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"Bei den Kindern sollte man zu allerletzt sparen"

Rund ums Thema Kindergärten drehte es sich in jüngster Gemeinderatssitzung in Holzmaden. Zur Diskussion stand ein Antrag der Evangelischen Kirchengemeinde, das Personal im Kindergarten Seestraße aufzustocken. In der Einrichtung steht außerdem eine Sanierung an, da sich in Erd- und Untergeschoss Schimmel gebildet hatte.

BIANCA LÜTZ

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HOLZMADEN Die wichtigste Neuerung in Sachen Kindergärten: In der Seestraße wird das Personal um 36 Prozent aufgestockt. Die Verwaltung hatte empfohlen, den Antrag der Evangelischen Kirchengemeinde Trägerin der Holzmadener Kindergärten auf Erhöhung des Stellenplans abzulehnen, da die gesetzlichen Personalanforderungen schon überschritten sind. Auf einen abweichenden Antrag von Jörg Molter (HBL) hin sprachen sich die Bürgervertreter jedoch mit acht Ja- und drei Nein-Stimmen für die Aufstockung aus, die die Gemeinde 20 000 Euro pro Jahr kostet. Einzige Bedingung: Die Stelle soll zunächst auf ein Jahr befristet werden.

"Bei den Kindern sollte man zu allerletzt sparen", unterstützte Gert Hauschild den Antrag seines Fraktionskollegen. "Das kostet Geld, aber sprengt unseren Haushalt nicht", pflichtete ihm Rainer Stephan (HBL) bei. Auch Heike Schwarz (FWV) plädierte für eine zumindest kurzfristige Aufstockung des Personals. Anderer Meinung war da ihr Fraktionskollege Rolf Hauff: "Wir sind in einer prekären Situation", ging er auf die Haushaltslage der Gemeinde ein und verwies auf die Ausführungen von Kämmerer Reiner Philipp. "Über 200 000 Euro werden fehlen", hatte dieser mit Blick auf die Finanzplanung 2006 zu bedenken gegeben. Bürgermeister Jürgen Riehle sprach sich ebenfalls gegen eine zusätzliche Stelle aus. "Ich finde, wir sollten gleichbleibend handeln", forderte er. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass wir vor zwei Jahren einer Erzieherin gekündigt haben und jetzt wieder jemanden einstellen."

Mit Betreuungsplätzen für Kinder über drei Jahren ist die Gemeinde Holzmaden ausreichend versorgt. Insgesamt bieten die drei Kindergartengruppen Platz für 84 Jungen und Mädchen. 46 Kinder davon eines aus Weilheim besuchen derzeit die beiden Gruppen des Kindergartens in der Seestraße. Im Laufe des Kindergartenjahres erhöht sich die Zahl voraussichtlich auf 54. In der Schillerstraße werden 23 Kinder betreut. Ein weiteres Kind kommt im Januar dazu. "Der Kindergartenbetrieb reicht gut aus, auch bei Zuzügen", fasste Jürgen Riehle zusammen und ergänzte: "Sollten die 84 Plätze je nicht ausreichen, sind Ausnahmen möglich." Anwesenheitslisten belegen ihm zufolge, dass die Kindergartengruppen nie voll sind. In der Seestraße sind vormittags höchstens 80 bis 90 Prozent der angemeldeten Kinder da, nachmittags durchschnittlich 40 Prozent. Die "Dreivierteltagesgruppe" in der Schillerstraße besuchen im Schnitt 66 Prozent der angemeldeten Kinder.

In Kooperation mit der Familien-Bildungsstätte Kirchheim, die Trägerin ist, bietet die Gemeinde Holzmaden zudem seit Mai eine Spielgruppe für Kinder ab zwei Jahren an. An zwei Vormittagen werden dort elf Kinder betreut. Vier Kinder sind aus Holzmaden, die anderen aus Kirchheim, Weilheim, Ohmden, Aichelberg und Dettingen. "Uns ist in Holzmaden kein weiterer Bedarf an Betreuung für Kinder unter drei Jahren bekannt", sagte Jürgen Riehle. In naher Zukunft werde es daher keine zusätzlichen Angebote geben.

Zur Diskussion stand im Gemeinderat auch die Förderung von überörtlichen, freien Kindergartenträgern. Wald- und Waldorfkindergarten hatten Anträge auf Förderung durch die Gemeinde Holzmaden gestellt, da derzeit ein Kind aus der Urweltgemeinde den Waldorfkindergarten besucht, drei Holzmadener Kinder den Waldkindergarten in Weilheim. "Wir haben im Moment noch keine Pflicht, freie überörtliche Träger zu bezuschussen", stellte Jürgen Riehle klar. Im Januar trete aber voraussichtlich ein neues Kindergarten-Gesetz in Kraft, das die Gemeinden dazu verpflichten werde. "Dann entsteht eine Art Kindergarten-Tourismus", blickte Riehle skeptisch in die Zukunft. Susanne Singer stellte den Antrag, dass die freien Träger auch wenn sie nicht in die Bedarfsplanung aufgenommen werden einen jährlichen Zuschuss von 50 Euro erhalten. Ihr Anliegen wurde mit einer knappen Mehrheit abgelehnt.

Im Kindergarten Seestraße steht außerdem eine Sanierung an, da sich im Laufe des Jahres leichter Schimmel in Erd- und Untergeschoss gebildet hat. Nachdem Untersuchungen des Gesundheitsamts ergeben hatten, dass die Luft "wahrscheinlich" mit Schimmelpilzen belastet ist, wurden die betroffenen Gruppen vorsorglich verlegt. "Lüften und Heizen haben geholfen", informierte Jürgen Riehle. Um die Bildung von Schwitzwasser auf Grund extremer Temperaturunterschiede zu vermeiden, muss das 40 Jahre alte Gebäude dringend isoliert werden. "Das wird sicher ein Thema bei den Haushaltsberatungen", stellte der Bürgermeister in Aussicht.