Lokales

Bankrott, Betrug und falsche Bilanzen

BERND WINCKLER

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KÖNGEN Die Richter der 13. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts gingen recht gnädig mit der jetzt 57-jährigen Frau um, die nach dem Untergang der Seniorenresidenz "Römerkastell" nach ihren eigenen Worten "in die Schweiz geflüchtet ist" und jetzt noch dort mit ihrem Lebensgefährten lebt. Weil sie die Wirtschaftsvergehen in dem nur einen Tag dauernden Prozess voll und ganz und uneingeschränkt zugab, muss sie die verhängte zweijährige Haftstrafe nicht verbüßen.

Bis Oktober letzten Jahres hatte die Frau die beiden Heim-Pflege-Einrichtungen in Köngen und Denkendorf als Leiterin betrieben. Ihr jetziger Lebensgefährte, ein 62-jähriger Immobilienhändler aus Köngen, war Besitzer der Gebäude, die früher als Sozial-Hotel betrieben wurden. Er hatte ihr die Leitung im Oktober 1990 übergeben. Später wurde das "Römerkastell" zum Alten- und Pflegeheim umgebaut.

Allerdings waren nach den Feststellungen der Stuttgarter Wirtschaftsrichter die finanziellen Erlöse schon von Anfang an recht dürftig. Schon im frühen Stadium wurden Arbeitnehmer-Abgaben an die Sozialkassen nicht mehr vollständig bezahlt, Löhne und Gehälter an das Pflegepersonal nur schleppend, zuletzt gar nicht mehr. Der Schuldenstand hatte sich bis zur Zwangs-Insolvenz Ende letzten Jahres auf über 400 000 Euro erhöht. Zahlungen an Lieferanten wurden eingestellt, das Heim war zahlungsunfähig, wie es im juristischen Deutsch heißt. Die Bilanzen wurden viel zu spät und mit teilweise falschen Inhalten erstellt.

Statt nun die endgültige Insolvenz beim Nürtinger Amtsgericht anzumelden, hatte die Angeklagte nach ihren Worten immer noch gehofft, dass die Belegung der beiden Heime durch die Kassen sich wieder bessern und damit wieder mehr Einkünfte fließen. Stattdessen aber verhängte die Heimaufsicht des Esslinger Landsratsamts schon im Jahre 2001 einen Belegungs-Stopp. Im Oktober letzten Jahres wurde dann die Insolvenz von Amtswegen eingeleitet, aber mangels Masse abgelehnt. Die Leiterin erhielt Hausverbot.

Von den insgesamt 25 Einzelvergehen, angefangen von Bankrott, Untreue, Verstoß gegen das Heimgesetz und Betrug ließen die Stuttgarter Richter einen großen Teil unter den Tisch fallen, so auch den Vorwurf, sie habe auch Taschengelder der Heiminsassen zumindest gefährdet, weil diese auf dem Heimkonto landeten. Für den Rest setzte es die zweijährige Bewährungsstrafe, verbunden mit der Auflage, 400 gemeinnützige Arbeitsstunden in einem ähnlichen Heim abzuleisten. Da die Frau in der Schweiz, nicht weit von Konstanz wohnt, darf sie diese Arbeitsstunden in Konstanz innerhalb der nächsten vier Jahre ableisten.

Die beiden Römerkastell-Heime sollen jetzt verkauft und zu einem neu strukturierten Pflegeheim umgebaut werden. Mit dem Verkaufserlös sollen die Rest-Schäden ausgeglichen werden.