Lokales

Beeindruckende Fülle künstlerisch bearbeiteter Eier

Der Mährisch-Schlesische Sudetengebirgsverein MSSGV eröffnete am vergangenen Wochenende seine traditionelle Ostereier-Ausstellung im Freihof. Zu sehen gibt es bis Dienstag eine beeindruckende Fülle künstlerisch bearbeiteter Eier von verschiedenstem Federvieh aus aller Welt.

RENATE SCHATTEL

Anzeige

KIRCHHEIM Unter dem Motto "Das Ei in Brauchtum und Kunsthandwerk" zeigen regionale Künstlerinnen und Künstler im Kirchheimer Freihof Techniken der Eierbemalung und Verzierung. Ergänzt wird die Osterausstellung durch bäuerliche Holzschnitzfiguren und Aquarelle.

Die Ostereier-Sammlung von Emma Fabry und weiteren Sammlern besteht aus Eiern vom Nandu, vom Strauß bis hin zum Zwerghuhn. Eier aus Materialien wie Glas, Porzellan und Stein ergänzen die Fülle ausgewählter Sammlerstücke. Emma Fabry bemalt selbst Eier in der traditionellen Böhmerwälder "Scheckl"-Technik, die sie von Anna Pechmann gelernt hat. Diese brachte die filigrane "Kratz"-Technik auf Batikfarbe aus der alten Heimat mit.

Als leidenschaftliche Sammlerin und begabte Künstlerin fährt Emma Fabry auf Ostereier-Ausstellungen und Messen, um ihre Kunstwerke zu verkaufen und von dem Erlös neue kleine Schaustücke zu erwerben, wie afrikanische Straußeneier, bemalt mit Tigern und Zebras, indische Steineier mit Einlegearbeiten oder russische Holzeier mit bortenartig geschnitzter Birkenrinde beklebt. Rumänische Brauteier, überzogen mit Knötchenstickerei, französische Ei-Schatullen, sorbische und tschechische Hühnereier und russische Ikoneneier ergänzen unter anderem das Bild.

Der Holzschnitzer Franz Wagner schuf bäuerliche Figuren, die eine große Ausgewogenheit in Form und Dynamik aufweisen und einen angenehmen Kontrast zum bunten Eindruck der Eier auf den Ausstellungstischen bewirkten. Das Besondere an den Figuren ist neben ihrer schlichten Schönheit, dass Franz Wagner diese mit nur einer Hand schnitzt.

Ergänzt wird die Osterschau durch leuchtende Aquarelle von Wolfgang Znaimer, der auch in bewährter Weise für das Gesamtkonzept verantwortlich ist. An der Ausstellungseröffnung am Samstagmorgen teilte Günther Buck Wissenswertes über die Herkunft des Osterhasen mit. Warum es gerade der Hase sei, der zu Ostern die Eier bringe, darüber streiten sich bis heute die Gelehrten. Zum ersten Mal wurde er, so Buck, von Medizinprofessor Georg Franck von Frankenau im Jahr 1682 in seiner medizinischen Abhandlung "De ovis paschalibus von Oster-Eyern" als Eierüberbringer erwähnt. Generell durchgesetzt hat sich der Glaube an den Osterhasen erst im 19. Jahrhundert. Der Ursprung des Osterhasen könnte, so der Osterexperte, in der Verbindung der germanischen Göttin Ostara mit dem Hasen und dem Ei liegen. Ostara ist die germanische Fruchtbarkeitsgöttin, der der Hase als heiliges Tier zugeordnet wurde.

Günther Buck stieß in seinen Recherchen über den Osterhasen auf die Theorie, dass es sich bei diesem schlicht und einfach um ein schlecht gezeichnetes Lamm oder ein "verbackenes" Osterlamm handle, denn das christliche Symbol für Ostern ist das Lamm. Ein anderer Erklärungsversuch schiebt den Protestanten die Schuld am Hasenbrauch zu. Die protestantischen Bürger hätten ab 1700 den Brauch des Ostereiersuchens entwickelt, weil sie ihren Kindern nicht den katholischen Brauch des Fastens erklären wollten. Das Ei galt, so Buck, als flüssiges Fleisch und durfte während der Fastenzeit nicht gegessen werden, wodurch sich am Ende der Fastenzeit eine Menge haltbar gemachter Eier angesammelt hatte, die verwertet werden musste. Auch eine frühe Bemalung von Eiern, das so genannte "Dreihasenbild", als Symbol der Dreieinigkeit, könnte als Vorbild für den Osterhasen gedient haben. In Byzanz sei der Hase das Sinnbild für Jesus Christus gewesen.

Dass Hase und Eier in der volkskundlichen Tradition zusammengehören, ist unumstritten. In der Ausstellung des MSSGV jedoch werden die österlichen Eier-Raritäten nicht vom Osterhasen, sondern von handwerklich feinst arbeitenden Künstlern gestaltet. In den Genuss, die bunte Vielfalt österlicher Kunsthandwerke bestaunen zu können, kann man noch heute und am Dienstag von 13 bis 17 Uhr in den Vereinsräumen des MSSGV im Freihof kommen.