Lokales

Begleitung für Schwerstkranke

Palliativ-Verbund Kirchheim-Nürtingen tritt mit Flyer an die Öffentlichkeit

Auch bei schwerster Krankheit gut versorgt zu sein, wer würde sich das nicht wünschen? Mit der Gründung des „Palliativ-Verbundes Kirchheim, Nürtingen und Umgebung“ ist man diesem Ziel rund um die Teck nähergekommen. Menschen mit weit fortgeschrittenen unheilbaren Krankheiten finden hier kompetente Ansprechpartner auf allen Ebenen. Bei der ersten Orientierung hilft jetzt ein Flyer.

Anzeige

irene strifler

Kirchheim. Seit zwei Jahren treffen sich die Initiatoren des Palliativ-Verbundes für den Altkreis Nürtingen regelmäßig. Etwa 20 Personen aus der Ärzteschaft, den ambulanten Pflegediensten, den Pflegeheimen, den Kirchen, kurzum aus allen Bereichen, die mit schwerstkranken Menschen befasst sind, versammeln sich etwa vierteljährlich an einem Tisch.

„Hier ist etwas zusammengewachsen“, freut sich der Kirchheimer Hausarzt Dr. Thomas Löffler über die erfolgreiche Teamarbeit. Die offene Runde biete die Chance, Probleme gemeinsam aufzuarbeiten, die bei der Verzahnung der verschiedenen Zuständigkeiten auftreten.

„Wir besprechen aktuelle Fälle immer anonym“, erklärt Pfarrer Wilhelm Keller, der von Anfang an dabei ist, die Vorgehensweise. So komme es zum optimalen Austausch zwischen Pflegekräften, Ärzten, Seelsorge und Hospizmitarbeitern bei der Begleitung Sterbender. „Wir wissen, wohin wir uns wenden können, deshalb ist uns eine schnelle Reaktion bei der Versorgung schwer kranker Menschen möglich“, sieht Dr. Jürgen Berghold, Kirchheimer Hausarzt, massive Vorteile für die Patienten.

Von der perfekten Vernetzung, die Zeit und Nerven spart, profitieren letztlich alle. Seitens der Pflegekräfte wird der Aspekt gelobt, dass jetzt ein schneller unbürokratischer Austausch mit den Ärzten möglich ist, weil man sich eben kennt. „Wir Pflegefachkräfte fühlen uns, seit es den Palliativ-Verbund gibt, viel besser gerüstet für Notfälle“, lautet die Argumentation. Der Austausch hilft auch bei der Bewältigung des Erlebten. „Es gibt hier auch sehr belastende Erfahrungen“, bestätigt Thomas Löffler. Jürgen Berthold hebt den Aspekt hervor, dass die Ärzte durch den engeren Kontakt mit den Pflegediensten neuen Input für die Behandlung schwer kranker Menschen bekämen.

Im Verbund trägt sich manches leichter, beim Austausch miteinander zeichnen sich schneller Lösungen ab. Besonders zufrieden sind die Initiatoren des Verbundes, dass alle an der Palliativ-Versorgung beteiligten Kräfte integriert sind. „Wir leben dieses Netzwerk“, betont Chefarzt Dr. Ulrich Römmele aus Nürtingen. Auch die Verzahnung mit der Klinik hält er für sehr wichtig.

Mittlerweile gibt es drei Palliativ-Verbünde im Landkreis Esslingen: den Palliativ-Verbund Ostfildern, den Palliativ-Verbund Nürtingen-Kirchheim und den Palliativ-Verbund Esslingen. Alle drei zeichnen sich durch interdisziplinäre Zusammenarbeit aus. Qualität spielt eine große Rolle, so werden beispielsweise regelmäßig Qualitätszirkel abgehalten. Der Bedarf an Palliativversorgung ist groß. Rein rechnerisch wird davon ausgegangen, dass bei 500 000 Einwohnern jährlich etwa 500 Menschen von Palliativ-Verbünden betreut werden.

Auch seitens der Angehörigen gibt es bereits positive Rückmeldungen auf den neuen Verbund in Kirchheim und Umgebung. Menschen, die vor Jahren bereits einen Schwerkranken zu Hause betreut haben und jetzt wieder in dieser Situation sind, wissen, dass sich vieles im Landkreis zum Positiven verändert hat. Für sie, die die Aufgabe der Betreuung zu Hause schultern, gibt es viel mehr Unterstützung. Wenn‘s drauf ankommt, kann sehr schnell Hilfe organisiert werden.

Nicht zuletzt der betroffene Patient ist erleichtert, wenn er weiß, wo er Unterstützung bekommt. Als erste Handreichung dient das neue Faltblatt, das ab sofort in vielen Praxen und Einrichtungen ausliegt. Darauf prangt der Zuversicht spendende Slogan: „ . . . auch bei schwerster Krankheit gut versorgt“. Eine ganze Reihe von Kontaktadressen sind dort aufgelistet, über die der Hilfesuchende dann auch weitervermittelt werden kann. Informationen gibt es außerdem auf der Homepage „www.palliativ-esslingen.de“.

Erklärt wird auf dem Flyer auch der Hintergrund von „Palliativ-Care“. Dabei handelt es sich um ein umfassendes Konzept für die Betreuung unheilbar Kranker. Im Vordergrund stehe dabei das Erreichen einer bestmöglichen Lebensqualität in der noch verbleibenden Zeit. Krankheitssymptome können gelindert und durch liebevolle Pflege eine gute Betreuung gewährleistet werden. Angehörige werden begleitet und in ihrer Verantwortung entlastet, auf Wunsch wird auch die Seelsorge der Kirchengemeinde einbezogen. An der richtigen Adresse beim Palliativ-Verbund Kirchheim-Nürtingen sind vor allem Menschen mit weit fortgeschrittenen Krankheiten, die in ihrer gewohnten Umgebung bleiben wollen.