Lokales

Bald schon werden Gleitschirmflieger über der Burg kreisen

Zwar ist der Breitenstein für die Gleitschirmflieger im Landkreis Esslingen weiterhin passe, dennoch sind sie zufrieden: Sie können sich ab dem Sommer vom Startplatz "Neuffen Nord" in die Lüfte schwingen mit ausdrücklicher Genehmigung des Landratsamtes Esslingen.

RICHARD UMSTADT

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NEUFFEN/BISSINGEN Die jahrelangen Diskussionen und Verhandlungen sind zu Ende. Gleitschirm- und Drachenflieger sowie der amtliche Naturschutz des Landratsamtes sind im Laufe der Zeit zusammengerückt. Das Ergebnis ist ein Kompromiss, mit dem beide Seiten leben können: Der alte, neue Startplatz Neuffen Nord, etwa 500 Meter entfernt vom Parkplatz der Burg Hohenneuffen.

Grünes Licht dazu gab das Landratsamt bereits vor ein paar Wochen, auch die Forstbehörde unterzeichnete einen Überlassungsvertrag für das Gelände und die Befreiung von der Schonwaldverordnung. Jetzt steht nur noch die Unterschrift von Björn Klaasen, dem Vorsitzenden des Deutschen Hängegleiterverbandes DHV, aus, dann ist die Zulassung des Startplatzes Neuffen Nord perfekt. "Reine Formsache", so Klaasen.

Träger des Startareals "Neuffen Nord" wird eine eigens dafür gebildete Haltergemeinschaft zwischen dem Turnverein Bissingen, dem Drachenfliegerclub Hohenneuffen sowie dem Delta- und Gleitschirmclub Weilheim sein. In "Neuffen Nord" in die Luft gehen soll vorerst für alle "Vogelmenschen" in der Region möglich sein.

Mit einem Ansturm rechnet Peter Ziegler, Gleitschirmflieger im TV Bissingen. Zum einen gibt es im Großraum Stuttgart zahlreiche begeisterte Gleitschirm- und Drachenpiloten. Zum anderen wird auch mit Gleitschirmfliegern aus dem Raum Reutlingen gerechnet, da es an der dortigen Albkante keine ausgewiesenen Startplätze gibt. Sollte es je Konflikte am Start "Neuffen Nord" geben, müsste die Haltergemeinschaft handeln.

Doch vorerst herrscht noch Ruhe am Hohenneuffen, denn wegen der Brutzeit sind momentan keine Aktivitäten möglich. Voraussichtlich im Juli werden sich die Flieger aus Weilheim, Bissingen und Neuffen mit der Forstbehörde treffen, um zu beratschlagen, welche Gehölze auf dem Startgelände abgeholzt werden dürfen und wer zu Motorsäge und Axt greifen wird, denn das Fluggelände muss verkehrssicher sein, soll es vom DHV zugelassen werden. Peter Ziegler ist jedoch zuversichtlich und rechnet damit, dass die "Vogelmenschen" es noch in diesem Jahr den Bussards und Falken am Hohenneuffen gleichtun können.

"Wenn alles in trockenen Tüchern ist", verspricht Ziegler, "wird der TV Bissingen seinen Antrag, den Breitenstein als Startplatz auszuweisen, zurückziehen". Dieser Antrag hatte streckenweise für erhebliche Turbulenzen gesorgt. Gab der Bissinger Gemeinderat unter bestimmten Voraussetzungen grünes Licht für das Gelände in exponierter Lage, so wurde dies vom Landratsamt Esslingen kathegorisch abgelehnt "aus Naturschutzgründen", wie es hieß. "Jetzt wird am Breitenstein Ruhe einkehren", hofft zumindest Bissingens Bürgermeister Wolfgang Kümmerle. Doch gegen illegale Gleitschirmflieger sind weder der Schultes noch die Naturschutzbehörde gefeit. Die "Legalen" aber werden sich künftig am Hohenneuffen treffen, denn wo vormals nur Drachenflieger über die Felskante springen durften, können jetzt auch Paraglider ihre Schirme auslegen.