Lokales

"Begegnung" mit der Stadt und den Menschen

Eigentlich sind sie aus dem Stadtbild von Kirchheim nicht mehr wegzudenken. Die fünf Skulpturen, die seit knapp einem Jahr vor dem Kornhaus stehen, prägen den Eingang zur Fußgängerzone.

KAI SONNTAG

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KIRCHHEIM "Begegnung" hieß das Motto, unter dem die fünf Künstlerinnen und Künstler im Juli letzten Jahres auf dem Schlossplatz ihr Kunstsymposium veranstalteten. Vier Tage lang arbeiteten sie unter freiem Himmel und ließen in dieser Zeit ihre Kunstwerke entstehen. Es war eine Begegnung vielfältiger Art: der Künstler mit der Stadt, dem Platz und ihren Kunstwerken; vor allem aber der Menschen mit den Künstlern und ihren Skulpturen. Passanten, Beobachter und Besucher konnten mit den Künstlern sprechen, ihnen begegnen und an der Entstehung ihrer Skulpturen teilhaben.

Das war durchaus wörtlich gemeint. Jochen Herzog, Steinbildhauer und Steinmetz aus Ötlingen, bearbeitete einen 2,60 Meter langen Quader aus Sandstein. Seine Idee: Die Passanten sollten mit Farbe spontan etwas zum Thema Begegnung auf den Steinblock schreiben. Die Buchstaben arbeitete er dann mit dem Meißel als Relief heraus, das rund um die Stele läuft, ineinander und übereinander verschlungen ist und somit die Vielfalt der sich begegnenden Meinungen widerspiegelt. "Eine tolle Atmosphäre war das", schwärmt er heute noch. Seine Frau, Monika Majer, Steinbildhauerin und Initiatorin des Symposiums, hatte sich ebenfalls eine Sandsteinstele zur Bearbeitung ausgewählt. Sie trieb Spaltkeile in den Stein, der so in mehre Teile gespalten wurde. Vielen Besuchern verschaffte dies eine Begegnung ganz eigener Art, als sie mit dem Ohr am Stein die Geräusche wahrnehmen konnten, die durch die Bearbeitung in dem Material ausgelöst wurden. Die Steinbildhauerin verband die Teile später zwar wieder miteinander. Die Zwischenräume, die sie jedoch ließ, ermöglichen unterschiedlichste Ein-, Aus- und Durchblicke.

Die Kopffigur aus Eichenholz, die der Notzinger Holzbildhauer Samy Virmoux anfertigte, mutet wiederum archaisch an. Der einzigartige Ausdruck ihrer Mimik lädt den Betrachter zu einer ganz eigenen Begegnung mit dem Kunstwerk ein. Steffen Neidhardt, Schreinermeister und Objektgestalter aus Stuttgart, hat mit seinem Kunstwerk "Occursus" eine Komposition aus Stahl und Holz geschaffen. Mit großer Eleganz und klarer Formgebung hat er die beiden Materialien harmonisch miteinander in Verbindung gebracht und damit die Gegensätze zu einer Einheit geformt: Holz als Symbol für das Organisch-Wachsende, Stahl als Vertreter des Geometrisch-Statischen.

Frank Teufel, Holzbildhauer aus Tuttlingen, hat in seinem Werk aus zwei Eichenholz-Stämmen schlanke Elemente geformt und sie miteinander verhakt und verschlungen. Seine vier Meter hohe Skulptur spiegelt trotz der Distanz, in der die Elemente zueinander stehen, Harmonie, Innigkeit und Nähe wider.

Für die Stadt war das Kunstsymposium eine gelungene Aktion. Denn nach dem Ende des Symposiums stellten die fünf Künstler ihre Werke der Stadt leihweise für ein Jahr zur Verfügung. Die Kulturbeauftragte der Stadt, Marie Luise Schäfer, berichtet von zahlreichen positiven Reaktionen auf die Skulpturen. Besonders gefreut haben sich alle Beteiligten auch, dass die Skulpturen nicht durch Schmierereien verunstaltet wurden. Bis Ende Juli werden die Werke noch vor dem Kornhaus zu besichtigen sein. Was danach geschieht, ist noch nicht ganz klar. Die Stadt hat bereits angekündigt, "Occursus" von Steffen Neidhardt zu übernehmen, das seinen Platz auf dem neuen Bahnhofsvorplatz finden soll. Die anderen Werke suchen noch nach einer geeigneten Verwendung.

INFOWer sich für eine der Skulpturen interessiert, der kann sich an die Initiatorin Monika Majer wenden, die ihr Atelier in der Stuttgarter Straße 158 hat, am besten unter Telefon 0 70 21 / 72 08 22 oder per Mail unter post@stein-gestalten.de.