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Behr-Zentrale nicht mehr zu retten

Die 180 Arbeitsplätze der Firma Behr Automotive GmbH in Wendlingen gehen verloren. "Die Schließung der Verwaltung und des Produktionswerks in Wendlingen war unumgänglich", sagt Insolvenzverwalter Volker Grub. Der marode Konzern soll aber von der Sellner Holding GmbH in Neuendettelsau übernommen werden.

ELISABETH MAIER

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WENDLINGEN Bereits am 1. Januar will Grub die Übernahme in trockene Tücher bringen. Am 31. Oktober hatte Behr Insolvenz angemeldet (wir berichteten). "Da war nichts mehr zu retten", sagt der Insolvenzanwalt Volker Grub mit Blick auf das marode Wendlinger Werk. Nicht nur die Produktionsanlagen beschreibt er als "total überholt". Diese hätten eine moderne Fertigung, wie sie für die Aufträge von Daimler gefordert seien, nicht mehr zugelassen. Außerdem sei das Firmengelände von Wohnhäusern umgeben. "Deshalb wäre dort auch kein Mehrschichtbetrieb machbar gewewesen."

Vorallem in den letzten zwei Jahren habe Behr immense Verluste hinnehmen müssen. Grub: "Der Verlust der deutschen Gesellschaft hat 2007 den Umsatz von 20 Millionen Euro übertroffen." Das Werk in Wendlingen sei nur noch zu einem geringen Teil ausgelastet gewesen und habe zu den hohen Verlusten erheblich beigetragen.

Das Werk in Wallerstein mit 220 Mitarbeitern und das amerikanische Tochterunternehmen Behr Industries Corporation in Grand Rapids/Michigan (USA) mit 250 Mitarbeitern übernimmt die Sellner Holding GmbH. "Das ist eine ideale Lösung", findet Grub. Das Unternehmen sei ein führender Hersteller von Zier- und Funktionsteilen für hochwertige Autos und produziere vorwiegend für BMW. Mit den Daimler-Aufträgen von Behr verfüge auch Sellner nun über "ein breiteres Fundament" und werde seine Marktanteile weiter ausbauen. Das Werk in Wallerstein sei etwa eine Autostunde von Neuendettelsau entfernt.

"Da war wirklich nichts mehr zu retten, der Konkurs kam zu spät", sagt Sieghard Bender, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall. Er hatte bis zuletzt versucht, die Geschäftsführung von Sellner zu überzeugen, über einen Standort auf dem ehemaligen Müller-Weingarten-Areal in Esslingen nachzudenken. Diese Lösung wäre nach Ansicht des Insolvenzverwalters Volker Grub aber nicht rentabel gewesen.

"Die Belegschaft ist schockiert", sagt Bender. Dennoch sehe auch er keine andere Lösung mehr, nachdem Insolvenzverwalter Grub die Zahlen vorgelegt habe. Die Gewerkschaft erarbeitet mit Grub einen Sozialplan. Bender geht davon aus, dass einige Mitarbeiter das Angebot annehmen, mit nach Wallerstein zu gehen. Die Fahrzeit für Pendler würde eineinhalb Stunden betragen. Für diese Mitarbeiter müsse man Fahrgeld aushandeln.

Die übrigen Mitarbeiter will Grub in einer Beschäftigungsgesellschaft auffangen. "Der Arbeitsmarkt in der Metallbranche ist zurzeit nicht schlecht", findet der Fachanwalt für Insolvenzrecht. Deshalb geht er davon aus, dass die meisten Mitarbeitervermittelt werden könnten. Vor allem für Ältere aber werde die Situation schwierig, räumt er ein. Die Gesellschaft, die neun Monate bestehen soll, zahlt den Mitarbeitern Kurzarbeitergeld. Zugleich werden sie bei Bewerbungen unterstützt und gezielt fortgebildet. Erst nach diesen neun Monaten müssen sie sich dann arbeitslos melden.