Lokales

Bald Maximalversorgung bei Herzinfarkt

Von außen weist nur ein blauer Container darauf hin, dass sich im Kirchheimer Krankenhaus Großes tut: Handwerker stellen die Räumlichkeiten für den Linksherzkathetermessplatz fertig. Das medizinische Großgerät wird im Februar geliefert. Ab März können dort Herzinfarktpatienten akut behandelt werden.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Privatdozent Dr. Martin Beyer, seit Juli Chefarzt im Kirchheimer Krankenhaus, steckt längst mitten in der Planung. "Das Funktionsteam steht schon" verweist er darauf, dass das Personal geschult ist. Sobald das Gerät in Betrieb geht, profitieren Patienten mit akutem Infarkt. Ohne Zeitverlust kann die Katheteruntersuchung erfolgen, bei Bedarf auch eine Gefäßaufdehnung. "Rasches Vorgehen ist im Ernstfall wichtig", betont der Chefarzt. Deshalb muss die Logistik stimmen. Dazu gehört auch der Aufbau einer Rufbereitschaft rund um die Uhr.

"Wir setzen nun den nächsten Schritt der vom Kreistag beschlossenen Krankenhaus-Strukturreform um", kommentiert Krankenhausdirektor Siegfried Schmid zufrieden die Bauarbeiten. Kirchheim erhält bekanntlich unter anderem den Schwerpunkt Kardiologie, neben der Behandlung von Schlaganfällen und Alterskrankheiten. Natürlich bleibt dabei die internistische Basisversorgung bestehen. Personell wurden die Weichen langfristig gestellt: Mit Dr. Beyer hielt ein renommierter Kardiologe als Chefarzt Einzug ins Kirchheimer Krankenhaus. Sein Team verstärken auf kardiologischer Seite ein Oberarzt, eine Assistenzärztin und demnächst ein weiterer Oberarzt.

Sie alle werden ab Frühjahr in den neuen Räumlichkeiten wirken, die Gerd Sommer von der Hoppe Sommer Planungs GmbH in Stuttgart erarbeitet hat. Der Architekt, der dem Haus seit langen Jahren verbunden ist, hat größten Wert auf Funktionalität gelegt im Bereich des über 200 Quadratmeter großen An- beziehungsweise Umbaus, der OP-Standard hat. Dort ist Platz für ein ganzes Raumensemble vom Messraum über den Nachruheraum, Entsorgungs- und Computerräume und vieles mehr. Sie alle sind unter dem Begriff "Linksherzkathetermessplatz" zusammengefasst.

Variable Trockenbauwände und Kassettendecken, die sich öffnen lassen, bergen Umbaumoptionen und ermöglichen schnelles Fortschreiten der Bauarbeiten. Die Belastung des laufenden Betriebs hält sich durch den Außenzugang in Grenzen. Allerdings rechnet der Architekt mit Zwangsarbeitspausen bei den anstehenden Deckenarbeiten, denn der OP-Plan im Stockwerk darüber diktiert den Bauzeitenplan.

Die Anschlüsse sind bereits voll auf das bestellte Gerät abgestimmt. Mit etwa 500 000 Euro schlagen die Umbaukosten zu Buche, 870 000 Euro kostet das Großgerät. Neben der Akutversorgung wird es auch für geplante Untersuchungen eingesetzt. "Wichtig ist, dass wir fortan bis hin zur Maximalversorgung in Kirchheim alles bieten können", fasst Siegfried Schmid die Strategie für den Kardiologie-Standort Kirchheim zusammen. Auch Patienten aus dem Nürtinger Raum werden ab März direkt nach Kirchheim gebracht, sofern beim Notfalltransport der Verdacht auf einen Herzinfarkt besteht. So sollen zeitliche Verzögerungen vermieden werden. Bei einem errechneten Einzugsbereich von 200 000 Menschen fürs Klinikum Kirchheim-Nürtingen gilt die Zahl von über 1300 Katheteruntersuchungen jährlich, davon über 500 akute Interventionen, unter den Planern als realistisch.