Lokales

Begeisterung über den Film überlagert Tränen im Schneideraum

Langanhaltender Applaus zeigte deutlich, was die Zuschauer von dem Film über das Freilichtmuseum in Beuren hielten. Insbesondere Autor Christopher Paul bekam ein Extralob für seine Arbeit.

IRIS HÄFNER

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BEUREN Einen äußerst liebevollen und charmanten Film hat Christopher Paul im Auftrag des Südwestrundfunks gedreht was ist auch anders von einem Beitrag zu erwarten, der mit Gartenzwergen in Großformat beginnt und zu denen sich auch Museumspädagoge Jörg Dehlinger gesellt, der dann noch über jene Gartengenossen philosophiert? Ob der Gartenzwerg nun Kitsch oder Kulturgut ist, das kann schlussendlich jeder für sich selbst entscheiden.

Wer der heimliche Star des Films ist, darauf gab es bei der Premiere dagegen eine eindeutige Antwort: Heinrich, der handzahme und äußerst liebebedürftige Schafbock stahl so ziemlich allen die Schau und auch Christopher Paul war äußerst angetan von diesem ungekünstelten Zeitgenossen.

Schon mehrmals war ein Fernsehteam zu Gast im Beurener Freilichtmuseum, um dort themenbezogen zu drehen. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens wurde vor wenigen Wochen nun ein Film über das Museum selbst gedreht. Das Besondere dabei ist, dass Zeitzeugen eine zent-rale Rolle spielen. Zu Wort kommt beispielsweise die Tochter von Imker Albert Hanne aus Ohmden, die die Sonderanfertigung der Ulmer Karosseriefirma Kässbohrer dem Museum überließ, nachdem der Wagen fast 40 Jahre im Besitz ihres Vaters war. Sie erzählt von ihrem Vater und dessen Leidenschaft für die Bienenzucht.

Das Atelier des Kirchheimer Fotografen Otto Hofmann darf in dem Film natürlich auch nicht fehlen, zumal sich dort neben vielen Familien in und um Kirchheim auch Hermann Hesse hatte ablichten lassen. Wie ein roter Faden ziehen sich alte Fotografien durch den Beitrag. Manche Fotos lernen sogar das Laufen. Die angeblich alten Bilder werden lebendig und ehemalige Bewohner der Gebäude erzählen von ihren Erlebnissen in den Häusern. So geht es beispielsweise auch darum, ob ein frisch verheiratetes Lehrer-Ehepaar das Recht auf ein Waschbecken in seiner Dienstwohnung hat.

Der Film gibt auch Auskunft darüber, warum es in Beuren eine Weinbergschneckenzucht gibt und was das alles mit Wien zu tun hat. Was ein Hudelwisch ist dieses Hilfsmittel machte auf den Autor großen Eindruck wird darin genauso ersichtlich wie die mühselige Arbeit eines Waschtages in früherer Zeit. Altes Handwerk darf in einem Bericht über ein Freilichtmuseum ebenfalls nicht fehlen. Schreinermeister Thomas Weber fand auf jeden Fall die richtigen Worte, als er seine Arbeit beschrieb: "Wie früher wird jedes Breggele Holz verschafft."

In acht Drehtagen sammelte Christopher Paul Filmmaterial im Freilichtmuseum für den dreißigminütigen Beitrag. 17 Kassetten a 40 Minuten Laufzeit sind dabei zusammengekommen. Davor nahm sich der engagierte Filmer auch noch genügend Zeit, um in Gesprächen die Zeitzeugen auf ihre "Rolle" in dem Film vorzubereiten. Rund zwei Monate ist er für eine halbe Stunde Film beschäftigt. Der Beitrag selbst entstehe jedoch beim Schnitt, gab der Autor bereitwillig Auskunft auf die Fragen der Zuschauer, und erzählte von den "Tränen im Schneideraum", wenn liebgewonnene Aufnahmen wieder herausfallen, weil sie einfach nicht in den Ablauf oder Rhythmus des Filmes passten. "Die Herausforderung bei diesem Film war es, die Bilder wieder lebendig werden zu lassen", erzählte Christopher Paul. Digital wurden diese Sequenzen bearbeitet, was sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat.

Bei so viel Aufwand und Liebe zum Detail ist es kein Wunder, dass Christopher Paul hauptsächlich nur lobende Worte hörte. Ein Zeitzeuge hatte allerdings augenzwinkernd doch etwas Wesentliches an dem Autor auszusetzen: er ist der Landessprache nicht mächtig. Die schwäbische Freundin dürfte jedoch maßgeblichen Anteil daran gehabt haben, dass es während den Dreharbeiten zu keinen sprachlichen Missverständnissen gekommen ist.

INFO

Der Film "Von Ratsstuben und Bienenwagen Das Freilichtmuseum in Beuren" ist in der Sendereihe "Schätze des Landes" am morgigen Samstag um 21.55 Uhr im Südwest-Fernsehen zu sehen.