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Bei allen Stuttgart-Spielen in Bereitschaft

Premiere für Stuttgart: Morgen findet das erste WM-Fußballspiel in der Schwabenmetropole statt. Die Vorbereitungen dazu sind seitens des DRK-Hilfszugs aus Kirchheim schon seit dem Wochenende abgeschlossen.

IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM Große Ereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft werfen ihre Schatten weit voraus.

O:9020603.JP_Planung ist fast alles, damit das Welt-Event so reibungslos wie möglich verlaufen kann. Doch auch auf Unvorhergesehenes wollen die Organisatoren so gut wie möglich vorbereitet sein. Deshalb ist der Katastrophenschutz mit im Boot. "Wir hoffen, dass wir nicht zum Einsatz kommen", sagt Marc Schindel von der DRK-Bereitschaft Weilheim.

Gleichwohl hat das Deutsche Rote Kreuz schon Vorleistungen erbracht. Im Katastrophenschutzlager im Hohenreisach in Kirchheim, für das die Bereitschaften Kirchheim und Weilheim zuständig sind, wurden gleich mehrere Lkws mit jede Menge Material beladen und zu der Theodor-Heuss-Kaserne in Bad Cannstatt gefahren. "Die Sachen sind jetzt alle in den Lkws vor Ort, damit im Notfall der Anfahrtsweg wegfällt und schnelles Handeln möglich ist", erklärt Marc Schindel. In den Lastwagen befinden sich beispielsweise 1200 Wolldecken, 2000 Papierhandtücher, 30 Krankenbetten, 1000 Schlafsäcke, 150 Feldbetten, 200 Klappstühle, insgesamt 1700 Trainingsanzüge für Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer, 1000 mehrteilige Essgeschirre oder auch Waschutensilien, ebenfalls für die unterschiedlichen Belange von Männer und Frauen einsortiert. Elektromaterialien wie Notstromaggregate stehen auch bereit, ebenso wie eine Funkanlage. "Sollte es tatsächlich zu einem Katastrophenfall kommen, brechen meist die Handynetze zusammen. Wir können dann über Funk Informationen weitergeben", beschreibt Marc Schindel den Vorteil der althergebrachten Technologie.

Verantwortlich für die vorgegebene Zusammenstellung der Materialien war Klaus Gauss, Lagerverwalter im Hohenreisach. Das DRK-Generalsekretariat in Berlin arbeitete die überörtliche Grobplanung aus, die Landesverbände gingen daraufhin ins Detail.

Der Hilfszug des DRK ist das einzige überregionale Einsatzinstrument für den Zivil- und Katastrophenschutz. Zu den Aufgabenbereichen zählen Sanitäts- und Betreuungsdienst, Pflege- und Pfleghilfsdienst, Fernmeldedienst sowie die technische Sicherstellung von Trinkwasser oder Strom. Zum Einsatz kommen die ehrenamtlichen Helfer bei Katastrophen, internationalen Hilfeleistungen und nationalen Zivilschutz-Fällen. Zu Letzterem zählt zum Beispiel der Weltjugendtag in Köln im vergangenen Jahr.

Das DRK Nürtingen-Kirchheim ist mit 30 Frauen und Männern bei jedem Spiel in Stuttgart in Bereitschaft. Die Notfallpläne sehen verschiedene Interventionswellen vor. Die Kirchheimer und Nürtinger Rotkreuzler gehören zum zweiten Einsatzkommando und müssen innerhalb einer Stunde in Stuttgart sein. Eine Stunde vor Spielbeginn treffen sich aus dem gesamten Altkreis Nürtingen die ehrenamtlichen Helfer im Gebäude der DRK-Geschäftsstelle in Nürtingen. Auch die Fahrzeuge stehen mit der Grundausstattung abfahrtbereit in der Garage und ein Notarzt gehört ebenfalls zum Team.

Die Fifa hat mit dem DRK einen Vertrag abgeschlossen, ähnlich wie mit den Sponsoren. Somit ist allein das Deutsche Rote Kreuz für das Wohl der Fans zuständig. Kommen derart viele Menschen auf engstem Raum zusammen, müssen die Helfer nicht nur mit massenbedingten Unfällen rechnen. Die üblichen Notfälle, wie sie in jeder Stadt vorkommen, können jeden einzelnen auch im Stadion treffen, schlimmstenfalls auch ein Herzinfarkt.

"Der übliche Rettungsdienst läuft normal weiter. Er hat mit dem Einsatz bei der Fußball-WM nichts zu tun", beschreibt Christoph Schmid vom DRK-Kreisverband die unterschiedlichen Sanitätsdienste. Passiert beispielsweise in Owen ein Unfall, läuft die Alarmierung des Rettungswagens wie gewohnt, denn diese Sanitäter sind während ihrer Dienstzeit nicht für Stuttgart eingeplant.

Nicht alle Helfer des DRK sind Fußballfans. Marc Schindel outete sich beispielsweise als Handball-Anhänger. "Wenn Deutschland spielt, werden wir aber auf alle Fälle das Spiel in der Geschäftsstelle anschauen. Bei Mannschaften, die uns weniger interessieren, werden wir dann die eine oder andere DVD einlegen", beschreibt er die geplanten Aktivitäten während der Bereitschaft. Da jedoch notgedrungen viele Kollegen ebenfalls vor Ort sind, wird die Zeit beispielsweise auch dazu genutzt, um die anstehende Großübung auf dem Kolb & Schüle-Areal durchzusprechen.

Mit welchen Katastrophen genau zu rechnen ist, können die ehrenamtlichen Helfer auch nicht sagen. "Das kann möglicherweise ein Chemieunfall in einer Raffinerie sein. Die Menschen müssen dann so schnell wie möglich aus ihrer Kleidung raus, weshalb wir die Trainingsanzüge vor Ort haben. Wir planen in alle Richtungen", so Marc Schindel. Den Helfern ist klar: Werden sie alarmiert, ist es zum Worst Case gekommen, also zum schlimmsten aller anzunehmenden Fälle. Eines kann Marc Schindel jedoch garantieren: "Das ist der größte planbare Sicherheitsdienst in der Geschichte des DRK."