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Bei den Dettinger Finanzen kommt der Turbo rein

Dettingen steht finanziell so gut da wie schon lange nicht mehr. Für die Gemeindeverwaltung ist das jedoch kein Grund zum Übermut. Im Haushaltsplanentwurf 2008 finden sich vor allem Routineaufgaben und bereits beschlossene Projekte wieder. Allerdings könnte es im Ort auch eine einschneidende Neuerung geben, wie Bürgermeister Haußmann verriet.

BIANCA LÜTZ

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DETTINGEN Wer angenommen hatte, zwischen Automobilbau und Finanzplanung gebe es keine Gemeinsamkeiten, der wurde bei der Einbringung des Dettinger Haushaltsplanentwurfs 2008 eines Besseren belehrt: In seiner Haushaltsrede wies Bürgermeister Rainer Haußmann darauf hin, dass die Trends durchaus vergleichbar seien: "Runter mit den Zylindern und rein mit dem Turbo", laute das Motto im Automobilbau und bei der Haushaltsplanung. Auch dort sei "Downsizing" angesagt. Das bedeutet eigentlich, dass der Hubraum verringert wird, ohne dass die Leistung leidet. Ein guter Weg auch für die Schlossberggemeinde, wie Haußmann glaubt: "Leistung ist schließlich keine Schande, es kommt nur auf den Verbrauch an."

Leistungsfähig ist er, der Dettinger Haushalt 2008. Verena Wiedmann, Leiterin der Dettinger Haupt- und Finanzverwaltung, sprach von einer "außergewöhnlichen Zuführungsrate vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt". Sie beträgt 711 000 Euro, nach Abzug der Schuldentilgung stehen der Gemeinde noch 536 000 Euro frei zur Verfügung ein sehr gutes Ergebnis. "Das gab es schon lange nicht mehr", freute sich Wiedmann.

Zufrieden kann die Gemeinde mit den Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommensteuer sein. Sie entsprechen ungefähr den Werten des vergangenen Jahres. Hauptgrund für die guten Zahlen im Etat ist allerdings die Systematik des Finanzausgleichs. Das heißt, die Gemeinde wird sozusagen für das schlechte Jahr 2006 entschädigt. Im Gegenzug verheißt das nichts Gutes für die kommenden Jahre. Aufgrund der Ausgleichssystematik "müssen wir für 2009 bereits wieder von einer negativen Zuführung ausgehen", so Haußmann.

Dass der Haushalt 2008 so gut dasteht, hat noch andere Gründe. So ging Rainer Haußmann auf den geringen "Verbrauch" auf der Ausgabenseite ein. Er betonte, dass die Gemeinde seit Jahren an Personalkosten spare. Das führe dazu, "dass es insbesondere im Bauhof und auf dem Rathaus so langsam richtig weh tut". Das gleiche gelte für Geschäftsausgaben und Bewirtschaftungskosten. Auch habe die Gemeinde in Energiesparmaßnahmen investiert und das Hallenbad erfolgsversprechend und wirtschaftlich verpachtet.

Dennoch: Dass die Kosten steigen, kann die Kommune nicht verhindern. So liegen die Personalkosten im Vergleich zu 2007 höher, unter anderem wegen tariflicher Erhöhungen und weil im Kindergarten Starennest eine zusätzlichen Regelgruppe eingerichtet werden musste. Einen Sprung nach oben gibt es auch bei der Unterhaltung von kommunalen Anlagen und Gebäuden. "Da gibt es einen Sanierungsstau aus den Vorjahren", so Verena Wiedmann.

40 000 Euro sind im Verwaltungshaushalt eingestellt, um das marode Treppenhaus und die Parkettböden im Rathaus zu sanieren. Zahlreiche Gemeindestraßen werden saniert und Straßenlaternen ausgetauscht. Die Kosten für Park- und Grünanlagen sowie Spielplätze sind um rund 80 Prozent auf 130 000 Euro angestiegen. Zudem fallen 210 000 Euro für die Kanalsanierung an.

Trotz aller positiven Aussichten für 2008 blickt Verena Wiedmann nicht allzu übermütig in die Zukunft. Noch seien keine langfristigen Verbesserungen zu erkennen: "Haushalts- und Finanzplanungen bleiben weiterhin schwierig und bieten wenig Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit." Auch in den Folgejahren stünden weitere Maßnahmen im Bereich der Kanalsanierung an. Zudem würden etwa Energiepreissteigerungen und der Ausbau der Kinderbetreuung das "Betriebsergebnis" also den Verwaltungshaushalt belasten.

"Dass die Gemeinde in Zukunft noch mehr in Bildung und Erziehung investieren muss, ist plausibel", so Haußmann. Noch dieses Jahr will Dettingen eine Konzeption für Kleinkinder- und Ganztagesbetreuung auf den Weg bringen. Übrigens: Was die Kinderbetreuung angeht, so könnte es in der Schlossberggemeinde in den kommenden Jahren noch eine ziemlich einschneidende Neuerung geben. "Wir wollen in den nächsten Wochen in einer Studie prüfen lassen, ob wir den schon länger angedachten Schritt zum Neubau eines sogenannten Bildungshauses in den Unteren Wiesen in naher Zukunft wagen sollen, besser gesagt, aus finanzieller Sicht wagen können", gab Haußmann bekannt. Dafür müsste die Gemeinde kräftig in die Tasche greifen. Die Kosten werden derzeit auf 3,5 Millionen Euro geschätzt.

Dieses Jahr dagegen tauchen in dem rund 1,1, Millionen Euro umfassenden Vermögenshaushalt vor allem bereits beschlossene Projekte auf. Auf der Investitionsliste der Gemeinde stehen 107 000 Euro für den Hochwasserschutz im "Nachtobel" und 35 000 Euro für die Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr. Derzeit wird der Sitzungssaal des Rathauses umgebaut. Dafür sind 280 000 Euro eingestellt. Der Bahnhofsplatz wird folgen. 2008 fallen dafür 50 000 Euro Planungskosten an. Nach Fertigstellung des Bahnhofsplatzes 2009 sind die bewilligten Fördermittel des Landes aufgebraucht. Doch auch in Zukunft möchte der Rathauschef die Ortskernsanierung vorantreiben: Er kündigte an, wieder einen Aufstockungsantrag stellen zu wollen.

Die Haushaltsberatungen finden am 25. Februar statt, verabschiedet wird der Etat am 10. März.

DER ETAT IN ZAHLENHaushaltsvolumen 10,5 Mio. Euro (2007: 10,3)Verwaltungsetat 9,4 Mio. Euro (2007: 8,6)Vermögensetat 1,1 Mio. Euro (2007: 1,7)Gewerbesteuer 2 Mio. Euro (2007: 2)Einkommenst.anteil: 2,5 Mio. Euro (2007: 2,2)Finanzzuweisungen v. Land: 1 Mio. Euro (2007: 0,5)Rücklage Ende 2008: 0,8 Mio. Euro (2007: 0,6)Pro-Kopf-Verschuldung: 625 Euro (2007: 675)