unterricht einzuführen, greift Winfried Kretschmann, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, ein Problem auf, das den Grund- und Hauptschulen enorm auf den Nägeln brennt. Obwohl die Zahl der konfessionslosen Schüler immer größer wird, erhalten die Schulen für diese Schüler, die sie parallel zum Religionsunterricht "versorgen" müssen, keine Lehrerstundenzuweisung. Die "verlässliche Grundschule" und die begrenzte Zahl der Randstunden machen es oft nicht möglich, die konfessionslosen Schüler einfach heim zu schicken. Deshalb setzen viele Schulen für die "Versorgung" dieser Schülergruppe die sehr knappen Förderunterrichtsstunden aus dem "Ergänzungsbereich" ein, die eigentlich aber für die gezielte Förderung von Schülerinnen und Schülern verwendet werden sollten.

Dass eine spezielle, an ein Fach gebundene Werteerziehung bereits ab Klasse 1 sinnvoll und notwendig ist, dürfte für alle, die Schüler täglich erleben, unbestritten sein. Die Argumentation der Kultusministerin, Werteerziehung sei zentrale Aufgabe aller Fächer, ist zwar richtig, aber auch praxisfern. In vielen Sachfächern steht die Entwicklung fachlicher und methodischer Kompetenz im Vordergrund. Den Freiraum für die intensive Beschäftigung mit personalen und sozialen Fragen aus dem eigenen Erfahrungsbereich, für das Hinterfragen und Philosophieren, für Werte-, Sinn- und Lebensfragen bieten am ehesten die Fächer Deutsch, Religion und Ethik. Dass dieser zusätzliche Unterricht Geld kostet, ist klar. Der Schülerzahlenrückgang im nächsten Jahrzehnt wird Lehrerstunden frei machen, die unter anderem dafür einsetzbar wären.

Hans Dörr

Kreisvorsitzender der Gewerk-

schaft Erziehung und

Wissenschaft Esslingen-Nürtingen

Notzingen, Müllerweg

Zu viel der Euphorie

Zum Artikel "Ein Kleinod geht in die Offensive", im Teckboten vom 29. April:

Warum soll ein Tourist aus Deutschland, Europa oder Übersee gerade Kirchheim als Reiseziel wählen? Kirchheim ist keine Kurstadt, auch kein Wallfahrtsort, wir haben weder eine atemberaubende Barockkirche noch den höchsten Kirchturm der Welt. Hier gibt es keine Thermalquellen, kein Musik-, Theater oder Filmfestival, auch sucht man ein bedeutendes Kunstmuseum oder das Geburtshaus einer weltberühmten Persönlichkeit vergeblich. Es gibt zwar ein Schloss, aber wie könnte dieses mit den Schlössern zum Beispiel in Ludwigsburg oder Sigmaringen konkurrieren? Wählt der Tourist die Schwäbische Alb als sein Ziel, dann möchte er oben auf der Alb oder doch zumindest ganz nahe dran seine Zeit verbringen; dann zieht es ihn ins Tal der Großen Lauter, nach Blaubeuren oder Bad Urach. Aber zieht es ihn nach Kirchheim?

Bleibt das so oft erwähnte touristische Potenzial "Kirchheimer Innenstadt". Dieses ist allerdings bei nüchterner Betrachtung vielleicht doch nicht so bedeutend wie von uns Kirchheimern selbst vermutet und erhofft. Auch andere Städte der Gegend haben schöne, schönere historische Zentren mit bewegter Geschichte. Außerdem fallen in Kirchheim dem aufmerksamen Besucher schnell einige weniger positive Aspekte ins Auge: bröckelnder Putz, fehlende Anstriche, hässliche Abfallbehälter, defekte Lampen auf schiefen Masten, Müll in den Straßenecken und in den Grünanlagen nicht gerade das, was man von einem touristischen Kleinod erwartet.

Kirchheim ist ohne Frage eine sympathische Stadt, hat aber deshalb noch lange nicht das Potenzial eines touristischen Anziehungspunkts. Es wundert deshalb ein wenig, dass in Zeiten der leeren Haushaltskassen über eine relativ hohe Ausgabe für Tourismuswerbung nachgedacht wird. Wäre es nicht ratsamer, das Geld lieber in die optische Verschönerung der Innenstadt zu investieren? Wenn dann dadurch mehr Touristen kämen, umso besser. Wenn nicht, dann verblieben immer noch die Kirchheimer Bürger, die sich über den positiven Wandel freuen würden. Dr. Heinz-Dieter Herrmann Kirchheim, Metzgerstraße

Warten auf (A) DSL?

Zum Artikel "Ein schwerfälliger rosa Elefant" im Teckboten vom 8. April:

Als Schopflocher bin ich nicht erfreut über die ungerechte Verteilung von (A)DSL im Lenninger Tal. Die Vorteile und Möglichkeiten von (A)DSL sind bekannt.

Seit 2001 versuche ich, einen (A) DSL-Anschluss zu bekommen. Damals hieß es "Kein Problem. T-DSL ist an Ihrem Anschluss verfügbar." Nach einen Monat stellte sich das als Fehlinformation heraus. Auf der Suche nach einer Alternative habe ich schon unzählige E-Mails geschrieben, aber leider ist kein Anbieter bereit, wegen nur einer Person eine solche Investition zu machen.

