Lokales

Ausweg Osteuropa?

Wenn der Kostendruck zu hoch wird, scheint für viele Firmen die Verlagerung der Produktion nach Osteuropa der einzige Ausweg.

KREIS ESSLINGEN Dem Druck, den die Unternehmen dabei ausgesetzt sind, beschreibt Jürgen Hahn, Geschäftsführer der Reinert Kunststofftechnik GmbH & Co. KG aus Bissingen. "Das ist ein riesiges Spannungsfeld", sagte er. Viele Unternehmen seien zum Handeln gezwungen, denn die Kunden forderten unter anderen, Kosten durch Zulieferungen aus dem Ausland gering zu halten. Das Unternehmen produziert seit dem Jahr 2000 mit elf Mitarbeitern in Budapest. Für die 80 Beschäftigten in Bissingen sei das nie ein Problem gewesen. Trotz des Engagements im Ausland seien am Stammsitz in den vergangenen fünf Jahren mindestens 25 neue Arbeitsplätze geschaffen worden.

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Vor allem lohnintensive Teile werden nach Ansicht von Lorenz Hagelmayer zuerst in kostengünstige Länder ausgelagert. Der selbstständige Unternehmer aus Wendlingen ist seit Mitte der 90er-Jahre in Rumänien engagiert und unterstützt deutsche Unternehmen bei der Suche nach Partnern in diesem Land. Nicht zu unterschätzende Kosten sind seiner Meinung nach die logistischen. Der Transport von Osteuropa zu den meistens in Deutschland und Westeuropa beheimateten Kunden müsse sich rechnen und gut geplant sein. Ein 24-Tonner koste zwischen 2000 und 2500 Euro. Damit die Kosten gering bleiben, müsse die Auslastung der Fahrzeuge gut unter mehreren Firmen abgestimmt werden.

Auslandsinvestitionen müssen sich aber nicht nur rechnen, sondern auch Teil des Unternehmenskonzeptes sein, meint Uwe Alt, Direktor der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Wenn das Produkt nicht marktfähig sei, Controlling oder Management versagten, dann könne auch die Produktion im Ausland nicht helfen. "Es ist fatal, sie nur als rettenden Strohhalm zu sehen", so Alt. Die Sparkasse spürt den Trend besonders deutlich: Etwa 40 bis 50 Prozent der Firmen, die nach Osteuropa auslagern, sind nach Alts Schätzungen Sparkassen-Kunden. Es müssten die Anstrengungen verstärkt werden, dass die Arbeitsplätze in der Region bleiben.

Die IHK und Wirtschaftsjunioren Esslingen-Nürtingen organisieren vom 16. bis 18. März eine Unternehmerreise für interessierte Firmen der Region nach Ungarn und Rumänien. Ziel ist es, den Unternehmen durch Eindrücke vor Ort Entscheidungshilfen zu geben.

Diese Reise wird vorgestellt bei einer Podiumsdiskussion am 2. Februar, 19 Uhr in der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Um Gedankenspielen, Vorbereitungen und Planungen für den Einstieg "Standort Osteuropa" weiteren Vortrieb zu leisten, werden im Kreis von Unternehmen, Experten und Interessierten die Inhalte und Aspekte für eine Entscheidungsfindung und deren Umsetzung vorgestellt und besprochen.

Anmeldung und weitere Informationen für Interessierte: Bert Gutbrod, IHK Esslingen-Nürtingen, Telefon 07 11/3 90 07 40; E-Mail bert.gutbrod.es@stuttgart.ihk.de

pm