Lokales

Bauernkrieg und Revolution 200 Jahre Wilhelm Zimmermann

STUTTGART Am heutigen Freitag findet von 10 bis 18.30 Uhr im Stuttgarter Rathaus ein Symposium zu Ehren des früheren Owener Stadtpfarrers Professor Dr. Wilhelm Zimmermann statt. Unter dem Titel "Bauernkrieg und Revolution" kommen Wissenschaftler aus Berlin und Bern, Konstanz, Heidelberg und Stuttgart zu Wort. Auch Günter Randecker, Vorsitzender des Wilhelm und Louise Zimmermann-Geschichtsvereins wurde eingeladen, um über die Wilhelm-Zimmermann-Gedenkstätte zu berichten.

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"Ich bin am 2. Januar 1807 geboren, zu Stuttgart, wo meine Eltern bürgerlich waren." Mit diesen Worten begann Wilhelm Zimmermann im Mai 1873 seinen in der Owener Marienkirche gesprochenen Lebensabriss bei der Investitur als dortiger Stadtpfarrer. Nach dem Seminar in Blaubeuren und dem evangelisch-theologischen Stift in Tübingen war er als Vikar in Schweindorf tätig. 1831 promovierte er zum Doktor der Philosophie an der Universität Tübingen und im Jahr darauf verheiratete er sich mit Louise Dizinger.

Die folgenden Stuttgarter Jahre gehörten seiner Einschätzung nach "zu den schönsten unseres Lebens." Zimmermann arbeitete als Redakteur beim "Demokratenblatt Hochwächter", dann beim "Württembergischen Volksboten". Von 1840 bis 1847 wirkte er als Pfarrer in Dettingen/Erms und Hülben. Im alten Pfarrhaus verfasste er den Klassiker "Allgemeine Geschichte des großen Bauernkrieges".

Im Herbst 1847 wurde Wilhelm Zimmermann als Professor für Geschichte und deutsche Literatur an die Polytechnische Schule in Stuttgart berufen. 1848/49 vertrat er als radikaldemokratischer Abgeordneter den Wahlkreis Schwäbisch Hall in der ersten deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Bis 1854 war er noch Landtagsabgeordneter, zuletzt für den Wahlkreis Leutkirch.

Als engagierter Verfechter der Volkssouveränität erhielt Zimmermann Berufsverbot, was er in seiner Owener Rede so geißelte: "Schon im Jahr 1851 kam an mich ein Ministerialerlass, der mich meiner Dienstverrichtungen als Professor enthob. 1864, mit dem Amtsantritt König Karls kam die Beförderung auf die größere Pfarrei Schnaitheim". Eigentlich im Pensionsalter erfolgte dann der Wechsel nach Owen.

In seinem 30. Lebensjahr feierte Wilhelm Zimmermann mit seinen Freunden die im August aufeinanderfolgenden Geburtstage Hegels und Goethes mit einem zweitägigen Mahl. Als Student war der erste, der Hegels Philosophie an der Landesuniversiät bekannt machte, und auch den Sinn für Goethes Dichtung weckte. In seinem 70. Lebensjahr schloss er sein beachtliches Lebenswerk mit einem noch heute lesenswerten Nachwort zu seiner dreibändigen "Illustrierten Geschichte des deutschen Volkes".

Im Jubiläumsjahr 2007 ist Zimmermanns Bauernkriegs-Opus nicht neu nachgedruckt worden; einzig "Der deutsche Kaisersaal" ist als Reprint erhältlich. Lohnen würde sich ein Nachdruck seiner "Geschichte Württembergs nach seinen Sagen und Thaten" vor allem der lokalen Bezüge wegen. Über den berühmten Teckberg, über Verena Beutlin, oder über den Wielandstein: "düster durch seine natürliche Lage und durch die Sage des Volkes, die noch allnächtlich die drei Brüder, welche die Felsenburg besaßen, auf dem Kreuzweg im Walde im brudermörderischen Kampfe fechten lässt".

Über das Sybillenloch: "In der schön gewölbten Felsenhöhle wohnte nach der Sage eine Sybille als Zauberin und Prophetin. Auf feurigem Wagen fuhr sie ins Thal hinab, und auf der Stelle verdorrt seitdem Gras, Kraut und Halm. Mit jedem Frühling erscheint der rothe Streif quer durch die Ebene, wovon sich Jeder heute noch überzeugen kann. Ohne Zweifel ist dieser unfruchtbare Streif auf dem Felde die gerade Linie, in welcher sich unter der Erde der geheime Gang hinzieht, welchen die Volkssage von der Burg in die Sybillengrotte, und von dieser aus durch die Eingeweide des Berges in die Ebene herabgehen läßt, die eine Sage nach Owen, die andere nach Gutenberg."

Diese kleine Stadt dort in den Auen war Wilhelm Zimmermann zur Heimat geworden: Er starb am 22. September 1878 während einer Kur in Mergentheim und wurde drei Tage später in Owen zu Grabe getragen. Seine Frau starb ein Dreivierteljahr nach ihm.

gr