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"Batterie auf Hochspannung"

Die Würfel sind gefallen: Günther Oettinger soll nach dem Willen der CDU-Basis Erwin Teufel im Amt des Ministerpräsidenten ablösen. In und um Kirchheim herrscht große Zufriedenheit mit dem Ergebnis der Mitgliederbefragung. Als Novum im Ländle mit Skepsis betrachtet, gilt sie nun als zukunftsträchtiges politisches Instrument.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Rund 80 000 Mitglieder waren aufgerufen, die wichtigste Personalentscheidung auf Landesebene in naher Zukunft selbst mitzugestalten. Mit 60,6 Prozent der abgegebenen über 55 000 Stimmzettel hat der vermeintliche "Prinz Charles der Landespolitik" das Rennen für sich entschieden und seine Spötter alt aussehen lassen. Groß war deren Zahl in Kirchheim und Umgebung ohnehin nicht, die Sympathien waren ungleich verteilt: Überwiegend sahen die CDU-Vertreter in unverbindlichen Prognosen den 51-jährigen Fraktionschef vor der 49-jährigen Schulministerin.

Entsprechend überschwänglich ist die Begeisterung auf Seiten der Fans: "Im Ludwigsburger Sudhaus hat's gebrodelt", sagt einer, der dort im Kreise Gleichgesinnter Günther Oettingers Wahlsieg gefeiert hat: Karl Zimmermann, CDU-Landtagsabgeordneter aus Kirchheim, macht keinen Hehl aus seiner Freude darüber, dass sein Favorit demnächst den Landesthron besteigen kann. "Er hat die Intelligenz und den Genius, das Staatsmännische und die Bürgernähe kommen schon noch dazu", zeigt er sich zuversichtlich und freut sich auf die politische Arbeit: "Meine Batterie ist jetzt auf Hochspannung!" Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber dem Mittel der Mitgliederbefragung schreibt Zimmermann diesem Instrument angesichts der Wahlbeteiligung wachsende Bedeutung für die Zukunft zu und nennt unumwunden das Stichwort Kanzlerkandidatur.

Auch sein CDU-Kollege im Bundestag, Michael Hennrich, der schon vorab den basisdemokratischen Ansatz einer Mitgliederbefragung gelobt hatte, hofft, dieses Instrument möge "keine Eintagsfliege" bleiben. Innerhalb der CDU sei die Identifikation der Mitglieder mit der politischen Entscheidung dadurch sehr groß. Optimistisch setzt Hennrich auf einen "Schub für die CDU in Baden-Württemberg". Der aufgeschlossene Oettinger verkörpere viele Ideale der CDU-Anhänger. In der Landesgruppe überwiege die Freude, berichtet Hennrich aus dem Berliner Umfeld. Kurzum: Das Abstimmungsergebnis sei geradezu ideal. Ein klares Votum für Oettinger, aber trotzdem ein mehr als achtbarer Erfolg für Annette Schavan.

Das Experiment der Mitgliederbefragung habe sich "vollauf gelohnt", betont auch der Kreisvorsitzende Thaddäus Kunzmann, schon immer ein überzeugter Befürworter der Befragung. Entscheidend ist nun, daraus einen dauerhaften Erfolg der CDU Baden-Württembergs als Motor für das Land, aber auch für unsere Bundespartei zu machen", ergänzt Pressesprecher Felix Tausch. Die Stimmung an der Basis sei im Moment so gut wie schon lange nicht mehr. Innerhalb des CDU-Kreisverbandes herrsche Zufriedenheit: Man freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem designierten Ministerpräsidenten und zolle der Kultusministerin Annette Schavan großen Respekt.

Als positiv bewertet auch Andreas Hummel das Votum für den langjährigen Fraktionsvorsitzenden. Persönlich outet sich der stellvertretende Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Kirchheim-Dettingen als "Fan von Oettinger", lobt aber gleichzeitig die Meinungsvielfalt in der Partei, die sich auch auf Stadtverbandsebene gespiegelt hat. Als Beobachter vor Ort ist er sich sicher, dass Günther Oettinger mit seiner engagierten Rede auf dem Parteitag der CDU in Wernau am 12. November entscheidend gepunktet hat: "An diesem Abend konnte er noch den einen oder anderen überzeugen."

Am 11. Dezember soll der Sieger der Befragung auf einem Sonderparteitag der CDU zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2006 gekürt werden. Am 21. April will der Landtag nach derzeitigem Fahrplan den neuen Ministerpräsidenten wählen, da Erwin Teufel seinen Rücktritt für den 19. April angekündigt hat.