Lokales

Bastion braucht neue Bühne und Boxen

Von einem "Quantensprung" in der Geschichte des Clubs Bastion sprechen seine Mitglieder, wenn sie sich an den Einbau der Besuchertoiletten vor drei Jahren erinnern. Notausgänge folgten im Sommer, um Fluchtwege aus dem verwinkelten Gemäuer zu bieten. Dies wiederum macht nun den Austausch von Bühne und Tonanlage erforderlich. Der Club setzt jetzt auf die Solidarität des Publikums.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Das Wesentliche wurde erhalten, trotzdem genügt nun alles modernsten Ansprüchen", kommentiert Andreas Kenner die Umbaumaßnahmen. Er ist Mitglied im dreiköpfigen Vorstandsgremium, das jedes Jahr neu gewählt wird. "Das Wesentliche", das ist zweifellos die charakteristische Stimmung im legendären Kellerclub, die maßgeblich durch die gemütliche Enge in der alten Befestigungsanlage aus der Zeit um 1500 bedingt ist. Gab es ursprünglich fünf dieser Bastionen, so ist heute nur noch die des "politisch-literarisch-kulturellen" Clubs erhalten. Nicht nur im Blick auf ihre Historie, sondern auf Grund ihres anspruchsvollen Programms ist die Einrichtung längst nicht mehr wegzudenken aus Kirchheims Szene.

Mit rund 60 Veranstaltungen ohne Sommerpause, dazu seit einigen Jahren Aktivitäten auf dem Dach sowie auf dem Rollschuhplatz zeigt sich das Jahresprogramm ganz schön üppig. Nicht selten sind die 140 Sitzplätze im engen Keller rappelvoll. Grund genug, auch den dritten Notausgang schleunigst voll nutzbar zu machen.

Durch die Einrichtung des Fluchtwegs ging allerdings eine wertvolle Nische verloren, in der nicht nur das Klavier stand, sondern auch die jeweiligen Bands ihre Requisiten ablegen konnten. Das soll künftig unter einer selbst gebauten Bühne mit Schubläden möglich sein. Für ihren Einbau wollen die engagierten Mitglieder an einem der nächsten Wochenenden selbst Hand anlegen. Damit verbunden ist der Einbau einer neuen Soundanlage. Schließlich soll der "gewohnt gute Bastionssound" erhalten bleiben, wie es auf einem Flugblatt heißt, mit der der Club bei Besuchern und Freunden um Unterstützung wirbt. Etwa 4000 Euro sind erforderlich. Abstriche im Programm oder der Verzicht auf legendäre Bands und zugkräftige Künstler kommen nicht in Frage, darin sind sich nicht nur regelmäßige Bastiongäste einig. Das gute Programm hat nunmal seinen Preis, und die Bastion finanziert sich aus Eintrittsgeldern, einem städtischen Zuschuss und Mitgliedsbeiträgen.

Gerade das letztgenannte Standbein ist mittlerweile ein ziemlich stabiles geworden: Rund 400 Mitglieder so viel wie nie zuvor zählt der Club derzeit. Andreas Kenner, der selbst seit über 30 Jahren dabei ist, kann sich an Zeiten erinnern zu Beginn der 90er-Jahre, als gerade mal ein Dutzend Menschen dem Verein einem Kind der 68er-Zeit die Treue hielt. Heute drücken sich jede Menge gestandener Gäste die Bastionsmauern entlang: Der Altersschwerpunkt des Publikums liegt nicht selten deutlich bei über 40.

Engagiert machen sich Initiatoren und Publikum bei Bedarf für politische Belange in Kirchheim stark. Doch der Blick reicht auch über die Teckstadt hinaus. So veranstaltet der Club gemeinsam mit der Martinskirchengemeinde und dem Gitarristen und Komponisten Werner Dannemann am Sonntag, 16. Januar, um 17 Uhr ein großes Benefizkonzert in der Martinskirche unter dem Motto "Kirchheimer Solidarität mit den Flutopfern". Mit von der Partie sind Alexander Köberlein, The Blue Valentines, Die 2wei, Boris Attila Kunz, Werner Dannemann, Paul Lawall, Uschi Wiese und andere mehr, die allesamt auf ihre Gage verzichten. Vertreter der Tamilischen Gemeinde in Kirchheim kommen zu Wort. Der Erlös der Veranstaltung wird an die Diakonie Katastrophenhilfe gespendet, Karten gibt es im Vorverkauf bei Juwelier Schairer am Rathaus und der Buchhandlung Schöllkopf beim Krautmarkt.

InfoWer den Club beim Einbau der neuen Soundanlage untersützen will, kann unter dem Kennwort Notausgang an das Konto Nummer 48399120 des Clubs Bastion bei der Kreissparkasse Esslingen, BLZ 61150020, spenden.