Lokales

Bedeutungen von Lichtmess

In der Vergangenheit gehörten Bräuche und Feste zum gewohnten Kommunikationssystem des Dorfes.

NEIDLINGEN Brauchtum ist dynamisch, eng verbunden mit den Bewegungen in der Gesellschaft und sie sind keine zeitlos unwandelbare Naturerscheinungen. Sie werden jeweils neu belebt und ausgefüllt, so wie bei der nachmittäglichen Zusammenkunft der Landfrauen am 25. Januar, dem Tag, an dem aus Saulus Paulus wurde und der die Mitte des Winters markiert. Es ging um die "Lichtmess".

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Schneeflocken hatten das Dorfbild in "lichtes Weiß" verwandelt und den Frauen blieb bei ihrem Treffen nicht nur Zeit zum Zuhören, sondern zum Entspannen, zu Heiterkeit, zu guten Gesprächen. Doch das entscheidende unter den Landfrauen war das spürbare "Wir-Gefühl", das gut getan hat und das von Ulrike Braun in ihrer Begrüßung besonders angesprochen wurde. Mit ihren Aussagen zu dem Alltagsbrauch "Lichtmess" provozierte Rosemarie Rieker als Referentin zum Erinnern: Lichtmess Lichtstub.

Alte Gegebenheiten für und an diesem 2. Februar, dem Lichtmesstag galt es neu zu erfahren. Richtig heißt der Tag "Maria Lichtmess". Sechs Wochen nach Christi Geburt bedeutet dieser Tag das endgültige Ende des Weihnachtskreises. Der 2. Februar ist ein Wendetag mit zahlreichen, bei den Zuhörerinnen noch wohlbekannten Wetterregeln. Diese alten Bauernregeln und schlichten Volksweisheite zu zitieren, fiel leicht. Aber auch "hinter's Licht führen," oder "es geht einem ein Licht auf", zielt auf das Licht hin. Zum Neubeginn eines Bauernjahres an Lichtmess wurden Mägde und Knechte neu eingestellt und die abendlichen Treffs der Mädchen zum Spinnen und Nähen der Aussteuer hörten auf. Das meist nicht leichten Herzens, denn das vergnügliche Beisammensein, zu welchem auch junge Burschen kamen, war oft die einzige Chance zum "Anbändeln".

Bis zum Lichtmesstag musste die körperlich harte Drescharbeit auf dem Bauernhof erledigt sein und es war regelrecht verboten, an diesem Tag Mist oder Gülle zu fahren. Doch wer sich eine Scheuer voller Heu wünschte, der musste an diesem 2. Februar einen Heuwisch an einer Schnur in seiner Scheuer auf- und abziehen.

Es war auch der Tag der Zinszahlung wie an Martini. Ihr Bündel schnüren, deshalb auch Bündelstag genannt, durften oder mussten Handwerksburschen und Dienstboten, die man nicht mehr bei Lohn und Unterkunft unter'm Dach haben wollte. Für das Handwerk hörte ab diesem Tag die an Michaelis (29. September) begonnene Arbeit bei Licht auf. Oftmals gaben Meister ihren Gesellen am Nachmittag frei und daher stammt das heutige und nicht mehr aktuelle "Blaumachen". "Ist's zu Lichtmess mild und rein, wird's ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit".

Doch wie viel Aufbruchstimmung gilt es in der nunmehr neu beginnenden hellen Jahreszeit zu entdecken. Natur immer wieder neu zu erahnen und zu erfahren war mit zur Wahrnehmung des Lichtmesstages die gegebene Einladung und Aufforderung.

rr