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Behördenentscheidung blockiert die ganze Branche

Vor knapp zwei Jahren richtete Richard Messerle, der im Aspenhof eine Baumschule betreibt, eine Bauvoranfrage an die Gemeinde. Messerle möchte den eigenen Betrieb um 6000 Quadratmeter erweitern und zusätzlich einen Kommissionier- und Verladehof für Baumschulbetriebe aus Baden-Württemberg einrichten. An dem Zusatz scheiden sich aber die behördlichen Geister. Bürgermeister Roland Erhardt befürwortet die Maßnahme. Das Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde sagt Nein zum bisherigen Konzept.

PETRA BAIL

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HOCHDORF Es gehe nicht um einen Einzelnen, kritisiert Messerle, sondern um eine ganze Branche. Wir werden seit zwei Jahren in der Entwicklung dramatisch aufgehalten. Das ärgert uns. 70 Baumschulbetriebe, überwiegend aus Süddeutschland, brauchen dringend einen Umschlagplatz, wo sie einmal wöchentlich zwischen 18 und 21 Uhr ihre Ware tauschen. Anfangs fand die Baumbörse in Weilheim statt, bis der Platz zu klein wurde. Laut Messerle wollte man eigentlich gleich in das verkehrsgünstig zwischen Autobahn und Bundesstraße gelegene Hochdorf umziehen. Aber die Genehmigung für den Bau fehlt.

Nach langem Suchen stieß die Gemeinschaft der Baumzüchter im Frühjahr schließlich auf eine Industriebrache in Schlierbach. Knackpunkt dort sind nur drei Monate Kündigungsfrist, wenn der Besitzer einen entsprechenden Käufer finden sollte. Dann stehen wir auf der Straße". Zumal die Baumschulbetreiber bei einem Festplatz in Nürtingen und einem Parkplatz auf der Hahnweide in Kirchheim einen Korb bekommen haben. Dort wolle man sich vor möglichen weiteren Anfragen zur Nutzung schützen.

Im Landratsamt heißt es, dass die Erweiterung von Messerles Betrieb kein Problem darstelle, da es sich bei der Baumschule um einen privilegierten Betrieb im Außenbereich handelt. Ein 4000 Quadratmeter großer Umschlagplatz wird jedoch von Gerd Schmid, Amtsleiter der Baurechtsbehörde, als gewerbliche Anlage gewertet, die im Gewerbegebiet erstellt werden könnte, nicht jedoch im Außenbereich.

"Wir haben im Rahmen der Bauvoranfrage die Zulässigkeit geklärt", sagt Schmid. Dabei haben Messerle und der Landesverband Deutscher Baumschulen, der den Bau für optimal hält, immer wieder mit der Fachbehörde verhandelt. Vor wenigen Tagen wurde die negative Antwort allen Beteiligten mitgeteilt, auch MdL Karl Zimmermann (CDU), der sich vehement für die Belange der heimischen Baumschulen einsetzt. Der Landtagsabgeordnete erklärt, man müsse diese Gelegenheit ergreifen, um den heimischen Betrieben und deren Naturprodukten eine Chance zu geben.

Auch Bürgermeister Roland Erhardt unterstützt die Pläne. "Ohne Handel funktioniert die Baumschule nicht, und ein Umschlagplatz gehört dazu", sagt er. Erhardt sieht in dem Kommissionier- und Verladehof keine Belastung. Das Gewerbegebiet wäre zu teuer für das Vorhaben, das er dort für sinnvoll hält, wo die Baumschule bereits existiert.

Nach Ansicht von Messerle befürchten die Behörden, mit der Genehmigung der Börse einen Präzedenzfall zu schaffen. Doch alle Baumschulen, die ihre Ware wöchentlich umschlagen, sind landwirtschaftliche Betriebe mit Urproduktion überwiegend in Württemberg. Einige wenige kommen aus Bayern, sagt Messerle, der erklärt: "Für regional arbeitende Betriebe ist der Tausch lebensnotwendig".

Da sich die meisten Betriebe wie Messerle auf zwei bis drei Kulturen spezialisieren, ist der Austausch der Produkte wichtig, um Komplettanbieter bleiben zu können. Nach Ansicht Messerles stellt dieses Verfahren ein optimales Konzept dar: Da die Baumschulen in einen geschlossenen Benutzerkreis eingebunden sind, werden die gesuchten Bäume ins Intranet gestellt. Mittwochs wird dann nur noch vor Ort getauscht. Große Betriebe kommen mit zwei bis drei Lastwagen. Dabei verweist Messerle auf den Immissionsausstoß: Würden die Betriebe die einzelnen Bäume ausfahren, wären die Laster zwei, drei Tage in Baden-Württemberg unterwegs.