Daher habe ich eine Internetseite erstellt www.adsl4schopfloch.de.vu um die Anzahl der Interessenten festzustellen, Ideen und Meinungen auszutauschen. Wenn sich genügend Interessenten finden, kann man an verschiedene Anbieter herantreten, um das Problem des schnellen Internetzugangs zu lösen. Auch unzählige Anrufe bei der Gesellschaft führten zu nichts außer zu der Aussage, "wenn Sie genügend Leute finden, die auch (A)DSL wollen, dann kann die Gesellschaft etwas unternehmen." Ein Ausbauplan für Schopfloch wäre nicht bekannt. Die Lösung von der Gesellschaft, DSL via SAT ist für mich keine Alternative, denn man zahlt doppelt. Erstens für den (SAT) DSL Anschluss. Zweitens für den Rückkanal der nötig ist (per Modem / ISDN) während der Internetverbindung. In manchen Baugebieten ist auch das Anbringen einer SAT-Anlage auf dem Dach nicht gestattet. Auch für die ansässigen Firmen wäre eine Internetverbindung zum Festpreis sicher auch interessant, denn Aufträge per Internet gehören heute zum Alltag. Schopflocher mit Kabelanschluss schauen aber auch in die Röhre, weil "Internet via Kabel" auch nicht möglich ist. Somit bezahlt man für schlechtere Leistung mehr Geld. Eine Flatrate gibt es nicht. Die meisten Anbieter setzen auf den Anschluss der "Rosa Gesellschaft" auf, sodass die Auswahl nicht sehr groß ist. Auch der "Blaue Riese" zeigt kein Interesse an Schopfloch, obwohl er in Owen einen Grund für Interesse gefunden hat. Eine Lösung per Funk oder über das Stromnetz ist auch nicht zu bekommen.

Dennis Schneck

Schopfloch, Knaupenweg

Lohndumping zurProfitmaximierung

Zum Artikel "Mindestlöhne als Gefahr für den Standort", im Teckboten vom 30. April:

Hans-Werner Sinn hat die Hosen runtergelassen. Im Klartext sagt er: Wir sind doof, wenn wir die Polen nicht für den Lohn arbeiten lassen, den sie gerade noch akzeptieren. Dass auch ein Pole mit Dumpinglöhnen in Deutschland genausowenig wie ein Deutscher seine Familie ernähren kann, nehmen er und seine Gesinnungsgenossen wohl milde lächelnd in Kauf. Die logische Folge für Lohndumpingarbeiter ist ein Leben in Baracken, Containern und Pensionen und ein Besuch bei der Familie alle drei Monate, mit all den sozialen Folgen für den Arbeiter und seine Familie wie zu besten Gastarbeiterzeiten, nur dass es damals um fehlende Arbeitskräfte ging und nicht um Profitmaximierung.

Überhaupt nicht nachvollziehen kann ich die Behauptung von Herrn Sinn, dass dem Nachteil von Lohndumping ein gleich großer Vorteil der Kunden und Arbeitgeber gegenüber stehen würde. Erstens wird dies nicht begründet, ist also schwer zu verstehen, und zweitens belegt Herr Sinn im letzten Absatz seines Beitrags durch seine Zahlenbeispiele selber, dass ein Unternehmer einen vermehrten Gewinn bei stagnierender Binnennachfrage nicht in die Produktion, sondern in den risikoärmeren Kapitalmarkt investieren wird.

Bei verstärktem Lohndumping werden immer mehr Arbeitslose und langfristig ALG-II-Empfänger entstehen und damit die Sozialkassen belasten. Die Lebenshaltungskosten für diese Menschen sind im Standort Deutschland aber zu hoch beziehungsweise nicht mehr finanzierbar. Es würde mich nicht wundern, wenn Herr Sinn und sein ifo-Institut bereits darüber nachdenken, wie man diese Klientel einigermaßen sozialverträglich zum Beispiel mit bezahlten Sprachkursen nach Osteuropa auslagern könnte. Gert Vester Weilheim, Forststraße

Lenken und denken

Zum Artikel "Aquaplaning-Hinweis oder Tempolimit bei Nässe", im Teckboten vom 30. April:

"Aquaplaning-Hinweis oder Tempolimit bei Nässe", so war der Artikel überschrieben, und so wurde auch hin und her abgewogen, wie man wohl am besten den schwierigen Straßenverhältnissen auf der A 8 beikommen kann, die wiederum Menschenleben gekostet und die Verursacher für den Rest ihres Lebens schwer belasten wird.

Leider erst gegen Schluss des Artikels kam die Katze aus dem Sack: "Den Autofahrer kann man nicht aus der Verantwortung entlassen." Immer noch und immer mehr bewegen sich Erwachsene im Straßenverkehr, als ob die anderen zu denken, sie selbst aber nur zu lenken hätten. Nicht der nasse Untergrund oder uneindeutige Schilder dürfen herhalten als Schuldige, wenn meist Männer mit dem Zünden des Fahrzeugs in ihrem Oberstübchen das Licht ausgehen lassen. Wer nicht gewillt ist, sich den Erfordernissen der Witterungs- und Straßenverhältnisse anzupassen, wird auch nicht lesen, was bereits jetzt deutlich angezeigt wird. Wer mit dem Schließen der Autotür das vorausschauende Denken abschaltet, gehört stillgelegt.

Thomas Adam

Neidlingen, Kirchstraße

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